Mein Partner ist schizoid!

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närrin

Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon närrin » 22.12.07 16:25

Beim Lesen meiner Mail fällt mir noch etwas ein: Ich hätte gerne wenigstens irgendeine Art von Beziehung zu ihm und ich habe zumindest früher gedacht, dass ihm auch viel an mir liegen muss. Er hat ja keine Freunde (bis auf einen) und sagte mir auch, dass ihn Frauen und Menschen allgemein nicht interessieren, dass es aber bei mir anders sei. Er hätte sich sehr "bemüht". Wahrscheinlich mag ich sein "Anderssein" , die Gespräche mit ihm haben mich inspiriert, auch beruflich. Ich würde gerne wissen, ob ich ihm wirklich gar nichts mehr bedeute. Sein Verhalten spricht dafür, wenn man nicht die kleinen und großen Gemeinheiten als Zeichen von Nähe werten möchte. Er sagte mir aber auch, dass er jeden wegbeisst, der ihm zu nahe kommt und dass er über Seelen trampeln würde, ohne es zu wissen. Er würde mich kaputt machen und er warnt mich vor sich. Gleichzeitig brachte er mir Geschenke und wenn ich ihn traf, strahlte er über das ganze Gesicht. Ich glaube, es fällt mir schwer,loszulassen. Loslassen auch vielleicht nur die Idee von "Liebe", die ich zwischen uns sah. Er sagte immer: Du kannst nicht laufen- und ich kann nicht fühlen. Wahrscheinlich wollte ich ihm das Fühlen "beibringen", aber er kann es wohl genauso wenig, wie ich Laufen. Zumindest sagt er das. Und ich meine eigentlich immer, dass man einem Menschen das glauben sollte, was er sagt und nicht immer etwas anderes reindeuten, nur weil man die Wahrheit nicht mag. Nur bei ihm habe ich dann doch immer wieder gedacht, dass er gefangen ist und mich sucht, um ihn zu befreien. Wo ich es jetzt schreibe, merke ich selber, wie naiv und kitschig das ist. Aber er sagt, selbst, wenn jemand sehr wichtig für ihn ist, kann er sein Leben lang an den Menschen denken- und sich nie bei ihm melden. Ich finde das schrecklich. Wenn man viel an jemanden denkt, dann möchte man doch auch wissen, wie es ihm geht. Ist das bei Schizoiden so- also keine Hoffnung, dass er jemals den Kontakt zu mir suchen wird? Gibt es wirklich keine Möglichkeit, mit einem Schizoiden befreundet zu sein? Aber irgendwie kommt seine Partnerin ja auch klar mit ihm. Naja, ist wohl alles konfus, was ich schreibe und der Leser fragt sich vielleicht, was will die eigentlich? Vielleicht fällt ja aber doch jemandem was Kluges ein, es tut mir alles so weh.

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 23.12.07 03:05

Aber er sagt, selbst, wenn jemand sehr wichtig für ihn ist, kann er sein Leben lang an den Menschen denken- und sich nie bei ihm melden. Ich finde das schrecklich. Wenn man viel an jemanden denkt, dann möchte man doch auch wissen, wie es ihm geht. Ist das bei Schizoiden so- also keine Hoffnung, dass er jemals den Kontakt zu mir suchen wird? Gibt es wirklich keine Möglichkeit, mit einem Schizoiden befreundet zu sein?


Also, ich persönlich finde das nicht besonders belastend, jemanden nicht zu sehen und ihn trotzdem lieb zu haben.
Zur Zeit z.B. habe ich so viel um die Ohren beruflich und wohnungsmäßig und so, dass ich ganz froh bin, alle meine Kontakte evtl. auf ein paar Stündchen abends Internet zu reduzieren. Völlig unabhängig davon, welche Beziehung oder gefühlsmäßige Bindung ich zu dem entsprechenden Menschen habe.
Und ich habe auch meine große Liebe fast acht Jahre nicht gesehen, bis der sich wieder meldete. War insofern kein Problem, weil wir eben wussten, dass wir unsere physische Anwesenheit nicht immer brauchten, um unsere Gefühle füreinander zu behalten.
Bei Menschen, die in sozialen Bereichen arbeiten, ist es ja auch sinnvoll sogar, dass die mal etwas Distanz haben können, sonst müsste ja jeder Erzieher oder Altenpfleger solange immer einen Arbeitsvertrag erhalten (und den auch selber nicht kündigen dürfen), bis dass die entsprechenden Bewohner, die er betreut, aus dem Heim sind oder verstorben sind.

Ich glaube, Du verwechselst da eine mangelnde Bindungsfähigkeit von einzelnen Menschen mit einer schizoiden Persönlichkeit, das hat wenig miteinander zu tun.
'Ne mangelnde Bindungsfähigkeit kann man überwinden, die kann man evtl. sogar "heilen" oder wie Du das auch immer nennst. Solche Menschen werden dann sogar sehr anhänglich, wenn diese einmal überwunden ist.
Jemand mit schizoiden Charakterzügen wird sich da am wohlsten und geborgensten fühlen, wo er auf ähnliche Menschen trifft, sofern er ein Interesse daran hat, diesen Menschen nicht zu verletzen.

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 01.01.08 22:06

Hallo närrin,

ich kann natürlich gut verstehen, daß Dich das kränkt. Wie DU jetzt schriebst hat er wohl vielleicht tatsächlich irgendwelche nicht eingehaltenen "Versprechen" (mit Dir zusammen zu sein) gegeben. Daß dann eine Umentscheidung für Dich nicht so einfach wegzustecken ist, ist gut nachvollziehbar.

Andererseits ist das ja gerade in so Liebesfragen nun auch kein Stück ungewöhnlich, wenn jemand zuviel verspicht, sich zunächst einbildet, daß der Versprechensempfänger alle subjektiven Voraussetzungen zur einhaltung erfüllt, dann aber merkt, daß dem doch nicht so ist (was dann entweder eine erneute Fehleinschätzung, oder eben ein tatsächlicher Mangel ist, wobei der Mangel dann natürlich auch auf unsachgemässen Anforderungen beruhen kann).

Also kann natürlich ohne weiteres sein, daß er sich Dir gegenüber nicht richtig Verhalten hat. Jedenfalls scheint seine Gesamtabwägung allerdings ziemlich offensichlich zu ergeben, daß er mit Dir nicht (im Sinne einer partnerschaftlichen Beziehung) zusammen sein will. Wahrscheinlich hast Du auf entsprechende Äusserungen dann eben mit deiner Bedürftigkeit "argumentiert", was natürlich schon irgendwie etwas hinterlistig bis gemein ist. Wenn das deine Art ist, Enttäuschung auszudrücken, dann ist das vielleicht auch keine so ute Basis für eine Freundschaft (wie gesagt, mag sein, daß er sich bzgl. zu grosser Versprechen Vorhaltungen machen muss, aber eben wohl nicht wegen der Entscheidung).

