Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

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Pulle
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Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon Pulle » 19.11.11 17:59

Guten Abend,

immer öfters liest mab in Zeitungen und bekommt in anderen Medien mit, wie Rechtsradikale an Schulen rumlungern und Schüler anwerben. Mein Sohn ist selbst 15 (schwierige Phase) und geht auf eine Hauptschule. Auch dort werden immer wieder Schüler von Rechtsradikalen angesprochen. Der Direktor tut dagegen nichts oder KANN dagegen nichts tun. Die Eltern sind jetzt am beratschlagen, ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre, die Schüler durch Flyer drucken auf diese gefährliche Szene aufmerksam zu machen. Wir Eltern sind nämlich der Meinung im Unterricht selbst, wird auf dieses Problem zu wenig eingegangen.
Was meint ihr, könnte man mit Flyer drucken etwas erreichen bzw. die Jugendlichen erreichen? Oder sollten wir lieber direkt einen Vortrag darüber halten. Man könnte ja dann trotzdem Flyer drucken und diese dann eben im Saal auslegen. Oder bringt das alles nichts um die Kinder vor einem Fehler zu bewahren?

Vielen Dank für die Rückmeldungen!

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zappa
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Re: Kamof gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon zappa » 20.11.11 11:06

Pulle hat geschrieben:Oder sollten wir lieber direkt einen Vortrag darüber halten.

ja, aber dann lieber ohne die pulle inner hand. :wink:

Dude
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Re: Kamof gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon Dude » 20.11.11 13:41

Pubertierenden um die 15 in einem "Kampf gegen Rechts" mittels Vortrag (!) klar machen, dass rechtes Gedankengut ein Fehler ist?

Das wird einen durchschlagenden Erfolg haben, weil es überhaupt nicht bevormundend rüberkommt und die Jugendlichen sich richtig ernstgenommen fühlen werden.

Wenn überhaupt würde ich Flyer benutzen, um zu warnen, aber haltet um Himmels willen keine Vorträge. Damit erreicht ihr bestimmt sogar noch das Gegenteil bei den Widerspenstigen unter den Kids.
Zudem braucht man sich bei reflektierten und intelligenten Kindern auch wenig Gedanken machen, dass sie auf so einen Quatsch reinfallen. Da reicht es, einen Denkanstoß zu geben, da muss man nicht in Form eines Vortrages dagegenpredigen.

Darüber hinaus vermittelt ihr auch ein seltsames Bild von der Demokratie, wenn ihr mit erhobenen Zeigefinger in einer offiziellen Veranstaltung vor dieser und jener Strömung warnt. Die Jugendlichen werden sich unweigerlich fragen, warum da jetzt so ein Wirbel gemacht wird und mit welchem Recht, was den Rechten mit ihrem "Rücken-an-der-Wand-Keiner-Versteht-Uns-Ethos" wieder entgegenkommt.

Sowas sollte eher in die Zuständigkeit des Elternhauses fallen, sein Kind ruhig und sachlich aufzuklären, warum dieses und jenes Unsinn ist. Die Flyer sind dabei aber eine gute Idee, da sie zum Nachdenken anregen ohne zu bevormunden.
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Tabita
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Re: Kamof gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon Tabita » 20.11.11 17:48

Hallöchen!

Jaaa, also - Flyer drucken finde ich schonmal einen ganz guten Ansatz, was ich für viel interessanter und effizienter halte als Flyer drucken oder den Vortrag für die Kids wäre, eine Elterninfoveranstaltung.
Thema so einer Veranstaltung könnte sein, wie man das Thema zu Hause mit seinen Kids aufarbeitet. Wohin man sich wenden kann wenn Kinder bereits in diese Richtung abgerutscht sind etc.
Rechte zeigen sich sehr stark, kennst du den Film "Die Welle" ? Da können grade verunsicherte Jugendliche die von zu Hause aus nicht vermittelt bekommen haben dass sie ok und super sind wie sie sind, nicht nein sagen.
Daher - [Werbelink entfernt. Basti] ok, Vortrag an die Kids kannst vergessen bringt eh nix - Elternarbeit ist das Non plus Ultra!

Viel Erfolg und Spass und so!

Tabita

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egozentrum
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Re: Kamof gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 20.11.11 18:21

Ja, finde ich auch so ähnlich, Dude.

