Mein Partner ist schizoid!

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Nachtschattengewächs
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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon Nachtschattengewächs » 02.06.09 19:41

Scheint doch keine Threadleiche zu sein...

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D.Lynch
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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 03.06.09 02:34

Keine Chance. Dieser Thread war schon zigmal begraben und Menschen mit schizoiden Störungen oder solchen Partnern haben immer wieder das Bedürfnis, diesen auszugraben und sind wohl auch schon intelligent genug, auf diesen hier zurückzugreifen anstatt einen neuen aufzumachen.

Imo auch die vernünftigste Lösung, weil hier schon soviel drin steht, was sich für diese Zielgruppe zu lesen lohnt.

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Spongie *W*
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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon Spongie *W* » 05.06.09 06:53

Lustig, dass dieser Thread gerade wieder hier aufkommt.
Habe noch vor ein paar Tagen mit Chi (mein Freund) und meiner Mutter am Esstisch gegessen und waren beim Thema Bundeswehr und wie Chi es geschafft hat, gar nicht erst zur Musterung zu müssen. Da hat er natürlich direkt seine Asperger-Diagnose hingeschickt, und deshalb wollten die beim Bund ihn sowieso nicht da haben - Verständlich, denn Artzbriefe klingen oft richtig widerwärtig. Vorallem der exzessive Gerbauch des Wortes "schizoid" in der Diagnose ist mir in Erinnerung geblieben - Und da kann es für Chi ja nur von Vorteil sein, wenn Ottonormalprüfer beim Bund erstmal denkt "Wah, der ist schizophren?!" :D

Naja, ich kenne mich ja zwangsläufig mit dem Begriff aus, immerhin habe ich inzwischen auch so einen Brief, wo Wörter wie dieses drin stehen.
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lorelay
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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon lorelay » 12.06.09 17:29

Hallo,

Ich bin heute auf dieses Forum gestoßen, weil bei mir kürzlich eine schizoide Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde und ich mit diesem Begriff überhaupt nichts anfangen konnte. Also hab ich natürlich erst mal ausführlich gegoogelt, erkenne mich in den Beschreibungen dieser „Störung“ verdammt gut wieder und bin erst mal ziemlich darüber erschrocken. Andererseits bin ich aber auch froh, dass das „Kind endlich einen Namen hat“. Hab gemerkt , dass ich mich in den letzten Jahren immer mehr zurückgezogen hab, kaum noch Bekanntschaften pflege und mein Partner mit meinem Verhalten auch nicht mehr klarkommt. Allerdings leide ich auch immer mehr darunter, dass ich kaum noch Kontakte habe. Ich bin aber nicht in der Lage das zu ändern. Ich hab ne große Familie und würde mich selbst da gerne völlig zurückziehen ( im Moment jedenfalls ). Ich hoffe, dass das jetzt nicht zu konfus klingt, aber ich bin etwas durcheinander über diese Diagnose und weiß nicht womit ich anfangen soll.

Eigentlich wollte ich den kompletten Thread ( der total interessant ist ) erst mal durchlesen, bevor ich mich hier einklinke, aber das dauert mir jetzt doch zu lange. Was ich mitbekommen habe, ist, dass sich hier einige richtig gut mit dem Thema „schizoid“ auskennen.
Deshalb meine Frage: Gibt es eine Möglichkeit diese „Störung“ ( ich weiß noch nicht richtig, wie ich mit diesem Begriff umgehen soll ) zu mildern, d.h. aus diesem ewigen Kreislauf rauszukommen? Oder kann man sich damit nur abfinden und in sein Eigenbrötlerdasein zurückziehen? Ich hab zwar schon ne Therapie angefangen und weiß , dass wir da weitermachen, aber ich dachte erst, ich hätte einen Burn-Out, da zieht man sich ja an irgendeinem Punkt auch total zurück. Nun bin ich also „schizoid“ und das kann ich gar nicht richtig einordnen.
Würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir antworten würdet, bzw. mir sagen könntet, wo es im Thread steht, falls schon mal was darüber gesagt wurde ( bin leider nur bis Seite 7 gekommen ;-))

Soweit erst mal, ich war vorher noch nie in irgendeinem Forum und bitte um Nachsicht, wenn ich die Gepflogenheiten noch nicht so gut kenne.