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon autorin_bonn » 07.01.08 22:18

Zufällig in einer Suchmaschine gefunden, bin ich in diesem Thread gelandet und habe eine Reihe Beiträge mit größtem Interesse gelesen. Die Beschreibungen erscheinen so, als wäre von meinem "Freund" die Rede. Wir sind seit fast acht Jahren "bekannt", haben auch einige Jahre zusammen gelebt, und einmal war ich das Größte, die Einzige, das ganz Besondere (vor allem am Anfang, mit 200 km Entfernung), und dann wieder das Hinterletzte, Bedrohlichste, und eigentlich doch DAS Synonym für diese Welt, der Angriffspunkt für seine Angst, das Ziel seiner leidenschaftlichen Diskussionen ... ein angeblicher Fighter für einen besseren Menschen, und selbst doch eigentlich so hilfsbedürftig. Leider kann man Menschen nicht helfen, die keine Hilfe wollen - er ist dazu noch Alkoholiker, und das seit vielen Jahren, starker Raucher, fernseh- und früher auch sexsüchtig. Also die Sucht scheint in der schizoiden Welt weit verbreitet zu sein ... mir scheint, es wird nach neuer Energie gesucht, und das auf allen erdenklichen Wegen. Borderlining, ja, im höchsten Grade, bis hin zu halsbrecherischen Aktionen auf der Autobahn gegenüber anderen Fahrern, begleitet von wüsten Beschimpfungen ... aber das sind ja gerade die Dinge, die Spaß machen, nicht wahr? Mir nicht, aber ich habe beobachtet, dass er über die "Schadenfreude" eine Art böse Freude produziert, wenn man andere schädigen kann, und sei es auch nur aus der Entfernung - der Schalk, der sich nicht traut ... ach, ja. Es sind alles nur Kinder. Obwohl ein Diplom in der Tasche und ein ehemaliger hoher Dienstgrad bei der Bundeswehr mit Einzelkämpfernachweis. Aber was steckt dahinter? Ein flennendes Kind, das nach seiner Mami weint, weil die "Anderen" so böse zu ihm sind. Dafür wird auch von Herzen aus der sicheren Entfernung heraus über alle hergezogen. Hm, und ich mittendrin. In den ersten Jahren habe ich so gut ich konnte alles mitgemacht, ohne mich ganz zu verbiegen, aber mit der allergrößten Zuwendung. Ich will Euch nicht erzählen, wieviel Zeit, Kraft und Schmerzen mich das gekostet hat ... nach diesen ersten Jahren mußte ich einfach ausziehen, weil ich vollständig (körperlich und geistig) am Ende war. Aber ich hatte damit eines im Sinn: ich wollte testen, ob ihm meine, von ihm scheinbar gewünschte, Verhaltensweise tatsächlich, wie behauptet, positiven Input geben konnte. Ich habe getestet und werde das nie wieder tun. Was war das Ergebnis? Ich wurde zu einem Stück Dreck, das man nach Belieben lenken konnte wie eine Marionette, und sofort wurde versucht, den Kreis weiterzuziehen, auf andere auszuweiten, um noch weitere Marionetten um sich herumzuscharen. Der Einzig Wahre (Jesus war ja nichts dagegen) wollte Fußvolk haben, um in Sicherheit seinem schadenfrohen Nichtstun zu frönen. Vor lauter Angst ein absoluter Kontrollfreak. Laßt Euch nicht von schizoiden Menschen kontrollieren! Die Kontrolle hört niemals auf, sondern wird immer schlimmer. Bis heute arbeitet er nicht oder nur gelegentlich als hilfsbereiter Nachbar, um Rasen zu mähen. Mit diesem Versuch hatte ich viele Chancen vertan, die ich gehabt hätte, damals ... aber erst einmal mußte ich mir das Wissen darüber erarbeiten, wie man mit ihm leidlich gut umgehen kann. Ich denke, heute habe ich es. Wir führen eine durch wenig Stress geprägte Wochenend-Beziehung und helfen uns gegenseitig, so gut es geht. Natürlich finden auch weiterhin Auseinandersetzungen statt. Oft geht dafür ein regelrechtes Bedürfnis von ihm dafür aus, aber auch mir hilft diese Kommunikation mittlerweile ... ich lerne, stark zu sein und zu bleiben. Dabei komme ich mir vor, als sei ich die Mutter dieses kleinen Kindes, ein etwa achtjähriger, bockiger Junge. Wie erzieht man den? Bei meiner Tochter, die mittlerweile ihr Studium beendet hat, konnte ich das schon gut trainieren, das hilft mir jetzt ... man muss konsequent sein und bleiben, seine eigenen Ziele und Regeln aufstellen und eisern sein. An sich selbst arbeiten. Das schafft zum einen Eindruck, mit der Zeit sogar einigen Respekt und bildet, so empfinde ich es jedenfalls, auch eine gewisse Herausforderung für diesen kranken Menschen, denn im Konglomerat mit seinen Süchten muss ich ihn leider so sehen. Und genau diese Herausforderung ist es, die er braucht! Also, laßt Euch nicht kleinkriegen von den Egomanen und Egozentrikern dieser Welt! Das Leben ist zu schön dafür! Seid standhaft und tapfer und verteidigt Eure Ideale! Heute denke ich, an einer solchen Beziehung, egal, wieviel sie gekostet hat, konnte ich nur wachsen, und das ist aus meiner Sicht ein Ziel einer jeden Beziehung, dass man sich gegenseitig voranbringt. Im Moment ist die Situation die, dass ich ihm als Selbständige zum ersten Mal einen Minijob anbieten konnte mit allen technischen Geräten, die dafür notwendig sind und womit er ortsunabhängig arbeiten kann. Das war mein Weihnachtsgeschenkt. Silvester hat er zugesagt und wir haben gefeiert, eine Woche später war der Arbeitsvertrag unterschrieben. Und dieser Mensch hat extrem viel Angst vor jedem anderen Menschen. Es laufen ja nur potentielle Mörder herum ... ;-) ... ach ja, auch ein schizoider Mensch kann sich vielleicht einmal seiner Angst stellen und sie damit besiegen ... hoffe ich wenigstens, denn sonst sehe ich ganz schwarz für ihn. Teilweise hat seine Mutter ihn über Wasser gehalten, und teilweise ich. Wenn wir das nicht getan hätten, wäre er vor lauter Bockigkeit verhungert oder hätte tatsächlich etwas angestellt. Vielleicht wäre es richtiger gewesen, ihn an irgendeiner Stelle ganz zu ignorieren, aber auch ich habe kein Herz aus Stein. Mittlerweile geht es mir auch langsam wieder besser, die letzten Jahre waren für mich gesundheitlich eine ziemliche Hölle gewesen.
Einen anderen Aspekt würde ich gern noch mit einbringen: Auf der Suche nach den Ursachen bei meinen vielfältigen Beschwerden (Kraftlosigkeit, Migräne, Rheuma oder Arthritis, Verdauungsbeschwerden, Anämie) traf ich einige Male auf physische Krankheitssymptome, die seinen körperlichen Beschwerden (oft Gefühllosigkeit in den Beinen, Durchblutungsstörungen, mittlerweile Sehprobleme, Verdauungsbeschwerden, Kraftlosigkeit) entsprachen - einmal bei der Schilddrüsenüberfunktion und dann bei Vitaminmangel, und hier speziell der Vitamin-B-Komplex. Wenn ich mir hier die möglichen Krankheitsbilder ansehe, komme ich auch auf Schizoidie oder gar Schizophrenie, und vor allem erklärt das die Antriebslosigkeit und die Beschwerden in den Beinen. Dann sehe ich mir seine (und meine) Ernährung an, seinen Alkoholismus und dessen Auswirkungen auf Magen und Darm und sage mir ... das könnte sehr gut helfen, etwas mehr Energie, Power, Freude und ein besseres körperliches Gefühl zu bekommen. Die Versorgung mit Vitamin B in der "normalen" Ernährung ist doch sehr mager. In dem ganzen Weizengebäck ist fast nichts drin ... und wer ißt schon ständig Leber?
Wäre schön, wenn Ihr Euch mal meldet ... Kopf hoch und weiter gehts!