Wird ja auch nicht so sein, daß diese im Anfangsbeitrag erwähnten rechten Werbeleute den Kids mit Worten wie "alle Nichtarier in den Hochofen!" kommen, sondern schon mit durchaus berechtigten Sorgen, die es ernstzunehmen gilt, sofern im Einzelfall denn möglich. I.d.R. beschweren die sich doch zu recht über Konsequenzen von Regelungen, die man im Normalfall wegen überzuordnenden Interessen so gestaltet.

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Lyrr
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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon Lyrr » 21.11.11 01:22

Meine Schule wurde von einer jüdischen Zeitzeugin besucht, die von ihrem Leben und der NS-Zeit sowie der Gefangenschaft im KZ erzählte. Das war ein sehr einprägsames Erlebnis. Ich schätze da den Effekt ungleich höher ein als bei Flyern oder gar Predigten. Vielleicht könntet ihr etwas derartiges organisieren?

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egozentrum
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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 21.11.11 02:01

Das könnte inzwischen echt schwierig werden, oder? Der Krieg ist doch schon mehr als 66 Jahre vorbei, und irgendein Mindestalter müsste die Person bei der Befreiung ja auch gehabt haben, um was darüber zu erzählen zu haben.

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Lyrr
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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon Lyrr » 21.11.11 21:51

Es gibt entsprechende Vereinigungen, einfach mal googeln. Ich habe die Zeitzeugin 2010 gehört, so lange ist das also noch nicht her.

rycki
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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon rycki » 24.11.11 13:05

Pulle hat geschrieben:Guten Abend,

immer öfters liest mab in Zeitungen und bekommt in anderen Medien mit, wie Rechtsradikale an Schulen rumlungern und Schüler anwerben. Mein Sohn ist selbst 15 (schwierige Phase) und geht auf eine Hauptschule. Auch dort werden immer wieder Schüler von Rechtsradikalen angesprochen. Der Direktor tut dagegen nichts oder KANN dagegen nichts tun. Die Eltern sind jetzt am beratschlagen, ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre, die Schüler durch Flyer drucken auf diese gefährliche Szene aufmerksam zu machen. Wir Eltern sind nämlich der Meinung im Unterricht selbst, wird auf dieses Problem zu wenig eingegangen.
Was meint ihr, könnte man mit Flyer drucken etwas erreichen bzw. die Jugendlichen erreichen? Oder sollten wir lieber direkt einen Vortrag darüber halten. Man könnte ja dann trotzdem Flyer drucken und diese dann eben im Saal auslegen. Oder bringt das alles nichts um die Kinder vor einem Fehler zu bewahren?

Vielen Dank für die Rückmeldungen!


Hallo

Bisweilen ist es sicher so, dass an Schulen Kinder für solche verwerflichen politischen Zwecke rekrutiert werden. Komischerweise gibt es da von Seiten der Schulen recht wenig Möglichkeiten sich effektiv zur Wehr zu setzen. Da macht es sicher Sinn sich als Eltern ein wenig zu engagieren. Flyer drucken ist bequem Online möglich, entscheidend wäre aber auf welche Inhalte man dabei setzt. Schließlich werden die Rechtsextremen ihrerseits auch Werbemittel verteilen. Wenn man sie also mit eigenen Waffen schlagen will sollte die Botschaft die man übermittelt griffiger sein und den Schülern schnell verständlich machen weshalb die von den Rechtsextremen vertretenen Inhalte ablehnen solllten.

Ein Vortrag würde halt die Zustimmung der Schulleitung erfordern wäre aber sicher auch ein sehr gutes Zeichen um ein wenig an den Verstand der Jugendlichen zu appellieren.

Karat
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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon Karat » 02.12.11 16:29

Versetzt euch doch mal ein wenig zurück im Alter, würdet ihr mit Interesse einem Vortrag der Erwachsenen mit Begeisterung beiwohnen ? Wohl kaum, und wenn, sind es sicher nicht viele, die da offene Ohren haben, wenn die Alten mahnen.

Wie wäre denn einfach mal ein Gespräch innerhalb der Familie ? So nach der Devise "Was weißt du davon", oder "wie denkst du über diese Gruppierung" ? usw.

Flyer werden wohl kaum aufmerksam gelesen, es sei denn es geht um die Lieblingsband, oder eine Veranstaltung in einer Disco.

Was Zeitzeugen anbelangt, ist es natürlich nicht mehr so einfach, da viele leider schon verstorben sind. Dennoch kann auch ein Besuch in einem KZ durchaus Augen öffnen.