GR-RedZero
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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon GR-RedZero » 27.04.10 12:26

Auch wenn dieser Thread Uralt ist will ich nur dazu sagen das das nicht nach Schizoiden klingt sondern ehrer nach Narzismus, ich bin selber Schizoid und weiß welches Leiden es mit sich bringt. Schließt nicht aus das er solche Züge nicht hat aber das ist sicher bei solchen Verhalten nicht die Verwurzelung eines Schizoiden.

mfg GR-RedZero 2010

Tag
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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon Tag » 04.04.13 19:59

Ok, jetzt ist die letzte Antwort auf den Thread auch uralt. Aber wenn Du selbst betroffen bist, kannst Du mir vielleicht als "Angehörige" helfen? Ich habe vieles zur schizoiden PS gelesen, und ich bin fast geschockt, wie genau das auf meinen Freund passt. Bis hin zu den möglichen Ursachen, es passt alles. Ich will nun nicht gleich die These aufstellen, er sei ebenfalls direkt Betroffener, aber er trägt diese Züge auf jeden Fall, und zwar in fast allen Einzelheiten und sehr deutlich. - Es ist schwierig mit ihm, ein Wechselbad. Hätte ich nicht extrem gute Zeiten mit ihm, in ihm unter anderem endlich jemanden gefunden, der mir auch intellektuell leicht folgen kann und würde ich mich nicht so "verwandt" mit ihm fühlen, ich hätte es nicht bis hierher gepackt mit ihm. Eine Rolle hat sicherlich auch gespielt, dass er in lichten Momenten zwischen uns zugibt, dass er Angst vor Nähe hat, vor dem "Ausgeliefertsein" (über das ich nicht mal nachgedacht hätte ohne seine Worte), der "offenen Flanke", wie er das nennt, was bei Nähe nicht vermeidbar, sondern ja eigentlich sogar gewollt ist. Zudem zeigt er nicht diese, entschuldigung, Arroganz und/oder Abfälligkeit, die viele andere Betroffene zu haben scheinen, also zu glauben, andere wären irgendwie flach und hätten irgendwas schlechter verstanden als sie selbst. Und eine Rolle spielt auch, dass ich ihm glaube, dass er diese starken Gefühle zu haben meint, die er manchmal mir gegenüber beschreibt. Er ist schnell im Gehirn, hat einen wunderbar zynischen Humor und sein Weltbild kann ich schon meistens teilen. Er ist zuverlässig und genau und wenn er will, ein echtes Schätzchen. Er hält nichts von Konventionen, hat kein Problem mit "Schmuddeligkeiten" bzw. ist kein bisschen verklemmt oder konservativ. Toll, genau, was ich suchte.