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 08.01.08 04:52

Also, von einem Fall darf man aber nicht gleich auf alle schließen.
Antriebslosigkeit ist eher ein Zeichen von Depression, die ziemlich normal ist, wenn er über lange Zeit arbeitslos ist/war.

Ist nicht unbedingt ein Zeichen für einen schizoiden Charakter, kann aber bei jedem Menschen mal vorkommen, dass er in eine längere Phase der Depression kommt.

autorin_bonn

Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon autorin_bonn » 08.01.08 20:47

Nein, so ist das hier ganz gewiß nicht. Er will nicht arbeiten und er wollte es nie. Er war erfolgreicher Unternehmer mit einem Millionenumsatz - das ist schon mehr als zehn Jahre her - und überließ alles seinen Mitarbeitern. Er hatte einfach die Nase voll, und seine Mitarbeiter hatten von ihm die Nase voll und wollten keinen Chef, der sie nur herumkommandierte und dafür das große Geld nach Hause schleppte. Er hat nie nach Arbeit gesucht und wird das auch nie tun. Er befindet sich in nahezu totaler Verweigerungshaltung, seit etwa fünfzehn Jahren jetzt, gegen alle Menschen. Er ist nirgendwo gemeldet, weder vom Einwohnermeldeamt noch im Amt für Arbeit. Davor hat er viel zu große Angst. Er will keine Willkür und keine Repressalien und vor allem niemandem, der ihm sagt, was er zu tun hat. Sein früheres Leben und seine erste, langjährige Ehe, aus der er zwei mittlerweile erwachsene Kinder hat, bezeichnet er heute als Zwang. Er hätte nur geheiratet, weil ihn alle bedrängt hätten. Wenn er gewußt hätte, was Mensch ist ... hätte er sich beizeiten die Kugel gegeben. Er will nicht, dass auch nur ein Mensch - selbst ich nicht - von seinen Anstrengungen profitiert, wenn er arbeiten würde. So vermute ich, dass die Chance, dass er im Februar seinen Job mit mir macht, nur 50:50 ist.

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 09.01.08 05:35

Okay, das hatte ich so nicht verstanden, dass der Zustand schon 15 Jahre anhält, das wäre dann doch für eine depressive Phase, die Antriebslosigkeit auslöst, etwas lange.

Inwieweit arbeitet er denn an seinem Alkoholismus, das müsste doch nach 15 Jahren allmählich kritisch werden?

Ich kenn' das bei Ernährung btw nur so, dass Menschen, die z.B. zu so Quartalssauforgien neigen, nach ihrer alkoholischen Phase (meistens mehrere Tage oder manchmal sogar Wochen) extrem viel Zuckerhaltiges essen, weil das irgendwie die Leber wieder aufbaut oder so?

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon autorin_bonn » 09.01.08 19:46

Er trinkt nahezu jeden Abend. In den letzten Jahren war es jeweils eine halbe Flasche Wodka an einem Abend, manchmal noch 1-3 Biere, wenn wir am Wochenende mal in der Kneipe waren, und vielleicht hin und wieder 1-2 Glas Rotwein. Ein- bis zweimal im Jahr hat er sich ein kleines bißchen gefangen innerlich und versucht, etwas weniger zu trinken. Dann bin ich sehr stolz auf ihn. Aber spätestens wenige Tage danach ist alles wieder beim Alten. Der Anlass dafür liegt (scheinbar) immer außerhalb, zumindest verbalisiert er so. Er ist mit einem Menschen seiner Umgebung (seine Mutter, seine Kinder, seine Exfrau, ich) zusammengetroffen und hat sich angeblich über irgend etwas geärgert. Dabei ist das gerade sein Hobby. Der innere Halt fehlt. Und alles nur am Außen festzumachen, das ist doch sehr wacklig und stürzt schnell zusammen. Soweit ich weiß, trinkt er, so lange das möglich ist. Rauchen schon seit der Teenager-Zeit, und Kaffeetrinken seit einem zarten Alter von 7 Jahren. Aber um auf Deine gesundheitliche Frage wegen dem Alkoholismus zu kommen ... für ihn ist es Energiegewinnung. Manchmal trinkt er so viel, auch ohne äußeren Anlass, bis nichts mehr reingeht und der Morgen graut (zum Glück schlafe ich dann schon lange). Er scheint diesen temporären Glückszustand zu brauchen und genießen zu wollen. Irgendwelche Nachwehen am nächsten Tag habe ich noch fast nie bemerkt. Bauchschmerzen hat er immer, aber schon seit seiner Kindheit, und entsprechende Verdauungsprobleme. Auch ein Grund, warum ich auf Vitamin B kam. Ansonsten riecht er manchmal nach Azetose (oder wie das heißt), also stark übersäuert. Er isst relativ wenig, mit wechselndem Appetit, und eine häufige Gelbfärbung der Haut und der Augen sieht man auch. Er sieht relativ fertig aus im Gesicht, hat auch zunehmende Sehbeschwerden, manchmal ein Zittern der Hände ... aber direkte Leberbeschwerden ... nein, nicht dass ich wüßte.
Er selbst sieht sich als einzigartige Ausnahmeerscheinung, nicht zu vergleichen mit auch nur irgendeinem anderen Menschen, auch nicht in der Funktionalität seines Körpers. Darum sieht er seinen Alkoholismus nicht einmal oder will ihn nicht sehen.
Was weißt Du als Supporter über die Ursachen von Schizoidie? Und was kann/könnte ich in dieser Richtung noch tun?

