Mein Partner ist schizoid!

Das Meinungsforum. Hier werden Themen diskutiert, die nicht mit Domian in Verbindung stehen, allerdings in der Mehrzahl ernsthafter Natur sind, z.B. aktuelle Geschehnisse.
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Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon Zoom » 18.11.05 02:31

Hat jemand Erfahrung damit?
Wie kann man damit umgehen, wenn man den Betroffenen liebt? (wobei das Leiden ja tatsächlich mehr beim sozialen Umfeld liegt als beim eigentlich "Betroffenen", das ist ja das Fatale ...)

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D.Lynch
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Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 18.11.05 05:57

Müßtest Du erstmal erklären, wie Du "schizoid" hier meinst?
Als Form des "schizoiden Charakters", also als Neurose oder Persönlichkeitsbild?
Ober eben ´so´ne richtige Schizophrenie, also ´ne Psychose?
Beim ersten hab´ich genug Ahnung, aber beim zweiten kommt es auch drauf an, in welcher Form die sich gerade äußerst? Da gibt es sehr viele unterschiedliche Formen. Müßtest Du mal beschreiben, oder, wenn Du ihn weißt, sagen, welcher Schizophrenietyp.

Zoom

Ungelesener Beitragvon Zoom » 18.11.05 12:07

Ja, ersteres. Super, dass du dich auskennst, ich bin nämlich völlig ratlos und habe vor allem Jahre mit Beziehungskampf verbracht, weil ich überhaupt nicht ahnte, was mit ihm los ist. Ich habe nur einfach furchtbar darunter gelitten, und mir über weite Strecken selbst die Schuld zugeschrieben bzw. gedacht, ich sei gestört (obwohl ich mit andeern Partnern und auch Freunden nie Probleme hatte, sondern als sehr kommunikativ und umgänglich gelte).
Jetzt bin ich in Therapie, weil ich seelisch und inzwischen auch körperlich total am Ende bin. Als ich die ganze Sache schilderte, meinte der Therapeut, das klinge alles auffällig nach schizoider Persönlichkeitsstörung seinerseits.
Nun habe ich mich informiert und ALLES, wirklich jeder Satz des Störungsbildes trifft 100%ig auf ihn zu (brauche ich dir ja jetzt nicht darzulegen, wenn du dich auskennst).
Worunter ich als Partnerin am nachhaltigsten leide, ist seine Ambivalenz bezüglich der grundsätzlichen Bejahung/Verneinung unserer Beziehung. Es wechselt wöchentlich, manchmal täglich von "Du bist die Liebe meines Lebens"/"ich will immer mit dir zusammen sein" und "lass mich in Ruhe",/"ich habe mich innerlich schon getrennt"/"eigentlich brauche ich überhaupt keine Menschen".
Wenn ich versuche, mich vernünftig mit ihm auseinanderzusetzen, über meine und seine Gefühle zu reden oder im Streit zu besänftigen, flüchtet er wie ein kleines Kind (Hörerauflegen, Weglaufen, sich einschließen), und wenn ich ihn versuche, daran zu hindern, kriegt er echte Panikanfälle bis hin zu Gewalttätigkeit (bisher 2 x, wenn ich z.B. Versöhnung durch Umarmung versuche und mich ihm körperlich nähere).
Manchmal habe ich das Gefühl, er kann nur aus der Distanz lieben (als wir uns kennen lernten, wohnte ich 600 km entfernt und war verheiratet, und genau so war es auch bei seiner vorigen Liebe), dann allerdings so stark und tief, wie ich es noch nie erlebt habe.
Das ist schwer zu begreifen, zu fassen und vor allem zu ertragen, denn man fühlt sich nicht wirklich angenommen. Mal ist man Idol, mal nur Belastung, mal innigst begehrt, mal fremder Feind.
Mein Selbstbewusstsein hat inzwischen daran Schaden genommen, weil ich nicht weiß, was ich für ihn bin, wo ich stehe und woran ich bin. Das habe ich ihm auch gesagt und ihn gebeten, mir doch nur ab und zu mal zu sagen, was er überhaupt an mir gut findet oder was ich ihm gebe.
(als ich noch weit weg wohnte, überschüttete er mich dagegen mit den schwärmerischsten Liebeserklärungen und betete mich geradezu an). Heute ist seine Antwort auf alle meine Bedürfnisse und Wünsche immer wieder nur dieselbe: "Ich lass mich zu nichts zwingen"! (Die selbe Haltung hat er auch in seiner Arbeitsstelle).

Ist mit so einem Menschen überhaupt irgendeine Form der Beziehung möglich? Ich liebe ihn ja und möchte nicht einfach sagen, er ist halt beziehungsunfähig, und gehen. Sondern alles tun, um seiner Liebe, die er ganz sicher für mich empfindet, eine lebensfähige Form, d.h. eine Chance zu geben.

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egozentrum
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Ungelesener Beitragvon egozentrum » 18.11.05 17:14

Zoom hat geschrieben:Worunter ich als Partnerin am nachhaltigsten leide, ist seine Ambivalenz bezüglich der grundsätzlichen Bejahung/Verneinung unserer Beziehung. Es wechselt wöchentlich, manchmal täglich von "Du bist die Liebe meines Lebens"/"ich will immer mit dir zusammen sein" und "lass mich in Ruhe",/"ich habe mich innerlich schon getrennt"/"eigentlich brauche ich überhaupt keine Menschen".
Wenn ich versuche, mich vernünftig mit ihm auseinanderzusetzen,...


Klingt für mich stark danach, als wenn dein Freund ziemlich "enttäuscht" von der Gesellschaft, den hier lebenden Menschen wäre, und von Dir insoweit, als daß Du dich (aus seiner Sicht) nicht hinreichend von Einheitsbrei distanzierst.

