Spenderkind

Habt ihr etwas über Euch und euer Umfeld zu erzählen, Probleme oder Kummer? Schreibt es hier rein.
SarahPnkss
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Spenderkind

Ungelesener Beitragvon SarahPnkss » 30.03.12 00:23

Hallo ihr Lieben,

mein Thema ist die künstliche Befruchtung, durch die ich zum Leben erweckt wurde.
ich bin 21, studiere Geschichte und Literatur, Kultur und Medien.

Mein Vater ist unfruchtbar und deswegen haben sich meine Eltern für eine donogene Insemination entschieden.
Ich weiß das mittlerweile seit 3 Jahren und komme auch gut damit klar. Das Verhältnis zu meinem Vater ist dadurch nur besser geworden.
Jedoch bin ich nun auf der Suche nach meinem Spender und berufe mich mit meinem Anwalt und meinen Verein, dem ich zugehöre, auf das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung. Ich werfe das einfach mal in den Raum, weil meistens nur de Perspektive der Eltern dargestellt wird und nicht die, der Kinder, die dabei entstehen.
Das ist schon ein sehr ernstes Thema finde ich und auch unserer Perspektive sollte Verhör geschafft werden. Meinungen pro und contra erwünscht :wink:

Liebe Grüße

Karat
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Karat » 30.03.12 02:52

Verstehe schon, dass jemand wissen möchte woher er stammt. Dennoch würde ich da Unterschiede machen. Bei Trennung des Paares bevor das Kind auf die Welt kam, oder etwa bei Adoption. In diesen Fällen waren die realen Eltern an der Zeugung beteiligt.
Im Falle einer Spende ist der Spender nicht wirklich dabei, vielmehr ist es die Mutter und ihr Ehemann die hier gemeinsam beschlossen haben ein Kind zu wollen.

So gesehen wäre in meinen Augen der Spender nicht wichtig, denn er hat nie eine echte Beziehung zur Mutter des Kindes gehabt und scheidet für mich in dem Fall aus, als "verschollener" Vater, auch wenn er eigentlich biologisch der Erzeuger ist.

Selbst wenn ein Spender mit seinen Kindern konfrotiert würde, kann ich mir nicht vorstellen, dass er großes Interesse daran hätte. Was bei einem Vater, der sich aus was für Gründen auch immer, von seinem Kind ferngehalten hat, möglicher weise anders wäre, wenn das Kind ihn kennelernen möchte.
Fühle die Würde eines Kindes, fühl dich nicht ihm überlegen, denn du bist es nicht.

carola
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon carola » 30.03.12 20:24

Karat hat geschrieben:Verstehe schon, dass jemand wissen möchte woher er stammt....



Genau, gut angefangen, Karat - aber danach schreibst Du leider nur aus der Sicht des leiblichen Vaters.

Z.B. bzgl. Erbkrankheitengefahren ist man als Kind ohne direkte Informationen über die medizinische Geschichte eines Teils seiner biologischen Familie unrechtmäßig benachteiligt. Kompliziert auch, weil vererbbare Krankheiten häufig eine oder mehr Generationen überspringen.

Das sind eine Argumentationschiene, mit der ich das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung untermauern würde.

Carola

Karat
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Karat » 31.03.12 01:31

Aus der Sicht des Spenders sicher, denn kaum ein Spender wird heiß drauf sein all die Kinder kennelernen zu wollen, die mit seinem Samen entstanden sind.

Was Erbkrankheiten betrifft, werden sicher kaum Spender genommen deren Familie mit schlimmen Erbkrankheiten behaftet sind.

Natürlich können auch Krankheiten auftreten, was aber in jeder Familie passieren kann. Bei der Themenstarterin hatte ich mehr den Eindruck, dass es ihr um den Menschen geht, der durch seine Spende ihr Leben ermöglicht hat.

Es ist eine Enscheidung die sie selbst treffen muß, ob es einen Weg gibt den biologischen Vater zu finden und was es vielleicht bedeutet, wenn dieser dann kein Interesse zeigt, eins "seiner" Kinder zu sehen.

In diesem Fall ist es jedenfalls sehr gut, dass sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Ziehvater hat und ihn im Grunde als Vater betrachtet.

Ich an ihrer Stelle wollte den Vater lediglich kennenlernen, wenn dieser einst auch meine Mutter gekannt hätte.
Fühle die Würde eines Kindes, fühl dich nicht ihm überlegen, denn du bist es nicht.

carola
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon carola » 31.03.12 23:41

Karat hat geschrieben:
Ich an ihrer Stelle wollte den Vater lediglich kennenlernen, wenn dieser einst auch meine Mutter gekannt hätte.



Wieso sollte sie so abweisend bzgl. des Erzeugers sein.
Sicher, anonyme Samenspende finde ich auch nicht gerade prickelnd -
aber immer noch um Welten weniger schlimm,
als wenn z.B mein Erzeuger meine Mutter vergewaltigt hätte.
Nur sowas in der Art würde ich nicht verzeihen,
(obwohl ich durch so eine abscheuliche Tat zum Leben erweckt sein würde)

Aber so gibt es doch keinen Grund einen richtigen Groll auf den samenspendenden Erzeuger zu haben, dass man ihm zeitlebens die kalte Schulter zeigt, wie Du es für dich für richtig halten würdest.