Viele Grüße

Ina

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 10.01.08 06:14

Also, Supporter heißt nix anderes, als dass ich das Forum hier mal monetär unterstützt habe.
Nee, ich weiß eben ein bisschen aufgrund privater Erlebnisse und aufgrund der beruflichen Ausbildung von mir.

Also, das, was man am häufigsten sagt, nach dem psychoanalytischen Ansatz ist eigentlich, dass es sich um eine frühkindliche Störung handelt in den ersten Lebensmonaten, nach denen das Neugeborene auch zu dem Zeitpunkt, wo es schon Blickkontakt herstellen kann, dies nicht erfüllt wird und daher eine enge persönliche Beziehungsebene fehlt. Sprich: Das Baby nimmt Nahrung auf, hat dabei aber keinen Blickkontakt zur Mutter oder evtl. dauernd wechselnde Bezugspersonen, wobei das erst später stört, wenn das Kind überhaupt Gesichter unterscheiden kann. Ich hab' irgendwo in dem Thread schon mal das Standard-Werk erwähnt von Reimann: "Grundformen der Angst". Ist eigentlich einfach geschrieben, aber auch eben alles sehr vereinfachend, aber evtl. ausreichend zum anfänglichen Verstehen.

Und Therapie:
Tja, da fragst Du was?
Zuerst mal:
Man kann nichts therapieren, worunter der Betroffene nicht leidet, zumindest nicht bei psychischen Problemen.
Und das wäre erst mal die Frage:
Wer leidet da?
Leidet er wirklich oder bist das nicht eher Du, die leidet???

autorin_bonn

Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon autorin_bonn » 10.01.08 23:10

Da hast Du völlig recht. Wenn einer etwas NICHT verändern will, kann man ihm auch nicht helfen - so die allgemeine Auffassung. Aber hundertprozentig kann ich dem heute nicht mehr zustimmen. Wozu Erziehung, wenn derjenige (das Kind) gar nicht erzogen werden will? Wenn ich beispielsweise einem depressiven Menschen NICHT zeige, welche Möglichkeiten er prinzipiell hat, dann lasse ich ihn mit seiner Depression allein, oder? Und genau das will ich nicht. Mein Leben ist klar, die Vergangenheit längst abgearbeitet und die Zukunft definiert, ebenso die nächsten Schritte. Wenn ich also vorwärts gehe, wie kann ich da zusehen, wenn mein Partner blockiert erscheint in seiner Entwicklung, und das bereits über sehr viele Jahre? Einmal liegt er mir direkt im Weg herum (ein Bild, das seit Jahren immer wieder in mir entsteht von ihm), und das scheinbar mit voller Absicht, und zum anderen waren wir schon etliche Male getrennt, über einen Zeitraum von Wochen oder sogar Monaten. Die Person, die dann wieder Kontakt aufgenommen hat, war meistens er, manchmal aber auch ich. Was geschah in dieser Zeit, als er allein war? Nichts. Überhaupt nichts. Wenn er heute bockig von sich gibt: "Ich will nicht, dass einer von Euch etwas davon hat, wenn ich wieder anfange!", dann hätte er zu diesen Gelegenheiten ja wieder loslegen können ... Pustekuchen. Ich brauche ihn nicht, wirklich nicht. Vor einigen Jahren habe ich mir meine sogenannte "Liebe" zu ihm aus dem Herzen gerissen, weil das so schrecklich weh tat, all die falschen Versprechungen und nichts dahinter. So wie es mir eine erstrebenswerte Aufgabe war, meine Tochter zu erziehen, möchte ich mich - über mich hinaus - wenigstens noch um einen oder mehrere Menschen kümmern und diese in ihrer Entwicklung voranbringen. Wer sich nicht weiterentwickelt, ist in meinen Augen tot oder auf dem Wege dazu. Ich lernte meinen Partner als Personalentwickler in einem Assessment-Center kennen. Diesen Auftrag, Unternehmensgründer zu beraten, hatte er über einen Freund zufällig erhalten. Das ist nun neun Jahre her. Nach diesem Auftrag gab es diesen oder jenen Ansatz noch, wo er schnell aufgegeben hat, und dann nichts mehr. Ja, ich denke, der aktuelle Zustand quält ihn sehr, denn er beschäftigt sich in seiner gesamten Freizeit, wenn er allein ist, nur damit, die Ursachen für seine innere Blockade zu finden bzw. sich in einen Zustand zu versetzen, der ihn wieder vorwärtsgehen läßt. Nur läßt er seit einigen Jahren keinerlei Mitsprache von anderen mehr zu, was ich auch nicht falsch finde, denn diese "Mitsprache" (beispielsweise seiner Exfrau früher) hatte ihn vor der Geschäftsaufgabe in die Esoterik geführt, wo er sich - meines Erachtens - ziemlich verirrt hat. Irgendwelche Wunderglauben an besondere Fähigkeiten, die Aussagen von Sterndeutern, Handlesern etc. aus der Vergangenheit spielen heute immer noch eine Rolle. Die Auslegungen dieser Aussagen (zumindest hat er sich das so zurechtgezimmert) besagen, dass er (und Er allein) die Erde gestaltet (Jesus-Komplex). Daraus schließt er, dass alle anderen Menschen das nicht sind und damit wären alle, außer ihm, weniger als ein Tier, mit anderen Worten Abfall.
Mich quält sein Zustand insofern, weil ich sehe, dass er sich seit vielen Jahren bemüht, einen neuen Ansatz für sich und sein Leben zu finden, auch wenn ich denke, dass die Wege, die er im Geiste beschreitet, nur Sackgassen sind und letzten Endes in seiner Blockade münden. Deshalb möchte ich ihm Alternativen dazu mit meiner eigenen Person bieten. Vielleicht hilft es ihm, wenn er sieht, wie ich mich Schritt für Schritt aus meinem körperlichen/geistigen Erschöpfungszustand herausarbeite (vor zwei Jahren war ich nur 3 Stunden arbeitsfähig, heute sind es schon fast acht Stunden) und wie es mir immer ein bißchen besser geht. Ich hoffe, er sieht, dass man in (fast) jeder Situation wieder aufstehen und sich aufrappeln kann. Theoretisch sollte er auch sehen, dass ich dafür (jedenfalls bisher) keinen einzigen Menschen gebraucht habe, nicht einmal einen Arzt, denn dieser konnte mir damals nicht weiterhelfen (alles im grünen Bereich). Ich will ihn kaufen? Zu meinem Eigentum machen? Aber nein. Ich habe (fast) jede Erwartungshaltung aufgegeben. Mir tun vor allem die vielen Jahre leid, in denen ich meine Bemühungen in ihn investiert habe. Also meine Zeit und Kraft. Deshalb ist mir diese relativ lange Zeitspanne wert, dass ich weitermache.
Ich würde gern schneller vorankommen, aber dieser "Ballast" hält mich auf, deshalb muß ich ihm "Beine machen" ... ;-) ... oder die Kraft haben, ihn weiter zu "ertragen". Was wäre, wenn ich nicht da wäre für ihn? Ginge es ihm dann besser? Oder mir? Er hätte keine Alternative mehr, als auf den Tod seiner Mutter zu warten und das Erbe dann durchzubringen, während er Null Hoffnung hat, was andere Menschen betrifft. Und ich könnte von mir sagen, dass ich wieder mal eine Sache nicht durchgehalten, sondern in die Ecke geworfen habe. Ich hätte zwar mehr Freiraum, würde vielleicht auch mehr erreichen und schneller gesund werden, aber wahre Freude hätte ich daran nicht, wenn ich ihn dafür "auf der Strecke" lassen müßte.
Was meinst Du? Könnte er schizoid sein, oder ist das etwas anderes?