Wenn das so ist, dann liegt das Problem bei ihm wohl nicht auf einer Gefühlstechnischen Ebene, sondern ist wohl sehr viel oberflächlicher, nahezu politisch auszudiskutieren!

Soweit das zutrifft, würde ich empfehlen:
1.) Das Gespräch zum Thema "das Sozialverhalten dritter" zu suchen
2.) dabei aber die eigene Meinung vorerst in den Hintergrund zu stellen, insbesondere Stellungnahmen zugungsten dritter zu vermeiden, um so zunächst einen Eindruck von seiner Sichtweise zu erhalten
3.) erst anschliessend diese Sichtweise *gründlichst* zu analysieren um
4.) entweder deine eigene sichtweise entsprechend anzupassen, oder aber
5.) das Thema erneut anzusprechen, um erneut herauszufinden, worauf seine Sichtweise basiert.

Es ist zwar nicht verboten, dritte auch mal entgegen der Einschätzung des Partners "normal" zu nennen, aber doch gefährlich, weil man so immer feinfühlig gefaltete Eckchen plattbügelt, was bei echten Sollfalten zum ernsten Problem ausarten kann.

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Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 19.11.05 02:38

@Zoom:
Der Tipp von @Egozentrum ist nicht der schlechteste.
Normalerweise sind schizoide Persönlichkeiten auch sehr sachliche Menschen, die hervorragend analysieren können, eben weil sie wenig von Gefühlen belastet sind.
Was macht er denn beruflich?
Wenn Du wirklich einen Zugang zu ihm finden willst, ist es eigentlich nur möglich, wenn Du selber in erster Linie über die sachliche Ebene arbeitest. Man kann ggf. sein Interesse wecken, wenn er sich für Psychologie o.ä. interessiert. Das ist nicht jedermanns Fall. @Egozentrums Vorschlag, mal über die sozialen Beziehungen zu reden, wäre eine Möglichkeit, wenn er sich für Zusammenhänge aus dem sozialen Umfeld interessiert.
Das alles ist aber auch eine Intellektfrage. Ich frage deshalb auch, was er beruflich macht, ob er irgendwelche Schul - oder Hochschulabschlüsse hat o.ä. Grundsätzlich kann man bei schizoiden Charakteren sagen, daß sie das, was über Gefühle nicht ausdrücken können (bzw. zumeist auch nicht so haben wie das ein anderer von ihnen oftmals erwartet) über den Intellekt ausgleichen können.
Das erfordert aber auch wirklich eine ziemliche Umstellung für Dich. Auch Du solltest dann in erster Linie von ihm nicht nur die Darstellung von Gefühle erwarten. Du sagst ja selber, daß Du Dir sicher bist, daß er Gefühle für Dich hat, aber daß sie nicht so zum Ausdruck kommen, wie Du es gerne möchtest.

So, erst nochmal aber ein paar Takte, warum ich meine, mich damit auszukennen. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann würde ich sagen, daß Dir wahrscheinlich meine Partner oder Expartner besser noch dazu was sagen können als ich, wie man mit schizoiden Charakteren auskommt.
Ich bin nämlich auch (fast) so ein Prototyp davon. Und all die Sachen, die Du schilderst, kenne ich auch aus meinen Beziehungen, nur eben von der anderen Seite aus gesehen.
Diese Störung sitzt sehr tief. Sie kommt schon aus den ersten Kindheitstagen. Wenn ein neu geborenes Kind nicht genügend Blickkontakt mit der Mutter hat, sondern sich selber erst mal in der Umwelt umschauen muß. Das sind für ein frisch geborenes Baby meistens zu viele Reize, daraus entsteht ein möglichst großer Rückzugswunsch, weil man sich mit den ganzen Reizen überfordert fühlt. Das ist so im groben die offizielle tiefenpsychologische Erklärung, die man dafür hat. Ob sie stimmt, weiß ich nicht, ich kann mich persönlich natürlich nicht mehr an meine ersten Kindheitstage erinnern.
Aber Du selber mutest Dir natürlich eine Menge zu, das weist Du hoffentlich!
Mir wird, auch oft hier im Forum vorgeworfen, daß für mich Beziehungen sehr oft nur sog. Zweckbeziehungen sind. Der Vorwurf läßt mich erstmal kalt. Jede Beziehung hat einen Zweck imo. Und wenn es nur der Zweck ist, daß jemand durch die Beziehung glücklich wird. Ich denke mir, Dein Freund wird das auch nicht anders sehen. D.h. aber nicht, daß er nicht trotzdem auch Gefühle für Dich empfindet. Nur kann er eben mit dem ganzen Rumgefasel von Gefühlen nicht so viel anfangen.
Auch eine allzugroße körperliche Nähe mag ich nicht, nicht mal beim Sex, selbst da versuche ich distanziert zu bleiben. Jede Beziehung erfordert eine Balance zwischen Nähe und Distanz. Eigentlich für jeden Menschen, für schizoide Charaktere insbesonders.
Ich kann Dir nur empfehlen, daß Du Dich zuerst einmal damit vertraut machen mußt, daß Du da nicht die romantische Hollywoodliebe auf Dich genommen hast, sondern eine andere Art der Liebe, die sehr, sehr verläßlich sein kann. Ich selber habe noch nie einen Partner verlassen, auch in Beziehungen, wo ich mich nicht wohl fühlte, sondern habe diesen Schritt immer dem anderen überlassen. Schizoide Charaktere haben nämlich auch Angst vor neuen Situationen (das Wegrennen, das Auflegen, das Einschließen deutet auch bei ihm darauf hin, daß er Ängste hat). Zumindest kannst Du sicher sein, daß er zu Dir immer stehen wird, wenn Du ihn nicht überforderst.
Und das ist eben wichtig. Keine Überforderung. Laß ihn in Ruhe, wenn er seine Ruhe haben will und sei dann zärtlich und liebevoll, wenn der Wunsch von ihm ausgeht. Du stellst das ja so dar, daß dies durchaus auch passiert. Diese Chancen kannst Du nutzen. Es kann aber auch passieren, daß er trotzdem von einer Sekunde auf die andere das nicht mehr will. Hier würde nur helfen, wenn er sich überwinden will. Wenn es aber so ist, daß er selbst auf der Arbeit das nicht macht, würde ich nicht allzuviel Hoffnung darauf setzen, daß er das dann in einer Beziehung macht.
Also, nochmal, bevor wir anfangen, vielleicht noch ein paar konkrete Sachen durchzusprechen:
Es muß Dir klar sein, daß Du innerhalb der nächsten Zeit immer diejenige sein mußt, die auf ihn Rücksicht nehmen muß. Das wird vielleicht nicht Ewigkeiten so sein, kann aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Frage:
Schaffst Du das und willst Du das?
Du erzählst, daß Du schon in psychotherapeutischer Behandlung bist. Du solltest Dir jetzt also wirklich erstmal überlegen, wieviel Du bereit bist, zu opfern. Denk´drüber nach, sofern Du das noch nicht getan hast und dann antworte mal.
Als Betroffener kann ich Dir zumindest einige Tricks sagen, wie man eine Beziehung auch mit solchen Typen wie mit mir meistern kann (alle Beziehungen, die ich hatte, waren meisten sehr lang. Die letzte über 7 Jahren und die jetztige schon seit 10 Jahren. Es geht also! Aber ich weiß mittlerweile auch, daß ich manchmal meinen Partnern extrem viel zugemutet habe.)