Nicht ganz uninteressant sind auch die Gefängnisse in der ehemaligen DDR da sie, laut Zeitzeugen, oftmals 1&1 vom Regim übernommen worden sind, mit den gleichen Foltermethoden und Verhören, um Menschen mürbe zu machen.
In Hohenschönhausen (Berlin) zB.werden die Führungen von ehemaligen Häftlingen durchgeführt. Was man allein dort zu hören bekommt, läßt einen erschaudern. Wobei in der NS Zeit der Tod der Häftlinge oberstes Gebot war.

Jugendliche kann man bewahren durch Gespäche innerhalb der Familie auf gleicher Augenhöhe, ohne dass man belehren will. Sie selbst auch anhören, was sie denken oder sich vorstellen um dieses Thema herum.
Fühle die Würde eines Kindes, fühl dich nicht ihm überlegen, denn du bist es nicht.

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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 02.12.11 21:31

Karat hat geschrieben:Nicht ganz uninteressant sind auch die Gefängnisse in der ehemaligen DDR da sie, laut Zeitzeugen, oftmals 1&1 vom Regim übernommen worden sind, mit den gleichen Foltermethoden und Verhören, um Menschen mürbe zu machen.
In Hohenschönhausen (Berlin) zB.werden die Führungen von ehemaligen Häftlingen durchgeführt. Was man allein dort zu hören bekommt, läßt einen erschaudern. Wobei in der NS Zeit der Tod der Häftlinge oberstes Gebot war.


Das wird aber missverstanden.

Habe neulich erst mit jemandem gespochen, der meinte, im Osten hätte man so gar nicht leben können, weil die DDR da wie wild rumgefoltert hätte. Das ist kompliziert auszudifferenzieren. Auf der einen Seite diese ganzen in- und ausländischen Verhältnisse in den Kriegs- und Nachkriegsjahren, und dazu noch die Problematik, daß Angst schon ein Thema in der DDR-Geschichte ist, Ausreisefreiheit nicht gegeben war, und Meinungsfreiheit je nach Perspektive nur bedingt gegeben war.

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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon Karat » 03.12.11 17:26

Es waren andere Zeiten im Krieg und später in der DDR , dennoch geht es doch erst einmal nur darum aufzurütteln. Den Jugendlichen zu zeigen wozu Menschen fähig sind, wenn sie andere nicht mehr als Menschen ansehen, sondern nur noch ihre Macht demonstrieren wollen.

Es wurde nicht wie wild herumgefoltert, viele wußten ja nichts davon, obwohl ein jeder mehr oder weniger vorsichtig war mit dem was er sagte. Gefängnisse waren nach außen ganz normale Einrichtungen, nur was wirklich geschah hinter den Mauern ahnten die Leute draußen nicht .

Die, die brav den Erwartungen und Vorgaben des Regims folgten, denen geschah ja auch nichts, wehe aber jemand äußerte seinen Unwillen über all die Zwänge und Beschränkungen und wurde dabei von Linientreuen gehört und verpfiffen, der hatte nichts mehr zu lachen. Berichte in den Medien sind allgemein bekannt und sind nicht frei erfunden.

Deshalb sind nicht nur Berichte von KZ Häftlingen und Besichtigungen von diesen Lagern wichtig, sondern auch was in der DDR passiert ist in den Gefängnissen. Beides spiegelt die Nichtachtung anderer Menschen wider und das müssen Jugendliche erst einmal verstehen, sich in die Lage derer versetzen, die geschunden wurden, ohne etwas getan zu haben.
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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 04.12.11 19:41

Karat hat geschrieben:Es wurde nicht wie wild herumgefoltert, viele wußten ja nichts davon, obwohl ein jeder mehr oder weniger vorsichtig war mit dem was er sagte. Gefängnisse waren nach außen ganz normale Einrichtungen, nur was wirklich geschah hinter den Mauern ahnten die Leute draußen nicht .

Die, die brav den Erwartungen und Vorgaben des Regims folgten, denen geschah ja auch nichts, wehe aber jemand äußerte seinen Unwillen über all die Zwänge und Beschränkungen und wurde dabei von Linientreuen gehört und verpfiffen, der hatte nichts mehr zu lachen. Berichte in den Medien sind allgemein bekannt und sind nicht frei erfunden.