Viele Grüße

Ina

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 11.01.08 06:53

Oh, oh, oh!
Ich lese was ganz anderes da raus!


Erstmal, ob jemand einen schizoiden Charakter hat oder nicht, kann man mit Sicherheit nicht über eine Drittaussage im Internet beurteilen, dafür muss er wirklich mal zu einem Therapeuten gehen.
Aber, und das haben @egozentrum und ich auch schon öfters in diesem Thread gesagt: Was hast Du davon, wenn Du weißt, in welche Schublade Du ihn stecken kannst?
Ich arbeite sowieso lieber nach Adler als nach Freud, wenn ich aus therapeutischen Gründen Leute analysieren muss, auch, wenn diese Grundformen der Angst natürlich sehr praktisch sind, irgendjemanden in ein Raster zu bringen, was einem die Zusammenarbeit mit ihm ermöglicht. Aber auch das sind alles beide nur etwas altmodische Hilfsmethoden.
Aber wie gesagt, dass muss er selber entscheiden, das kann man nicht über das Internet machen, da müsste er sich, wenn schon, selber äußern.


ABER:
autorin_bonn hat geschrieben: Theoretisch sollte er auch sehen, dass ich dafür (jedenfalls bisher) keinen einzigen Menschen gebraucht habe, nicht einmal einen Arzt, denn dieser konnte mir damals nicht weiterhelfen (alles im grünen Bereich). Ich will ihn kaufen? Zu meinem Eigentum machen? Aber nein. Ich habe (fast) jede Erwartungshaltung aufgegeben. Mir tun vor allem die vielen Jahre leid, in denen ich meine Bemühungen in ihn investiert habe. Also meine Zeit und Kraft. Deshalb ist mir diese relativ lange Zeitspanne wert, dass ich weitermache.
Ich würde gern schneller vorankommen, aber dieser "Ballast" hält mich auf, deshalb muß ich ihm "Beine machen" ... ;-) ... oder die Kraft haben, ihn weiter zu "ertragen". Was wäre, wenn ich nicht da wäre für ihn? Ginge es ihm dann besser? Oder mir? Er hätte keine Alternative mehr, als auf den Tod seiner Mutter zu warten und das Erbe dann durchzubringen, während er Null Hoffnung hat, was andere Menschen betrifft. Und ich könnte von mir sagen, dass ich wieder mal eine Sache nicht durchgehalten, sondern in die Ecke geworfen habe. Ich hätte zwar mehr Freiraum, würde vielleicht auch mehr erreichen und schneller gesund werden, aber wahre Freude hätte ich daran nicht, wenn ich ihn dafür "auf der Strecke" lassen müßte.


Schon mal was von dem Begriff "Ko-Abhängigkeit" gehört?
Der fällt mir ein, dass der passt, wie die Faust aufs Auge.

Du sagst selbst, dass da eigentlich nichts mehr wäre, was Liebe sein könnte. Und es gibt eine sehr interessante Sache, die immer eintritt, wenn sich Menschen auf Menschen mit Suchtproblematiken einlassen. Die Menschen mit Abhängigkeiten (hier die Alkoholabhängigkeit; btw. Ist die körperlich oder psychisch und konstant oder eher nur quartalsmäßig?) suchen Menschen, die ihre Abhängigkeit mit ihnen teilen.
Und genau das lese ich daraus. Obwohl Du schon nicht mehr von Liebe sprechen möchtest, hast Du Dich fast darin verrannt, ihm zu helfen.
Vorsichtig!
Aus zweierlei Gründen:
Zum einen ist eine Abhängigkeit von einem Menschen oder von dem Erfolg, einen Menschen helfen zu wollen, doch immer noch eine Abhängigkeit, die einen natürlich ebenso belästigen kann wie eine Abhängigkeit von psychotropen Substanzen (also Alk, Nikotin, thc, etc.). Wenn er keinen Leidensdruck entwickelt, bzw. nicht weiß, wie er ihn bewältigen soll:
Weißt Du das denn, wie Du mit deinem Leidensdruck umgehen sollst?
Und zum anderen:
Du bist ihm immer noch sehr nahe, so wie Du schreibst. Und es ist tatsächlich so, dass man einem Menschen sehr viel weniger helfen kann, wenn man nicht die persönliche Distanz zu ihm hat. Ich kann mit irgendwelchen Bewohnern hervorragend arbeiten und denen helfen bei mir auf der Arbeit, aber, wenn ich jemanden sehr nahe stehe, dann verliere ich diese Distanz und das macht die Hilfe schwieriger, manchmal fast unmöglich.