barbarellla

Ungelesener Beitragvon barbarellla » 19.11.05 04:19

wenn man sein problem in ein forum stellt, ist es schwierig, da die beteiligten immer aus ihrer eigenen erfahrung heraus antworten. andererseits ist ja gerade das sehr interessant.

deswegen jetzt meine erfahrung: vieles, was du schilderst, kenne ich m.e. auch. ich weiß nicht, wie dein partner die situation beurteilt, ob er auch bei sich ein problem sieht, es hört sich eher nicht danach an.

nachdem ich mit meinem damaligen partner zusammengezogen bin, wurde die situation mit der zeit immer schwieriger. gespräche über seine gefühle waren nicht möglich, es kam oft zu streit, wenn ich andere ansichten hatte. es ging nicht um´s thema (z.b. politik), sondern in seinen augen um seine person, die in frage gestellt wurde. für mich war es schwer, dass er nur mich und seine familie als bezugspersonen hatte. alle versuche, das zu ändern, scheiterten. ständiges schwanken zwischen bewunderung, liebevoller zuwendung, anfeindungen, wegstoßen. du hast mit deiner formulierung „Mal ist man Idol, mal nur Belastung, mal innigst begehrt, mal fremder Feind.“ bei mir voll ins schwarze getroffen. dass es in manchen situationen nicht zu gewalt gekommen ist, schreibe ich seiner perfekten selbstbeherrschung zu. in ihm muss es irgendwann fast ständig gekocht haben.

er selbst hat ein defizit gespürt, in seiner gefühlsmäßigen wahrnehmung/äußerung. darüber konnte er auch sachlich (wie von einem dritten) reden. er war (und ist) davon überzeugt, dass das mit einer krankheit zutun hat, die allerdings keine psychische ursache hat. depression hat er als krankheitsbild zugelassen, jedoch als folge seiner – bis jetzt- unentdeckten/unerforschten krankheit. so wurde er auch „behandelt“. „wir“ haben in den jahren etliche klinikaufenthalte und ärztliche untersuchungen durchgemacht, mit immer nur einem ergebnis: alles (körperlich) völlig o.k., sogar überdurchschnittlich gut für sein alter. viel verzweiflung auf beiden seiten, aber auch von mir viel zweifel von mir an meiner person.

ich habe ihn bei all seinen versuchen, eine rein physische erkrankung zu entdecken, immer unterstützt. einmal, weil ich mir dachte, wer weiß, vielleicht ist da doch was dran, und dann, weil ich auf ein ausschluss-verfahren gehofft habe. und: ich habe ihn sehr geliebt.

letztendlich muss er sich von mir total in die ecke gedrängt gefühlt haben, immer wieder wurde das thema trennung von ihm forciert (und natürlich kurz darauf das gegenteil) und ich konnte und wollte nicht loslassen. glücklicherweise war er zu einer paartherapie bereit. nach sehr kurzer zeit wurden uns getrennte therapien empfohlen, weil es so keinen sinn hatte. nach mehreren jahren war ich nun gezwungen, mich nicht mehr nur mit ihm, sondern nur mit mir auseinander zusetzen. es war die hölle. ich bin nachträglich froh, dass ich immer wieder heil nach hause gekommen bin, soviel habe ich auf den rückfahrten geheult. wir haben uns dann getrennt, und im nachhinein war es das beste, was wir tun konnten. wir sind – nach einiger zeit abstand, in der ich dann auch eine neue beziehung hatte – sehr gut befreundet, d.h., er ist nach wie vor ein sehr wichtiger und lieber mensch für mich, den ich nicht missen möchte. dadurch, dass wir keine „beziehung“ mehr haben, können wir entspannt miteinander umgehen. durch die (für uns beide sehr gesunde) distanz kann ich ihn loslassen und schätze ihn sehr als guten freund.

nun, wahrscheinlich nicht das, was du hören wolltest, aber: wenn zwei eine beziehung haben, in der (scheinbar nur) einer ein schweres „defizit“ hat, gibt es immer noch den anderen, der auf dieses „defizit“ anspringt. und es lohnt sich, herauszufinden, warum. ich finde den weg, den du angefangen hast (therapie) sehr gut. kümmer dich mal nur um dich. dann kannst du weiter sehen. von herzen viel glück dabei!