Man weiß aber nicht, wo man anfangen soll bei der Aufzählung dessen, was an diesen Menschen so unsäglich schwierig auszuhalten ist. Ist es die Tatsache, mit "zwei Personen" zusammen zu sein? Ist es das plötzliche Verschwinden, wochenlang (mal real, mal nur seelisches Verschwinden)? Ist es die scheinbare Gleichgültigkeit und Kälte ab und zu? Das Mich-Wegwerfen ohne jede Vorwarnung? Das Mich-Konsumieren, der Versuch, mich sozusagen symbolhaft zurück in den Besenschrank zu stellen, wenn ich mal zuviel bin? Die albernen Spielchen: wer hält es länger ohne den anderen aus, wer ist schneller im Verlassen...? Die Überempfindlichkeit im Konflikt, das Nachtragen (gleichwohl aber durchaus Austeilen-Können)? Diese Regungslosigkeit im Gefühl, in der Mimik? Ist es die völlige Unfähigkeit für ihn, zu erfassen, was ich durchleide? Diese ständige Aura, nichts und niemanden wirklich zu wollen und zu brauchen? Man hat eigentlich über weite Strecken das Gefühl, zu nerven und überflüssig zu sein. Man muss sich (wenn man sich nicht sogar reinziehen lässt) ständig sagen, dass man nichts falsch gemacht hat und diese "Bestrafung" durch die vielen Varianten der "Abwesenheit" gerade nicht verdient. Man kämpft gegen die eigene Wut wegen dieser Ungerechtigkeit und gegen den Impuls, den anderen schütteln zu wollen, um irgendeine Reaktion zu kriegen, die nicht weglaufen ist. Gegen den Impuls, zu schreien: dann entscheide dich doch einfach! Leb doch ohne alle anderen, wenn du wirklich kannst! Warum tust du das nicht einfach, wenn andere dich so nerven? Leb ohne uns und werde glücklich so, aber lass uns in Frieden. Man fühlt sich ständig getestet: bleib da, obwohl ich so schwierig bin! - Bisher blieb ich da. Aber um welchen Kraftaufwand?!

Meine Frage: empfinden die wirklich so wenig oder können sie es nur nicht zeigen? Erstaunlicherweise hab ich noch nirgendwo eine Antwort darauf gelesen. Klar, man kann nicht in den Kopf des anderen gucken. Schizoide wissen nicht, ob das, was sie für Liebe halten, wirklich ausreicht. Und Nicht-Schizoide wissen es auch nicht. Man kennt ja immer nur die eigenen Gefühle, und auch die oft nicht so genau. Ich liebe diesen Mann. Ich habe schon oft gewünscht, ich täte es nicht. Wir haben auch von außen viele, viele Herausforderungen als Paar zu meistern - alles haben wir bisher überstanden. Ich liebe ihn und möchte ihn nicht verlieren. Und doch bohrt da diese Frage: werde ich nur konsumiert, benutzt? Und falls ja, tut er das bewusst oder hält er das für Liebe? Oder liebt er mich tatsächlich so sehr, wie er immer sagt (er sagt, ich sei die Liebe seines Lebens und er hätte noch nie jemanden überhaupt so nah an sich heran gelassen), kann es aber nicht recht rüber bringen?

--- Worin besteht diese Störung genau? Können sie nicht lieben, sich nicht in andere hinein versetzen, die Gefühle des anderen respektieren - oder lieben sie einfach auf ihre ganz eigene Weise...???

Caius
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Registriert: 15.04.13 18:13

Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon Caius » 15.04.13 19:56

Hallo Tag,

ich kenne deinen Freund natürlich nicht und weiß daher nicht, inwieweit meine Ausführungen auf deine Situation zutreffen oder anwendbar sind.
Ich bin selbst schizoid und kann dir sagen: Wir haben auch Gefühle. Ziemlich starke sogar. Allerdings ist es schwierig diesen Ausdruck zu verleihen, da ich für meinen Teil von frühesten Kindheitstagen an jeden anderen Menschen erst einmal als Feind betrachtet habe. Und Feinden gegenüber möchte man natürlich keine Schwäche zeigen, also verbirgt man sämtliche Gefühle so gut es geht. Das führt dann dazu, dass es ziemlich ungewohnt ist, etwas von sich preiszugeben. Von anderen wird man dann als gefühlskalt eingestuft, was aber nicht der Fall ist. Wenn man dann aber jemanden lange genug kennt und schätzen und lieben gelernt hat, ist es natürlich schwer, plötzlich seine Verhaltensmuster zu verändern. Du solltest also seine Kühle dir gegenüber nicht als mangelnde Wertschätzung interpretieren.

Allgemein würde ich dir davon abraten, seine Handlungsweisen mit den Maßstäben zu beurteilen, die du von anderen Menschen gewohnt bist. Wenn er nicht lacht, ist das kein Zeichen, dass er sich nicht freut. Wenn er nicht weint, ist das kein Zeichen, dass er nicht traurig ist.