Das beobachte ich alles ziemlich anders. Seit der Maueröffnung (ok, in den letzten Jahren jetzt nicht mehr so) achte ich da eigentlich immer sehr gespannt drauf, ob in Berichten über den ehemaligen Osten wirklich "erwähnenswerte" Folter beschrieben wird, wenn ich unter "erwähnenswert" ausnahmsweise mal wesentliche Steigerungen der in der jeweiligen Zeit herrschenden Verhältnisse im Westen verstehe (unter Berücksichtigung eines möglichen zeitversatzes).

Für mich stellte sich die dabei einstellende Beobachtung (der Medien) insgesamt so dar, daß staatliche Gewalt in Ost und West teils sehr destruktiv ausgestaltet wurde, und zwar nach dem was mich bisher an Medienberichten erreicht hat, in einer ziemlich vergleichbaren Weise (sprich: wer aus welchen Gründen auch immer in die Mühlen der Justiz geraten ist, den hat es hier wie da hart getroffen, mit ähnlichen, wenn auch nicht ganz gleichen Massnahmen; mag ich nicht bewerten, die Differenz).

So, nun mach doch mal (in Gedanken) folgendes: Gelange zu der Meinung: "Drogen sollten legal sein". Kaufe Dir sodann 1kg Gras, begib Dich damit ins Zentrum der nächstgelegenen Stadt, wedle offen damit herum, um jeweils Portiönchen davon in Bargeld zu wandeln. Du wirst sehen, es dauert nicht lange, bis Du im Gefängnis landest. Monate später wird dir der Prozess gemacht, in dem herauskommt, daß Du noch einige Jahre weiter da im Gefängnis bleiben musst. Wiederhole diesen Ablauf solange, bis Du statt im Gefängnis in der Psychiatrie landest. Da bleibst Du dann, bis Du geheilt bist, von all deinen Sünden.

Bist Du damit deutlich krimineller als der Regelverstosser in der DDR, der seinen Hass auf den Staat unbedingt in publizierten Büchern (anstatt von mir aus beim Wirt der nächstgelegenen Kneipe, oder weiss der Geier, wo das da damals ging) rauslassen musste? Vielleicht noch ein wenig. Freie Meinungsäusserung ist ein höheres Gut als freies Drogendealen. Dann ersetzte eben das Drogendealen durch Sachen wie: Tötung auf Verlangen, verspätete Abtreibung, Nichtbeachtung der Wehrpflicht, Nichtbeachtung der Schulpflicht, Nichtbeachtung von Eigentumsverhältnissen, usw. Alles Sachen, die schnell mal einen weit höhreren Stellenwert haben können, als Meinungsäusserung.

Ja, Freie Meinungsäusserung (Kundgebung) ist ein hohes Gut, aber deshalb ist doch ein Verstoss gegen Regelungen, die ihr entgegenwirken, nicht automatisch eine Nichtigkeit. So ganz und gar abwegig ist die Idee ja nun auch nicht, daß es sinnvoll sein könnte, wenn das Volk man einfach die Fresse hält, sobald es um den guten Plan geht. Sonderlich gescheit ist das Volk schliesslich nicht. Und der Plan, den Leuten was zu erklären gilt auch nicht gerade als aussichtsreich.

Karat
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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon Karat » 05.12.11 02:07

egozentrum hat geschrieben:Das beobachte ich alles ziemlich anders. .... achte ich da eigentlich immer sehr gespannt drauf, ob in Berichten über den ehemaligen Osten wirklich "erwähnenswerte" Folter beschrieben wird, wenn ich unter "erwähnenswert" ausnahmsweise mal wesentliche Steigerungen der in der jeweiligen Zeit herrschenden Verhältnisse im Westen verstehe (unter Berücksichtigung eines möglichen zeitversatzes).

..........daß staatliche Gewalt in Ost und West teils sehr destruktiv ausgestaltet wurde, und zwar nach dem was mich bisher an Medienberichten erreicht hat, in einer ziemlich vergleichbaren Weise (sprich: wer aus welchen Gründen auch immer in die Mühlen der Justiz geraten ist, den hat es hier wie da hart getroffen, mit ähnlichen, wenn auch nicht ganz gleichen Massnahmen; mag ich nicht bewerten, die Differenz).


Nicht nur in Fernsehberichten hört man von Betroffenen, dass man Ost- und Westhaft bei weitem nicht vergleichen kann.
"erwähneneswerte" Folter ? ausnamsweise ? Googel mal unter "Grotewohlexpress" suche dort nach Rainer Dellmut. Einer der Zeitzeugen die in Hohenschönhausen und anderen DDR Gefängnissen eingesessen haben.