@D.Lynch: ich bin nicht mehr bereit, mich dafür zu „opfern“, weil es mir nicht gut tut. das ist aber meine persönliche entscheidung und ich möchte nichts verurteilen. im gegenteil, ich finde es gut, wie offen du mit deiner persönlichkeitsstruktur umgehst! das können nicht viele und das kann ja auch eine gemeinsame basis sein. auf deine tricks bin ich dennoch neugierig!

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Ungelesener Beitragvon egozentrum » 19.11.05 06:48

D.Lynch hat geschrieben:Schizoide Charaktere haben nämlich auch Angst vor neuen Situationen (das Wegrennen, das Auflegen, das Einschließen deutet auch bei ihm darauf hin, daß er Ängste hat).

Ich denke, alle Menschen haben Angst vor neuen Situationen.

Das Auflegen eines Telefonhörers deutet für mich erstmal ziemlich stark auf eine bewusst vollzogene Handlung hin, und eher nicht auf unterschwellige Ängste (die ungeachtet dessen natürlich trotzdem da sein können).

@zoom schrieb, daß dies primär dann vorgekommen ist, wenn sie versucht hat, mit ihm über die Beziehungsprobleme zu reden. Solche Gespräche sind (bzw. das Thema ist) nunmal Minenfelder, und es ist schlicht unwahrscheinlich, daß @zoom da einfach so mal eben durchlatschen kann. Selbst wenn sie das könnte, weil die Minen tatsächlich nur seine Fettnäpfchen sind, werden die beiden am Telefon nun nicht wirklich weiter kommen.

Wie präzise @zooms Rückmeldungen und Gesprächsversuche wirklich waren, konnte ich ihren Ausführungen noch nicht entnehmen, auch wenn's ein wenig so klingt, als sei sie (wie auch @barbarellla und sowieso auch die Durchsschnittsfrau) komplett unschuldig und so.

Wie dem auch sei. Wenn der Typ einfach so den Hörer auflegt, dann wird er (so unverständlich das für @zoom auch erscheinen mag) gemeint haben, daß @zoom da ein für ihn gänzlich inakzeptables Gespräch anleiern wollte. Mit grosser wahrscheinlichkeit wäre dieses Gespräch für die meisten anderen Männer akzeptabel gewesen, obwohl die Intoleranz von dem Typ ebenso wahrscheinlich sachlich angemessen war (Vermeidung/Verminderung von "ill communication").

D.Lynch hat geschrieben:Es muß Dir klar sein, daß Du innerhalb der nächsten Zeit immer diejenige sein mußt, die auf ihn Rücksicht nehmen muß.

Die arme. Wie kommst Du zu dieser These?
barbarellla hat geschrieben:in ihm muss es irgendwann fast ständig gekocht haben

Aber bereuen tust' deine Opferbereitschaft? Wie fertig war der Kerl denn?

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Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 20.11.05 04:50

Ich hoffe, wir haben jetzt @Zoom nicht durch zuviel Ehrlichkeit völlig verschreckt.

Bei den Tricks, @Barbarellla, geht es, wenn schon um konkrete Sachen. Da müßtest Du schon ein paar bestimmte Situationen nennen, dann kann ich Dir was dazu sagen, aber wichtig ist zum Beispiel, daß man als Partner von mir selber immer in Distanz bleibt und keinerlei all zu großen Respekt vor meinen Ängsten und Launen zeigt.
Insofern, @Egozentrum, hast Du natürlich Recht, daß es nicht unbedingt sein muß, daß man nun unbedingt der Aufopferungsvolle sein muß, allerdings ist es, denke ich mir für einen Menschen, der nunmal eher nach Harmonie strebt, nicht das einfachste und schon ein Opfer, seine Beziehung fernab seiner eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Und ich gestehe auch ein, daß meine große Liebe immer noch ein Partner war, der genauso schizoid war wie ich und ebenfalls so launisch. Da flogen heftigst die Fetzen. Das ist natürlich auch ein bißchen einfacher, wenn zwei Männer zusammen sind als bei einer Mann / Frau - Beziehung (es sei denn, die Frau ist auch entsprechend schlagkräftig).
Aber warten wir mal ab, was @Zoom sagt.

Zoom

Ungelesener Beitragvon Zoom » 20.11.05 18:15

Erstmal viiiielen Dank euch allen, dass ihr euch so mit meinem Problem beschäftigt! Und natürlich habt ihr mich nicht verschreckt - je mehr Ehrlichkeit, desto besser!