Überlege Dir die Sachen mal und denk' dann mal evtl. in die Zielrichtung, ob ihm nicht eine distanziertere Hilfe von jemanden von außerhalb nicht mehr helfen würde.
Hat er denn sowas jemals versucht?

autorin_bonn

Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon autorin_bonn » 12.01.08 16:22

Täglich Alkohol, mit ganz wenigen Ausnahmen. Ich stehe ihm zu nah, schreibst Du? Ich brauche eine relative Nähe, sonst kann ich nicht unterstützend wirken. Aus der Entfernung geht das nicht, da kann ich einen Menschen nicht gut genug einschätzen - und ich brauche eine eigene Meinung dafür -, um wirklich zu sehen, in welche Richtung wir arbeiten müssen, damit das Problem möglichst kleiner wird. Wenn es ein Problem außerhalb von einem Menschen gibt, dann kann ich das natürlich auch allein lösen - prinzipiell wenigstens. Aber es geht ja darum, einen anderen Menschen zu befähigen, seine Existenz möglichst selbst zu stützen ... also SEIN Leben zu leben. Und ich bin distanziert genug, um jeden Moment bewußt festzulegen, welchen Schritt ich gehe. Wenn Du mich persönlich kennen würdest, könntest Du mich nur mit Abstand betrachten, so diszipliniert und abgehoben - leider - erscheine ich den meisten Menschen, und wirklich kennen tut mich keiner. Nein, für meine Probleme habe ich noch fast nie einen anderen Menschen "gebraucht". Die Sachen, wo ich die Hilfe eines anderen Menschen in Anspruch genommen habe, kann ich heute noch (mit 46) an EINER Hand abzählen. Hilfe bedeutet immer Abhängigkeit vom anderen, und ich möchte nicht in Abhängigkeit geraden, das kostet immer ... und genau das gleiche wünsche ich mir für meinen Partner. Ich möchte ihn gern als selbständigen Menschen hinstellen, der stolz auf sich und sein Leben ist, und vielleicht einmal sagen kann ... so ist es gut. Und wenn er dann geht, oder vorher, oder gar nicht ... das ist seine Entscheidung. Vermutlich dulde ich in meiner Nähe keinen Menschen, der durch und über andere lebt. Das verstehe ich nicht. Ich weiß, dass das auch sein Wunsch ist ... in dieser Sache sind wir, jedenfalls was unsere Meinung betrifft, auf dem gleichen Weg, nur ist er seit jeher nicht in der Lage, einem anderen Menschen positive Absichten zu unterstellen, sondern immer nur negative. Er meint, hinter jeder Absicht steckt eine Abscheulichkeit. Bei mir kann ich aber keine sehen, tut mir leid. Meine Tochter habe ich sehr, sehr viel strenger erzogen, als ich mein Verhalten meinem Partner gegenüber beurteilen würde. Sie mußte mit 15 Jahren stehen und ihr eigenes Leben leben. Sie hat's geschafft, ist zwar viel sozialer orientiert als ich (will es halt besser machen als ihre Mutter), aber es klappt alles. Zu Menschen, zu denen ich keine Beziehung habe oder nur eine geringe durch die Arbeit, finde ich keinen solchen Draht, um diese voranzubringen, höchstens durch mein Vorbild, was ich auch zu nutzen versuche. Bei meinen Mitarbeitern, früher, in der eigenen kleinen Firma, funktionierte das jedenfalls.
Nein, er kann von Fremden keine Hilfe annehmen. Das ist ganz unmöglich. Da hat er viel zu viel Angst. Er erkennt ja nicht einmal, dass er ein Problem hat, das durch andere vielleicht gelöst werden könnte. Er hat sich die Aufgabe gestellt, sein Problem allein zu lösen, nur steckt er seit 15 Jahren in der Sackgasse und irrt darin herum. Darum will ich versuchen, ihm nur alle möglichen Breschen zu schlagen, damit es nur ja irgendwo besser weitergeht.

Dir ein schönes WE!

Ina

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 13.01.08 04:51

autorin_bonn hat geschrieben:Täglich Alkohol, mit ganz wenigen Ausnahmen. Ich stehe ihm zu nah, schreibst Du? Ich brauche eine relative Nähe, sonst kann ich nicht unterstützend wirken. Aus der Entfernung geht das nicht, da kann ich einen Menschen nicht gut genug einschätzen - und ich brauche eine eigene Meinung dafür -, um wirklich zu sehen, in welche Richtung wir arbeiten müssen, damit das Problem möglichst kleiner wird. Wenn es ein Problem außerhalb von einem Menschen gibt, dann kann ich das natürlich auch allein lösen - prinzipiell wenigstens. Aber es geht ja darum, einen anderen Menschen zu befähigen, seine Existenz möglichst selbst zu stützen ... also SEIN Leben zu leben.


Okay, das ist die andere Lösung, die Du angehst. Du arbeitest mit einer Art "Bindungstheorie". Das ist möglich, nur dann stimmt das nicht:

Und ich bin distanziert genug, um jeden Moment bewußt festzulegen, welchen Schritt ich gehe.


Also, entweder ist man ein distanzierter Helfer oder man möchte eine Bindung zur der Person, der man helfen will. In der BRD hat sich zumeist die erste Möglichkeit durchgesetzt, das andere wird maximal bei Kindern/Jugendlichen und erwachsenen professionellen Helfern bislang toleriert.

Wenn Du mich persönlich kennen würdest, könntest Du mich nur mit Abstand betrachten, so diszipliniert und abgehoben - leider - erscheine ich den meisten Menschen, und wirklich kennen tut mich keiner. Nein, für meine Probleme habe ich noch fast nie einen anderen Menschen "gebraucht". Die Sachen, wo ich die Hilfe eines anderen Menschen in Anspruch genommen habe, kann ich heute noch (mit 46) an EINER Hand abzählen. Hilfe bedeutet immer Abhängigkeit vom anderen, und ich möchte nicht in Abhängigkeit geraden, das kostet immer ... und genau das gleiche wünsche ich mir für meinen Partner.


Äh, willst Du jetzt was zu schizoiden Charakteren wissen oder evtl. doch was zu Schizophrenie?
Beim letzteren ist imo @Egozentrum etwas erfahrener als ich. Nur fällt es mir schwer, jetzt unterschieden zu können, wer da schreibt. Bist Du das oder ist das die von Dir beschriebene Person???


Ich möchte ihn gern als selbständigen Menschen hinstellen, der stolz auf sich und sein Leben ist, und vielleicht einmal sagen kann ... so ist es gut. Und wenn er dann geht, oder vorher, oder gar nicht ... das ist seine Entscheidung. Vermutlich dulde ich in meiner Nähe keinen Menschen, der durch und über andere lebt. Das verstehe ich nicht. Ich weiß, dass das auch sein Wunsch ist ... in dieser Sache sind wir, jedenfalls was unsere Meinung betrifft, auf dem gleichen Weg, nur ist er seit jeher nicht in der Lage, einem anderen Menschen positive Absichten zu unterstellen, sondern immer nur negative. Er meint, hinter jeder Absicht steckt eine Abscheulichkeit. Bei mir kann ich aber keine sehen, tut mir leid.


Seid Ihr Euch nicht sehr ähnlich?
Und ist es, mal so gefragt, nicht ein Glück, dass gerade Ihr beide Euch getroffen habt???
Irgendwie bekomme ich wirklich, wenn ich die Grundzüge eines schizoiden Charakters betrachte, allmählich Schwierigkeiten, herauszubekommen, wer da wer ist.
Kann es nicht einfach sein, dass Ihr Euch gar nicht so unterscheidet???