In einem US-Spielfilm gab es mal die Handlung, wo so ein Kind nach Jahrzehnten seinen Erzeuger gesucht hat, da es eine Spenderniere brauchte - und da gab es dann das unvermeidliche Happyend,
das Kind und Erzeuger sogar Freunde wurden.

Carola

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sonni
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon sonni » 01.04.12 15:15

nun ja.. hollywood.

was ist denn jetzt das genaue interesse, den spender kennen lernen zu wollen? der gesundheitliche aspekt scheidet ja nun aus. oder es würde anonym reichen.
dass man jemanden sieht und feststellt, dass man seine augen hat?

hab meinen vater nur aufm bild gesehen und einmal telefoniert, er hatte nunmal kein interesse an mir. aber mein stiefvater liebt mich wie sein eigenes. wenn man älter wird, nimmt die neugier ab und das ist gut so. nicht gewollt zu sein stelle ich mir schlimmer vor als ein wunschkind zu sein, bei dem lediglich fremdes zellmaterial benötigt wurde.

ist natürlich schwierig für die kinder, aber es ist doch okay, dass jemand für das glück anderer spendet und nicht mehr damit zutun haben möchte.
würde ich auch nicht wollen, denk ich.

Dude
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Dude » 01.04.12 16:32

Ich stimme da mit Sonni und teils mit Karat überein. Natürlich ist es immer ein stückweit vermessen, wenn man von seinem bequemen Sessel aus hilfreiche Räte verteilt, aber hier wurde ja explizit um diese Meinung gebeten:

Ich würde auch eine wichtige Differenzierung in dem Punkt sehen, dass es sich bei der Spende damals um einen anonymen Spendeakt gehandelt hat und nicht um einen aus den Augen geratenen Vater.
Bevor jetzt wieder der Vorwurf kommt, diese Argumentation sei aus Spendersicht dargelegt: Das ist so nicht korrekt. Denn es entspricht genauso der Sicht der Eltern, die sich damals auf die Geschichte eingelassen haben.
Man kann über Samenspende denken was man will, aber die Konditionen zum damaligen Zeitpunkt wurden von allen Beteiligten abgesegnet. Allein von dem Standpunkt aus finde ich es prinzipiell ethisch nicht in Ordnung, dem Spender jetzt auf den Leib zu rücken.

Wohlgemerkt, prinzipiell ist hier kursiv geschrieben, weil dem entgegen natürlich das Recht des Kindes auf Wissen um seine Abstammung steht.
Hier setzt der Punkt ein, wo ich gestehen muss: Die Situation kann ich mir nicht mehr vorstellen. Einfach von der unbeteiligten Seite: Ich sage jetzt mal aus meinem bequemen Sessel heraus, dass die biologische Abstammung für dich eigentlich keine Bedeutung haben kann, wenn medizinisch keine Notwendigkeit besteht. Es gibt doch schlicht keinen Grund dazu, ausser eine wie auch immer geartete Neugier zu befriedigen, die ich freilich nicht nachvollziehen kann, da ich meine leiblichen Eltern kenne. Meine Haltung dazu wäre, da ich sowieso fatalistisch veranlagt bin, dass der Spendeakt damals eine Art unabänderliches Schicksalsereignis war, an dem ich nichts zu rütteln habe, dessen Aufklärung mir aber auch nichts bringt, da ich ja schon liebende Eltern hätte.
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Vera
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Vera » 01.04.12 18:04

Ich bin so gestrickt, dass ich nach Möglichkeit immer und jederzeit die volle Wahrheit kennen möchte. Selbst wenn sie unbequem ist oder mir die Kenntnis der Umstände Probleme bereitet. "Nichtwissen ist eine Gnade" spricht mich nicht an. Insofern kann ich absolut verstehen, dass du deine Wurzeln gerne ergründen möchtest, SarahPnkss.

Auf der anderen Seite hat der Spender das Recht darauf, anonym zu bleiben, denn das war der Deal von Anfang an. Du steckst in einer ähnlich blöden Situation wie ich. Für mich ist in der Kindheit entschieden worden, dass ich meinen Geburtsnamen ablege und den Namen meines Adoptivvaters annehme. Das lässt sich nicht rückgängig machen. Mein Geburtsname taucht in einem offiziellen Dokument mehr auf, dort wird immer mein Adotionsname als mein Geburtsname geführt. Ich finde das sehr ungerecht, denn aus meiner heutigen Sicht gefällt mir das ganz und gar nicht. Ich muss aber damit leben, dass meine Eltern das damals für eine kluge Entscheidung hielten und kann ihre Entscheidung auch ein gutes Stück weit nachvollziehen.