Es überrascht mich, dass offenbar so viele Leute etwas mit dem Thema anfangen können. Angenehm überrascht hat mich auch, dass ihr das mit dem Hörer-Auflegen aufgegriffen habt - das zeigt mir, dass nicht ich gestört bin, dass ich mich so daran stoße, sondern dass es schon ein auffälliges Verhalten von ihm ist. Überhaupt gibt es viel Bestätigung, eure Erfahrungen zu hören, denn wenn ich mich immer nur alleine mit seinem Verhalten beschäftige, glaube ich irgendwann, ich sei gestört, habe übersteigerte Wünsche, bin rücksichtslos etc. Dieses Gefühl gibt er mir nämlich seit Jahren - er ist (fast) völlig immun gegen Kritik sowie gegen meine Bedürfnisse, Wünsche und Meinungen (aber auch gegen meine Liebeserklärungen und die schönen Dinge, die wir miteinander teilen - die zählt er einfach nicht mit in seiner "Bilanz" - ich kann nur vermuten, dass ich ihm irgendwas gebe, da er ja immer noch bei mir ist), ich habe bei ihm immer das Gefühl ich bin als Person "falsch". So ein Austausch relativiert das auf aufbauende Art.

Nun zur Sache: Womöglich hätte ich gar kein sooooo großes Problem mit seiner Art, wenn er nicht zu beginn der Liebe 180-gradig anders gewesen wäre: Er überschüttete mich mit den schwärmerischsten, engagierstetestn, romantischsten Liebesbriefen und Anbetungen, die ich jemals bekam und von denene ich nie im Traum gedacht hätte, dass es sowas gibt - nicht mal im Hollywoodfilm, die sind lau dagegen, im Ernst!

Das ist für mich die Tragik: der Kontrast. Ich denke, wenn jemand so fühlen konnte, ist er doch grundsätzlich dazu fähig, wie kann sowas dermaßen absterben? Er erinnert sich nichtmal mehr daran! Und wenn ich ihm seine eigenen Briefe zitiere, ignoriert er es und wird pampig ("lass mich damit in Ruhe und reite nicht immer auf früher rum").
Womöglich hätte ich mich nichtmal in ihn verliebt, wenn er so gewesen wäre wie jetzt, denn mich haben noch nie gefühlskalte Menschen/Männer angezogen und ich habe auch keine Erfahrung mit solchen (was es umso schwerer macht). Kurz: Er war einmal der Inbegriff von romantischer Mensch und ist jetzt ein unberührbarer Stein.
Nur mal ein paar Auszüge der "Vorher-Nachher-Show":

- früher: "Ich könnte niemals eine Frau weinen sehen" oder auch "Wie schön musst du selbst im Schmerz sein!" - heute: "Reiß dich zusammen", "mach mein Kissen mit deiner Wimpertusche nicht dreckig", "kannst du nicht woanders heulen?", "blöde Kuh, ich lass mich nicht erpressen"

- früher: "Ich tumber Tor muß Zitate bemühen, um Worte herabzubeschwören, die der Gewalt meines Empfindens zu Dir angemessen erscheinen."(zitierte eine Liebeserklärung von Faust zu Gretchen) - heute: reagiert auf Liebesgedichte von mir nichtmal, auf Nachfragen mit der Begründung, dass er nichts damit anfangen kann, weil sie "unzeitgemäß" seien.

- früher: "Nichts ist mir wichtiger als die Musik und Du, und dem will ich mich vornehmlich weihen." - heute: "Musik bedeutet mir nichts mehr" und sogar "du hast sie mir kaputt gemacht".

- früher: "Ich habe es noch nie zu einer Frau gesagt: Ich brauche dich, S., ich brauche deine Liebe, ich brauche dich als Muse, ich brauche dich wie die Frühlinge, die Sterne, die sich hingebende Geige". - heute: "eigentlich brauche ich überhaupt niemanden".

- früher: bat mich, dass ich ihn ausfrage, ihn öffne, ich sollte sogar "anstrengend" sein, auch nachts anrufen, sagte, ich hätte beinahe therapeutsche Wirkung auf ihn und redete von "Dammbruch". - heute: weist jede Frage ab, empfindet jedes Interesse an ihm als Zwang und Aushorchen, stellt sein Telefon nachts ab.

- früher: Als wir noch weit entfernt lebten, stellte er sich als größtes Glück vor, mit mir aufzuwachen und zu frühstücken. "Wenn du erst in HH wohnst, würde ich dich mindestens dreimal die Woche sehen wollen" oder "würde ich wissen, was es heißt, einer Frau verfalllen zu sein" - heute: Wenn ich ihn frage, womit ich ihn glücklich machen könnte, antwortet er: "indem du mich in Ruhe lässt".

Solche Kontraste könnte ich hier tonnenweise liefern. Ich beiße mir die Zähne daran aus, weil ich nicht kapiere, wie sich jemand dermaßen verändern kann. Es kommt mir vor, als gebe es zwei F.s., die völlig gegensätzlich sind, aber der eine bricht nur noch in immer selteneren Ausnahmen durch...

Die Erklärung mit den Reizen(Mutter) finde ich sehr hilfreich. Er wäre eine Erklärung seines Sinneswandels - er betonte früher immer wieder meinen "inneren Reichtum", meine "Seinsfülle", die ihn so überwältigte (damals noch positiv). Vielleicht hat er dieser Vielseitigkeit nicht standgehalten und empfindet eben diese jetzt als Überforderung und zieht sich davor zurück?