Schlafentzug, Ausschalten vom Bezug zu Tag oder Nacht durch tägliche Verhöre zu jeder Tages und Nachtzeit. Schlafen nur auf dem Rücken mit angelegten Armen, was durchs Guckloch kontrolliert wurde und zum sofortigen Wecken führte bei anderer Lage, sitzen nur auf einem Hocker das Bett durfte nicht benutzt werden, ein Eimer als Toilette, der nur einmal am Tage ausgeleert werden durfte, aufdrehen der Heizung im Sommer, Unkenntnis wo man ist wie lange es dauert , keine Kenntnis, ob die Familie überhaupt vom eingenen Verbleib weiß, nichts...., völlige Abschottung auch von anderen Gefangenen, Transporte mit dem "Grotewohlexpress", einem umgebauten Wagon, damit wurden Häftlinge stundenlang umhergefahren, ohne dass sie wußten wo sie waren oder wohin es ging, Abstellen des Wagons in praller Sonne, dabei nichts zu trinken keine Toilette auf engstem Raum in kleinen Kabinen zu viert, von den Zellen im Keller der Haftanstalt, die eine besondere Funktion hatten will ich garnicht reden und es ist noch lange nicht alles was den Häftlingen angetan wurde ... das Ganze fand 1951 -1990 statt !

immer noch der Meinung, dass man ost und west vergleichen kann ?

Rainer Dellmut hat auch ein Buch geschrieben "Ausflüge im Grotewohlexpress" im Anhang die Stasiakte seines "Vorganges" Dellmuth wurde 1972 von der BRD freigekauft .

Abschreckung von Jugendlichen kann nur durch Anschauung und offene Auskunft geschehen, sie sensibilisieren für ungeheuerliche Dinge die Menschen, Menschen antun.
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Re: Kampf gegen Rechtsradikale durch Flyer drucken?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 05.12.11 04:31

Karat hat geschrieben:Nicht nur in Fernsehberichten hört man von Betroffenen, dass man Ost- und Westhaft bei weitem nicht vergleichen kann.


In den Jahren nach der Wende habe ich auch noch Zeitung gelesen.

Karat hat geschrieben:immer noch der Meinung, dass man ost und west vergleichen kann ?


Allerdings, ja.

Also z.B, diese Verhörmethode Schlafentzug (es ist ja wohl eine Verhörmethode gewesen, das hast Du gar nicht dazugeschrieben!) usw. klingt zwar erstmal ziemlich derbe, reiht sich aber dennoch effektiv bestens in den westdeutschen Umgang mit Gefangenen ein.

Ich meine, was stellst du Dir denn vor, wie es in Gefängnissen aussieht, und wie Gefangenentransporte vonstatten gehen?

Ich war selbst in den Jahren vor der Jahrtausendwende sowohl 1999 für 11 Wochen in Untersuchungshaft (und konnte da ebenfalls genau 0 mal die Aussenwelt kontaktieren), als auch 1996 in der Zwangspsychiatrie (das ist ganz super, sich da ganz fein zu verhalten, und dennoch zwangsmedikamentiert zu werden, ohne zu erfahren, was einem da eigentlich in die Adern gejagt wird, und warum, und dann auch noch mit Zeugs, das derart heftige "Nebenwirkungen" hat, daß man durchaus problemlos vermuten kann, daß das die erwünschte Hauptwirkung ist... körperliche Folter nämlich, wenn auch noch harmloser, als was man sich sonst noch unter dem Begriff ausmalen kann).

Das war Ende der 90er, und es ist allgemein bekannt, daß da schon geradezu wunderbar menschliche Gefangenschafts-Bedingungen vorzufinden waren, im Vgl. zu den Jahrzehnten davor.

Karat hat geschrieben:Abschreckung von Jugendlichen kann nur durch Anschauung und offene Auskunft geschehen, sie sensibilisieren für ungeheuerliche Dinge die Menschen, Menschen antun.


Wirkt halt ein wenig scheinheilig bis propagandistisch, selbst in einer Welt zu leben, die auch nur man geradeso vielleicht heute ein kleines Stückchen menschlicher abgeht, davon jedoch nichtsahnend mit dem erhobenen Zeigefinger gegen das böse eine Regime zu reden.


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