(Nur mal so als Hinweis: Nach meinem theoretischen Kenntnisstand bin ich selber ein schizoider Charakter. Und nur das hat mich dazu befähigt, einen Menschen zu lieben, der den selben schizoiden Zustand in seiner Seele trägt. Und er und ich haben einen Zustand an Liebe erreicht, der es möglich macht, sich auch mal jahrelang nicht zu sehen und dennoch war jeder jede Sekunde bei dem anderen!!!)


Nein, er kann von Fremden keine Hilfe annehmen. Das ist ganz unmöglich. Da hat er viel zu viel Angst. Er erkennt ja nicht einmal, dass er ein Problem hat, das durch andere vielleicht gelöst werden könnte. Er hat sich die Aufgabe gestellt, sein Problem allein zu lösen, nur steckt er seit 15 Jahren in der Sackgasse und irrt darin herum. Darum will ich versuchen, ihm nur alle möglichen Breschen zu schlagen, damit es nur ja irgendwo besser weitergeht.


Mal wieder die Frage:
Bist Du denn bereit von Fremden Hilfe anzunehmen? Hast Du mal darüber nachgedacht, dass Ihr Euch sehr ähnlich seid???

autorin_bonn

Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon autorin_bonn » 13.01.08 13:24

"Okay, das ist die andere Lösung, die Du angehst. Du arbeitest mit einer Art "Bindungstheorie". Das ist möglich, nur dann stimmt das nicht: Und ich bin distanziert genug, um jeden Moment bewußt festzulegen, welchen Schritt ich gehe."

Warum soll das nicht stimmen? Ich möchte am liebsten gar keine Bindung zu auch nur irgend jemandem. Von klein auf war mein Bestreben das, möglichst unabhängig von jedem anderen Menschen zu leben. Mit drei Jahren hatte ich den Wunsch, eine Kräuterhexe im Wald zu werden, fernab von den Menschen, aber bereit zur Hilfe gegenüber jedermann. Und einige Jahre später war es das Bild einer wilden Hindin, die nur von der Natur lebt, und dann mußte ich zu der Frage kommen, aber was ist mit den Menschen ... werden sie mich in Ruhe leben lassen? Ich will meinen Partner NICHT an mich binden, im Gegenteil, ich würde es viel schöner finden, wenn sich zwei einzelne, unabhängige, stolze Menschen begegnen, für die es jeweils ein Geschenk ist, mit einem solchen anderen Menschen zusammensein zu können. Mir ist in meinem Leben noch kein kein solcher Mensch begegnet, aber für mich ist es das Ziel, ein solcher zu sein bzw. zu werden, und das gleiche wünsche ich mir für jeden anderen Menschen.

"Also, entweder ist man ein distanzierter Helfer oder man möchte eine Bindung zur der Person, der man helfen will. In der BRD hat sich zumeist die erste Möglichkeit durchgesetzt, das andere wird maximal bei Kindern/Jugendlichen und erwachsenen professionellen Helfern bislang toleriert."

Entschuldige, aber das ist genau das, was in der Welt läuft, und was ich nicht mag. Darüber habe ich mein erstes Buch (noch nicht veröffentlicht) geschrieben. Entweder der unabhängige Berater, die fachlich anerkannte Koryphäe (wie ich es ja auch als IT-Berater praktiziere) sein, oder eine Bindung wollen. Da sehe ich aber weitere Möglichkeiten. Zu meiner Tochter beispielsweise - und eine engere Bindung als zwischen Mutter und Kind kann es fast nicht geben - möchte ich keine Bindung haben. Wenn wir uns überhaupt einmal wiedersehen, dann sollte einer den anderen achten können und wollen, und das ist (leider) nicht der Fall. Eine Beziehung ist gut, wenn sie möglichst jeden voranbringt, dann gibt es vielleicht auch ein Bindung zwischen diesen beiden Menschen. Aber wenn einer den anderen blockiert oder mißbrauchen will, oder einer den anderen braucht ... dann ist das für mich eher eine Bindung, und zwar eine, die ich niemals eingehen möchte.

"Wenn Du mich persönlich kennen würdest, könntest Du mich nur mit Abstand betrachten, so diszipliniert und abgehoben - leider - erscheine ich den meisten Menschen, und wirklich kennen tut mich keiner. Nein, für meine Probleme habe ich noch fast nie einen anderen Menschen "gebraucht". Die Sachen, wo ich die Hilfe eines anderen Menschen in Anspruch genommen habe, kann ich heute noch (mit 46) an EINER Hand abzählen. Hilfe bedeutet immer Abhängigkeit vom anderen, und ich möchte nicht in Abhängigkeit geraden, das kostet immer ... und genau das gleiche wünsche ich mir für meinen Partner.

Äh, willst Du jetzt was zu schizoiden Charakteren wissen oder evtl. doch was zu Schizophrenie?
Beim letzteren ist imo @Egozentrum etwas erfahrener als ich. Nur fällt es mir schwer, jetzt unterschieden zu können, wer da schreibt. Bist Du das oder ist das die von Dir beschriebene Person???"

Jetzt muss ich lachen ... ;-) ... ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich feststellen kann, ob ich oder wer sonst schizoid ist, und erst recht nicht, ob schizophren vielleicht eher zutrifft. Mache ich den Eindruck, als ob mehrere Personen aus mir sprechen? Ist mein Drang nach eigener Unabhängigkeit sowie der Wunsch, anderen zu helfen, ähnlich unabhängig zu werden, ein Widerspruch? Gibt es da eine Logik, dann kann ich Dir sicher folgen ...

"Seid Ihr Euch nicht sehr ähnlich?
Und ist es, mal so gefragt, nicht ein Glück, dass gerade Ihr beide Euch getroffen habt???
Irgendwie bekomme ich wirklich, wenn ich die Grundzüge eines schizoiden Charakters betrachte, allmählich Schwierigkeiten, herauszubekommen, wer da wer ist.
Kann es nicht einfach sein, dass Ihr Euch gar nicht so unterscheidet???"