@D.Lynch: Was die Sachlichkeit betrifft, ist es eher umgekehrt: Ich bin sehr analytisch veranlagt, er eher intuitiv (habe gelesen, dass dies auch typisch für Schizoide ist), d.h. meine Versuche, sachlich mit ihm zu reden, machen es noch schlimmer - er will eben GAR nicht reden. ich finde aber, über manches muss man eben reden, z.B. wenn man sich nicht mehr wertgeschätzt fühlt, muss man das auch mal besprechen können, ich kann doch nicht alles runterschlucken. Wenn ich es versuche, bricht meine Kummer irgendwann raus, ich weine, und prompt hab ich genau das Gegenteil: Er wirft es mir vor, weil er nicht in der Lage ist, Tränen als Schmerz zu deuten, sondern ausschließlich als Vorwurf, womöglich noch inszeniert.
Beruf: Er ist Programmierer. Es stimmt auch, dass er sich intellektuell viel beschäftigt (Musik, Literatur, Computer ...), er ist jedoch weniger logisch-analytisch veranlagt als ich. Ich bin mehr Forscherin, er mehr Sammler. Aber was nützen mir solche Vergleiche? Zumal er ja einst offenbar auch extrem "unsachlich" (romantisch) sein konnte (s.o.). Scheint für mich nichts mit Bildung o.ä. zu tun zu haben. (Ich hab auch nen Hochschulabschluss und bin nicht schizoid ;-)

@Egozentrum: Das mit dem Oberflächlich-Politischem und mit dem "Einheitsbrei" sowie mit den "Dritten" verstehe ich nicht ganz, wie meinst du das?
Das mit dem Hörerauflegen ist bei ihm total verdreht: Richtig, er hat jedesmal as Gefühl, ich will ihm ein inakzeptables Gespräch aufdrängen, so sagt er es - merkt aber gar nicht, dass er es selber ist, der sich in etwas reinredet! Beispiel: Ich sage: Über xy würde ich gern mal bei Gelegeneit mit dir reden" (ging nicht um Beziehung oder Gefühle, sondern eine Entscheidung, zu der ich ihn gern zu Rate gezogen hätte). Er: "gern, aber nicht jetzt". Ich: "Um Himmels willen, mir liegt nichts ferner, als das JETZT zu besprechen" (es war schon recht spät und ich müde). Er: "ich will aber auch nicht drüber reden, dass ich jetzt nicht drüber reden will". Ich: "ja, klar, ich auch nicht." Er (unwirsch): "Ja, dann tschüs!" und pampig aufgelegt, als hätte ich ihn bedrängt. Er kommt mir da manchmal echt paranoid vor, sieht Erwartungen, Vorwürfe und Kritik hinter Dingen, die mir völlig fern liegen.
Wie meinst du das mit der "Duchschnittsfrau" und unschuldig? Was hat das ganze mit Schuld zu tun?

@barbarella: Nein, dein "Fazit" macht mir nichts aus - sollte meine Therapie zeigen, dass es keinen Weg gibt, mit ihm zusammen zu sein, werde ich es auch annehmen. Aber ich habe eben Hoffnung, dass es irgendwie funktioniert.
Das mit der Freundschaft ist schön und tröstend. Allerdings muss ich dazu sagen, dass unsere Sexualität (anders als bei D.Lynch) außerordentlich leidenschaftlich, intensiv und überhaupt nicht distanziert ist, so dass das mit der Freundschaft wohl schwierig wäre ;-)

Ich hoffe, ich konnte die Situation etwas mehr erhellen, aber wahrscheilich eher das Gegenteil ;-)

Bin gespannt auf weitere Tipps...

barbarellla

Ungelesener Beitragvon barbarellla » 20.11.05 19:58

@zoom: schön, dass du dich meldest.

ich sage dir mal die punkte deiner aufzählung, die ich kenne:

- übermäßiges „vergöttern“ am anfang, gerne durch zitate oder in sehr „schwülstigen“ formulierungen
- die erste und einzige zu sein, die ihn versteht, der er sich zutiefst anvertrauen kann (und von der er hilfe erwartet)
- wenn es um meine gefühle geht, wird das sofort als vorwurf interpretiert. auch fragen.
- tränen sind erpressung
- völliger rückzug, „schotten“ dicht. körperlich wie emotional.
- völlige hilflosigkeit auf beiden seiten, (fast) jedes gespräch endet in einem „missverständnis“
- ständige (schuld-) vorwürfe gegen mich
- trennungsabsichten, die zwar (von ihm) geäußert, aber nie konsequent durchgezogen werden.
- die einzige ebene, die noch „funktioniert“ (in bezug auf offenheit, intimität), ist die sexualität.

ich seh´s genauso wie du, es hat nichts mit schuld zu tun. jeder hat eine andere persönlichkeitsstruktur. aber es macht keinen sinn das, was damals aus sicherer distanz stattgefunden hat, wieder „einzufordern“! er empfindet nicht mehr so, denn du bist „zu nah“, zu real. die entscheidende frage ist, wie D.Lynch schon angesprochen hat: bist du bereit, eine beziehung fernab von deinen vorstellungen zu gestalten? d.h.: auf ihn eingehen, wenn er es braucht, distanz wahren, wenn nötig. deine eigenen bedürfnisse nach nähe und zuwendung zurückstecken und „nehmen, was du kriegst“? wenn ja, dann wird es sicherlich entspannter zwischen euch werden!

noch ein paar fragen: hast du deinen vorherigen partner „wegen ihm“ verlassen? bist du wegen ihm nach hamburg gezogen? hast du ihm den schon mal den gefallen getan und ihn „in ruhe gelassen“ (mehrere tage, wochen)? was ist dann passiert? und: was sagt er dazu, dass du eine therapie angefangen hast?

Zoom

Ungelesener Beitragvon Zoom » 20.11.05 21:21

Volltreffer! Tut gut, alles, was ich seit Jahren in mir drehe ud wende, mal so übersichtlich zusammengefasst zu sehen, danke dafür! Was mich vor allem "freut" ist, dass ich anscheinend nicht die Einzige bin, die das erlebt (hat). Unglaublich, wie es mit deiner Erfahrung übereinstimmt (vielleicht geht es um denselben Mann ;-). Jetzt kann ich das Ganze viel objektiver betrachten und nicht immer nur als persönliches Problem, bei dem man sich im Kreis dreht.