Nun zu dem "plötzlichen Verschwinden", dem "sich-von-dir-Abwenden": Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Es ist eine Art "Schutzmechanismus", den ich überhaupt nicht kontrollieren kann. Wenn ich an etwas für mich sehr unangenehmes erinnert werde, überkommt mich eine große Wut und ich habe den Wunsch, sofort zu verschwinden. Meine Freundin weiß dann häufig nicht, was sie "falsch" gemacht hat. Inzwischen weiß sie zwar, über welche Themen ich nicht reden möchte, aber dennoch erinnert sie mich unbewusst über mehrere Ecken daran. (Beispiel: In der Universität gab es irgendeine Situation, die mich belastet/ärgert/über die ich nicht reden möchte. Wenn sie dann von ihren eigenen Vorlesungen erzählt, erinnert mich das daran und ich reagiere abweisend. Sie interpretiert dann daraus, dass ich mich nicht für ihren Alltag interessiere, was jedoch falsch ist.)
In so einem Fall würde ich dir raten, überhaupt nicht mehr weiter zu reden. Jedes weitere Wort macht die Sache nur schlimmer. Entschuldige dich auch nicht! Zum einen, weil du nicht weißt, wofür; zum anderen, weil ich in dieser Situation nichts hören wöllte. Denn das erinnert nur daran, was zuvor gesagt wurde. Das heißt aber nicht, dass du dann nicht für ihn da sein solltest. Gib ihm aber Zeit, sich zu beruhigen. Wenn er aber einfach verschwindet, kannst du natürlich nichts machen.

Wie bereits erwähnt, betrachte ich jeden Mensch erst einmal als Feind. Das bedeutet, dass ich mich früher nie besonders viel mit anderen Menschen beschäftigt oder über sie nachgedacht habe; sie waren mir einfach nie wichtig. Deswegen habe ich in meiner Kindheit auch nie gelernt, Gestik oder Mimik zu deuten oder mich in andere hinein zu versetzen. Um deine Frage zu beantworten: Er sieht einfach nicht, was du durchleidest. Er nimmt nur war, was du ihm sagst, nicht was du durch Gestik und Mimik ihm verdeutlichen möchtest. Vor einiger Zeit hat mir meine Freundin gesagt, dass sie sich zu Beginn unserer Beziehung (wir sind nun fast 6 Jahre zusammen) von mir ungeliebt gefühlt hat. Ich hatte davon keine Ahnung, da ich es nicht wahrnehmen konnte, und sie es mir erst jetzt, viel zu spät, gesagt hat. Sprich also mit deinem Freund über deine Gefühle (nicht über seine!).

Ich bezweifle, dass dein Freund dich bewusst "konsumiert" oder "benutzt". Aber wenn du dieses Gefühl hast, solltest du ihm das sagen. Als meine Freundin mir derartiges zum ersten Mal sagte, war ich natürlich ziemlich erbost darüber, denn aus meiner Sicht war das einfach eine falsche Unterstellung - erwarte also nicht, dass er das positiv aufnehmen wird - aber dadurch wurde ich mir überhaupt erst dieses Problems bewusst und konnte an mir arbeiten.

Hier noch ein kleines "Gleichnis", das dir vielleicht helfen kann, deinen Freund besser zu verstehen:
Du musst bedenken, dass auch schizoide Menschen Menschen sind und ein Bedürfnis nach sozialen Bindungen haben.
Stell dir nun also vor, du hättest riesigen Hunger und überall lägen Kokosnüsse herum, von denen du aber überzeugt bist, dass sie vergiftet sind. Außerdem weißt du nicht, wie du die Schale aufbekommen sollst. Alle anderen Menschen können die Kokosnüsse öffnen und essen sie auch ohne Bedenken. Du aber hungerst. Und das dein Leben lang. So ist es, schizoid zu sein.

Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen.

Mit freundlichem Gruße,
Caius


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