Wir sind uns sehr ähnlich, das wußte ich vom ersten Augenblick. Dachte ich zumindest damals. Mein ganzes Leben hatte ich nach einem Menschen gesucht, der in einigen Dingen so ähnlich ist wie ich - ich denke dabei an die Tiefgründigkeit, Nachdenklichkeit, Logik, aber auch an Natur und Schönheit. Dann hört es aber auch auf. In meinem ganzen Leben ist mir aber auch noch niemals ein Mensch begegnet, der so blockiert ist wie er und sich nie entwickeln/weiterentwickeln wollte, und der sich sogar Personalentwickler nannte. Das ist mein großer Widerspruch, den ich bei ihm nicht verstehe, aber mit dem ich zurechtkommen muss. Schließlich vertrete ich die Auffassung, dass jedes Lebewesen ein Recht zu leben hat, jedes, und zwar nach seinen eigenen Kriterien. Wenn diese freilich einem anderen Lebewesen Schaden zufüllen WOLLEN, dann muss sich dieses wehren. Irgendwie gehört das meiner Ansicht auch zur Evolution dazu. Wenn ich bei ihm etwas sehen würde, was er will, wenn er sich ein Ziel setzen würde ... es könnte wohl niemand froher sein als ich ... aber da ist nichts, leider. Das gleiche Problem wie bei meiner Tochter. Nichts da. Sie ist (leider) durch andere Menschen in ihrer eigentlich sehr freien Denkweise eingeschränkt und für die Gesellschaft anpassungsfähig gemacht worden. Das funktioniert bei ihm auch, und das macht mich traurig. Kann es denn nicht sein, dass sich jemand etwas vornimmt und dann auch erreichen will? Damit bin ich aufgewachsen, meine Geschwister und ich. Jeder wußte genau, was er wollte. Aber wer sonst noch? Das scheint nicht so häufig zu sein ... schade.

"Mal wieder die Frage:
Bist Du denn bereit von Fremden Hilfe anzunehmen? Hast Du mal darüber nachgedacht, dass Ihr Euch sehr ähnlich seid???"

Es gab Zeiten, da habe ich mir sehr gewünscht, dass mir einmal jemand helfen würde ... aber dieser JEMAND ist mir nie begegnet, bis heute nicht. Also mußte ich zwangsläufig alles allein regeln - die Erziehung, die Familie, meine Gesundheit, das Finanzielle, meine Wünsche ... und ich habe fast immer erlebt, dass die Menschen ZU MIR gekommen sind, mir ihre Probleme vorgetragen haben und sich von mir Rat holten. Sogar meine Schwestern, die älter sind als ich. Und meine Mutter, noch als ich in ein Kind war. Nächster Gedanke - in welcher Hinsicht bräuchte ich Hilfe? Und selbst, wenn ich keine bräuchte, in welcher Hinsicht könnte mich die Hilfe von einem anderen Menschen weiterbringen? Seit einigen Jahren bin ich zu der Auffassung gelangt - jetzt hat man selbst den besten Überblick, das ist, wonach ich gestrebt habe, seit ich ein Kind war, um zu sehen, wie alles in der Welt und Natur zusammenhängt. Was mir ein Mensch erzählen könnte, sind Details, die ich nicht kenne, die aber, wie mein Partner sagen würde "unter dem Hund" sind, mit anderen Worten - redundant. Sicher würde mir jede Menge Geld weiterhelfen, aber was kostet mich das? Meine Freiheit. Meine Bücher dürfen nicht mit dem Geld von anderen geschrieben werden, denn ich möchte den Menschen ja einen Weg der Unabhängigkeit und Stärke weisen, nicht einen der immer weiteren Verquickung miteinander, der unausweichlich in die Degeneration führt. Und der nächste Gedanke ist - ja, ich würde Hilfe annehmen von einem anderen Menschen, wenn diese Hilfe nicht auf den eigenen Vorteil bedacht wäre. Früher dachte ich einmal, das wäre bei Hilfe automatisch so ... jemand hat mehr Kraft, über sich hinaus, und bietet diese Kraft jemand anderem an, damit dieser besser vorankommt, ist ja auch logisch ... je besser der einzelne vorankommt, desto besser geht es der Gesamtheit ... dachte ich. Aber ich mußte immer wieder erleben, dass ein Hilfsangebot gleichzeitig auch Bedingungen enthielt. Damit bin ich nicht einverstanden. Wenn ich helfe, dann ist das bedingungslos. Warum und wieviel ich helfe, ist ganz allein meine Sache, und ich würde nie im Leben irgendeinen Aufwand eben demjenigen vorwerfen, dem ich helfen will/wollte. Was für ein Grauen, das hier läuft!

Im Moment ist wieder alles im Grünen Bereich, und wir werden bald zusammen arbeiten. Der 1. Februar ist nicht mehr weit, und ich habe den Eindruck, dieser Termin pusht ihn ganz gut, und wenn es darum geht, diese "Zwangssituation" vielleicht doch noch zu umgehen. Aber er will sich die Möglichkeit auch nicht verscherzen, das merke ich. Es ist also eine für ihn.

Dir noch einen schönen Sonntag!

Ina

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Re: Mein Partner ist schizoid!

Ungelesener Beitragvon D.Lynch » 14.01.08 05:31

Es ist einfach eben so, dass zumindest die Grundanlagen Eurer Charaktere ähnlich sind.
Du versuchst so unabhängig wie nur möglich von Menschen zu agieren und nichts anderes macht er nach Deinen Aussagen.

Es hat sich nur im Laufe des Lebens bei Euch beiden alles etwas anders entwickelt. Während er an dieser Art mehr oder minder verzweifelt ist (Alkoholismus), hast Du Dir was daraus aufgebaut.
Ich kenne das eben einfach sehr gut. Meine große Liebe (die ich auch schon mal einige Jahre nicht gesehen habe), erging es ähnlich. Die war zeitweise relativ alkoholabhängig, aber eben der gamma-Typus, der "nur" zu Quartalssauferei neigte.
Der war mit seiner Distanz zu den Menschen eben auch nicht fertig geworden, während ich meinen Weg in einem therapeutischen Job gegangen bin.

Meine Versuche, dem jedoch in der Art zu helfen, wie Du es machst, hat nicht geklappt. Da setzte eben das ein, was ich befürchte auch bei Dir. Man kann nicht gleichzeitig jemanden lieben und sein Therapeut sein.
Das geht nur bis zu einem gewissen Grade imo.

Ich wünsche Dir erstmal viel Erfolg bei Deinen Bemühungen, weiß aber auch, dass das, was Du Dir da vornimmst, eine extrem schwierige Aufgabe ist.
Okay, Du sagst, Liebe sei da kaum noch, die auf der Strecke bleiben könnte. Das ist evtl. ein Vorteil, den er gegenüber Deiner Tochter hat und weshalb die Hilfe von Dir in seinem Falle eher funzen könnte.
Ich konnte das damals nicht, weil ich nicht konsequent sein konnte gegenüber einem Menschen, den ich liebe. Dafür war ich einfach zu gerne mit ihm zusammen, selbst noch, wenn der Alkohol mal wieder die Nr. 1 war und nicht ich.
Damit musste ich erstmal leben lernen und eine längere Trennung hat mir damals auch selber ganz gut getan.

Du solltest nochmal erzählen, wie sich das weiterentwickelt. Ich bin mal gespannt, ob Du das hinbekommst, was andere nicht schaffen (oder zumindest ich nicht geschafft habe). Evtl. läßt sch ja daraus lernen.


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