>aber es macht keinen sinn das, was damals aus sicherer distanz stattgefunden hat, wieder „einzufordern“! er empfindet nicht mehr so, denn du bist „zu nah“, zu real.

Du meinst, das ist der ganze, "simple" Grund ...?

>die entscheidende frage ist, wie D.Lynch schon angesprochen hat: bist du bereit, eine beziehung fernab von deinen vorstellungen zu gestalten? d.h.: auf ihn eingehen, wenn er es braucht, distanz wahren, wenn nötig. deine eigenen bedürfnisse nach nähe und zuwendung zurückstecken und „nehmen, was du kriegst“? wenn ja, dann wird es sicherlich entspannter zwischen euch werden!

Tja, ich denke, bereit schon. Denn ich bin ein Mensch mit guten Freunden, vielen Interessen etc., dass ich mich nicht ausschließlich an diese Beziehung klammern muss oder Verlustangst habe. Ich könnte sie also theoretisch als "Luxus" betrachten. Aber ich zweifle daran, dass es gelingt, denn wer ist schon eine Maschine, die exakt so reagiert, wie es der andere gerade braucht?

>noch ein paar fragen: hast du deinen vorherigen partner „wegen ihm“ verlassen?

Na ja, sagen wir so: Die Beziehung zu meinem damaligen Partner hat sich verändert. War schon vorher nicht so erotisch geprägt, so dass ich mich überhaupt in einen anderen verlieben konnte. Wir sind immer noch ein Herz und eine Seele, wohnen auch zusammen, aber es ist eine innige Freundschaft oder wahlbrüderschaft daraus geworden. Er steht mir auch bei meinen Problemen bei, berät mich usw.

> bist du wegen ihm nach hamburg gezogen?

Er war nicht der alleinige Anlass, aber der Auslöser.

> hast du ihm den schon mal den gefallen getan und ihn „in ruhe gelassen“ (mehrere tage, wochen)? was ist dann passiert?

Ja, obwohl ich gestehen muss, dass ich dass nur kann, wenn man sich im "Reinen" trennt. Dann fällt es mir leicht, da ich wie gesagt, genug anderes Schönes um die Ohren habe und Sehnsucht auch genießen kann. Wenn er im Streit sagt: "hau ab" oder "lass mich in Ruhe" o.ä. werde ich auch bockig und denke "so nicht!" Er kann gern sagen: "Wäre es ok für dich, mir mal eine Weile Pause zu geben?", dann bin ich gern bereit dazu, weil es meine Gefühle respektiert; aber über meinen Kopf hinweg darüber zu bestimmen, wann er mich mal für eine Weile im Keller verstaut und wann wieder rausholt, ist mir zu entwürdigend. Ich mache einen Unterschied darin, ob er eben einfach mal so Abstand braucht oder ob er es aus dem Affekt heraus verlangt. Das kann ich nicht als echte Bitte oder Wunsch akzeptieren. Ging es dir ähnlich?

Einmal bin ich selbst auf Distanz gegangen, weil eine Situatin so ätzend war, dass es mich innerlich von ihm abgestoßen hat. Das hat er gespürt, war ganz traurig und hat, als ich (da ich ein butterweiches Herz habe und ihn nicht traurig wissen kann) ihn überraschend im Urlaub besucht habe, vor Rührung Tränen in den Augen gehabt.
Und gestern hab ich es mal ausprobiert (auf Tipp einer Freundin), im Streit selber mal trotzig wegzulaufen, bevor er es tun kann (und unweigerlich wird). Siehe da: Er ist mir hinterher und war versöhnlich. Aber ich kam mir beschissen dabei vor, weil ich das nicht bin und es mir auch einen Stich ins herz gibt, jemanden so zu behandeln.

Aber 1. funktioniert das nicht verlässlich, und 2. halte ich Kinderspielchen in der Liebe für unangemessen.

>und: was sagt er dazu, dass du eine therapie angefangen hast?[/quote]

Hab ich ihm nicht so genau erzählt, da es für ihn nur eine Bestätigung wäre, dass ich krank bin.

Zoom

Ungelesener Beitragvon Zoom » 20.11.05 21:42

egozentrum hat geschrieben: Es ist zwar nicht verboten, dritte auch mal entgegen der Einschätzung des Partners "normal" zu nennen, aber doch gefährlich, weil man so immer feinfühlig gefaltete Eckchen plattbügelt, was bei echten Sollfalten zum ernsten Problem ausarten kann.


Wie meinst du das mit den Falten???

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egozentrum
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Ungelesener Beitragvon egozentrum » 20.11.05 22:16

Ja, also erstmal zu dem Telefonat. Es ist in der Tat etwas seltsam, zu besprechen, daß man etwas gerade nicht besprechen will. Allerdings ist es auch etwas seltsam, besprechen zu wollen, daß man etwas besprechen will. Wolltest Du nun schon sofort über XY reden, oder nicht? Ich vermute, daß Du das wolltest. Warum behauptest Du dann das Gegenteil? Hätte Dir klar sein können, daß er XY nicht sofort besprechen will? Anderherum: wenn Dir das Gespräch so egal gewesen sein sollte, warum wundert es dich dann, wenn er das öde Gespräch beendet?

[quote="zoom"]Das ist für mich die Tragik: der Kontrast. Ich denke, wenn jemand so fühlen konnte, ist er doch grundsätzlich dazu fähig, wie kann sowas dermaßen absterben? Er erinnert sich nichtmal mehr daran! Und wenn ich ihm seine eigenen Briefe zitiere, ignoriert er es und wird pampig[/zoom]
Grummel. Hallo. Bei euch kriselt's ein wenig. Da ist es nicht sonderlich geschickt, mit eigentlich schönen Erinnerungen zu konfrontieren als wären sie lächerliches nichts! Ihr beiden kennt doch eure gemeinsamen Erinnerungen. Wollt ihr euch nicht lieber in angenehmeren Situationen darüber austauschen?

[quote="zoom"]Vielleicht hat er dieser Vielseitigkeit nicht standgehalten und empfindet eben diese jetzt als Überforderung und zieht sich davor zurück?[/zoom]
Hm, Dir ist aber schon aufgefallen, daß seine romatischen Worte schon irgendwie etwas übertrieben, verblendet, albern und insofern eben auch unwahr waren? Warum stört es dich da, wenn er das in Richtung Wahrheit korrigiert?

Ich meine, zugegeben, er ist anscheinend momentan nicht gerade freundlich zu Dir. Da muss man nicht gut mit klar kommen. Er meint das wohl nicht so, vermute ich, zumindest ist er ja durchaus in der Lage, 'n Telefonhörer aufzulegen, so daß die Vermutung naheliegt, daß er dich auch ganz verlassen könnte, wenn er das gesamtheitlich sinnvoll fände.

Nur, eine solche Unfreundlichkeit hat seine Gründe. Und diese können nicht alle "seine Krankheit" heissen. Zu seiner "Krankheit" wirst Du allenfalls die anfängliche Verblendungen einschliesslich eines auf Desillusionierung zurückzuführenden Dämpfungsfaktors rechnen können, sicherlich aber nicht deine eigene Vorliebe für solche Verblendungen.

Von hier aus (also weit weg) sieht diese Story erstmal etwa so aus, als würde er deinen (Schach-)Zug abwarten: Lieber zum nächsten verblendeten Trottel, oder hat dieer das doch irgendwie geschickt hinbekommen?

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Ungelesener Beitragvon egozentrum » 20.11.05 22:23

Ja, also erstmal zu dem Telefonat. Es ist in der Tat etwas seltsam, zu besprechen, daß man etwas gerade nicht besprechen will. Allerdings ist es auch etwas seltsam, besprechen zu wollen, daß man etwas besprechen will. Wolltest Du nun schon sofort über XY reden, oder nicht? Ich vermute, daß Du das wolltest. Warum behauptest Du dann das Gegenteil? Hätte Dir klar sein können, daß er XY nicht sofort besprechen will? Andersherum: wenn Dir das Gespräch so egal gewesen sein sollte, warum wundert es dich dann, wenn er das öde Gespräch beendet?

zoom hat geschrieben:Das ist für mich die Tragik: der Kontrast. Ich denke, wenn jemand so fühlen konnte, ist er doch grundsätzlich dazu fähig, wie kann sowas dermaßen absterben? Er erinnert sich nichtmal mehr daran! Und wenn ich ihm seine eigenen Briefe zitiere, ignoriert er es und wird pampig

Grummel. Hallo. Bei euch kriselt's ein wenig. Da ist es nicht sonderlich geschickt, mit eigentlich schönen Erinnerungen zu konfrontieren als wären sie lächerliches nichts! Ihr beiden kennt doch eure gemeinsamen Erinnerungen. Wollt ihr euch nicht lieber in angenehmeren Situationen darüber austauschen?

zoom hat geschrieben:Vielleicht hat er dieser Vielseitigkeit nicht standgehalten und empfindet eben diese jetzt als Überforderung und zieht sich davor zurück?

Hm, Dir ist aber schon aufgefallen, daß seine romantischen Worte schon irgendwie etwas übertrieben, verblendet, albern und insofern eben auch unwahr waren? Warum stört es dich da, wenn er das in Richtung Wahrheit korrigiert?

Ich meine, zugegeben, er ist anscheinend momentan nicht gerade freundlich zu Dir. Da muss man nicht gut mit klar kommen. Er meint das wohl nicht so, vermute ich, zumindest ist er ja durchaus in der Lage, 'n Telefonhörer aufzulegen, so daß die Vermutung naheliegt, daß er dich auch ganz verlassen könnte, wenn er das gesamtheitlich sinnvoll fände.

Nur, eine solche Unfreundlichkeit hat seine Gründe. Und diese können nicht alle "seine Krankheit" heissen. Zu seiner "Krankheit" wirst Du allenfalls die anfängliche Verblendungen einschliesslich eines auf Desillusionierung zurückzuführenden Dämpfungsfaktors rechnen können, sicherlich aber nicht deine eigene Vorliebe für solche Verblendungen.

Von hier aus (also weit weg) sieht diese Story erstmal etwa so aus, als würde er deinen (Schach-)Zug abwarten: Lieber zum nächsten verblendeten Trottel, oder hat dieser doch irgendwas logisches?

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Ungelesener Beitragvon egozentrum » 20.11.05 22:36

Zoom hat geschrieben:
egozentrum hat geschrieben: Es ist zwar nicht verboten, dritte auch mal entgegen der Einschätzung des Partners "normal" zu nennen, aber doch gefährlich, weil man so immer feinfühlig gefaltete Eckchen plattbügelt, was bei echten Sollfalten zum ernsten Problem ausarten kann.


Wie meinst du das mit den Falten???


Die Leute sind Scheiße. Die Masse ist krank. Das Volk ist dumm. usw.

Oft beruhen solche Beobachtungen auf Wahrnehmungsverzerrungen (Eckchen, Fältchen) des Beobachters.

Oft soeht der Einzelne jedoch tatsächliche Fehler (Sollfalten) der Gemeinschaft.


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Sorry für das Doppelpost gerade. Konnte ich leider nicht mehr löchen.


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