Ähnlich ist es doch bei dir auch. Alle Beteiligten waren sich einig. Du konntest dazu ja nicht befragt werden und musst dich nun dem beugen, was damals entschieden wurde.

Wenn dein Verhältnis zu deinen Eltern gut ist, freue dich doch einfach darüber, dass sie sich so bemüht haben, dich zu bekommen und mach dir keine Gedanken um den Spender. für den das Samenspenden vermutlich eine ähnliche Bedeutung hatte, wie das Blutspenden. Freue dich, dass du da bist und genieß das Leben. So hast du es sicherlich einfacher, denn die Informationen, die du gerne hättest, wirst du vermutlich ohnehin nicht bekommen können.

Manchmal macht es Sinn, um etwas zu kämpfen. Manchmal ist es aber viel gescheiter, Dinge hinzunehmen, wie sie sind.

Liebe Grüße
Vera
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Klausi » 02.04.12 13:28

Kannst es ja sicher versuchen deinen leiblichen Vater zu finden, aber ich glaube fast dass du da wenig Erfolg haben wirst.
Meiner Meinung nach wissen deine Eltern nicht wer der Spender ist und auch die Einrichtung die das hat machen lassen darf es nicht sagen.
Schon vor dem Spenden wird eine Garantie gegeben dass die Daten nicht Preis gegeben werden und der leibliche Vater keine Rechte und Pflichten hat.
Ich schätze mal das du da sehr schlechte Karten haben wirst. :-?

Allerdings ist die Rechtslage heute vielleicht anders und es wird dir gesagt.

Verstehen kann ich das schon ihn sehen zu wollen.
Ich wünsch dir viel Glück dabei! :D

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sonni
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon sonni » 02.04.12 22:00

glaube nicht, dass sich etwas geändert hat. dann würde ja keiner mehr spenden. wer weiß wieviel besuch dann so ein spender bekommen könnte.. wie unangenehm ^^
im grunde ist der spender als mensch hier doch unwichtig. es gibt liebende eltern.. wünscht sich so manches kind mit rabenvater.
ist es mehr als neugier? weil wurzeln sind ein becher zellmaterial nicht.

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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Klausi » 03.04.12 08:47

Ja klar könnten theoretisch haufen Kinder ankommen.
Ich denke aber dass es eine absolute Schweigepflicht ist wer der Spender war, sowas darf genau aus dem Grund kein Arzt sagen.

Vielleicht ist es auch besser nicht zu wissen wer es war. Wenn man von einem Exfreund der Mutter ausgehen würde hätte man ja etwas Vertrauen in deren Geschmack. Aber so könnte es ein Politiker sein, der als Student kein Geld hatte oder auch ein Penner der früher seine Spielschulden begleichen wollte.

Aber ich will nix schwarz malen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ist es ein ganz normaler Mann :)

Dude
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Dude » 03.04.12 14:48

Ja, ein Penner als Vater, das wäre wirklich eine Katastrophe. Sollte man besser nix von wissen.
Schön übrigens auch der schließende Satz, es sei aber bestimmt "ein ganz normaler Mann".

Manchmal wünsche ich mir übrigens, es wäre möglich, Leuten via Internet in die Fresse zu hauen.
Wir hatten hier ein paar kompetente Meinungen und jetzt so eine gequirlte, verallgemeinerte oberflächliche Meinungs-Scheisse.
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Ypsu » 03.04.12 20:32

Ich glaube ich würde, wäre ich in der Situation, auch gerne meinen biologischen Vater kennen lernen.

Was kann man bei der Suche denn schonn verlieren!?
Findet man den Samenspender, dann ist doch das schlimmstmögliche Szenario, dass er nichts von seinem biologischen Kind wissen will. Damit ändert sich doch in dem Leben des Kindes (vorausgesetzt es hatte keine utopischen Vorstellungen des Erzeugers, ein Umfeld das es zur Not auffangen kann und es ist psychisch nicht gerade labil) eigentlich nichts. Das Kind hat dann Klarheit.
Andernfalls (also der Samenspender verweigert den Kontakt zu dem Kind nicht) hat das Kind die Möglichkeit seinen biologischen Vater kennen zu lernen. Vielleicht (wer weiß das schon!) hat der Erzeuger auch Interesse daran sein biologisches Kind zu treffen.

Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass es irgendwie gelingt die Daten des Samenspenders ausfindig zu machen.

sonni hat geschrieben:wer weiß wieviel besuch dann so ein spender bekommen könnte.. wie unangenehm ^^

Ich halte das für das natürliche Risiko, wenn ein Mann seinen Samen spendet. Ist doch utopisch zu glauben, dass die Kinder niemals ein Interesse daran haben ihren Erzeuger ausfindig zu machen.
Außerdem muss ja nicht jeder Samenspender gleich Dauerlieferant der Samenbank gewesen sein.


Ganz nebenbei find ich es komisch, dass Samenspender häufig einen ziemlich merkwürdigen (schlechten?) Ruf haben...letztendlich helfen sie nur Paaren mit Kinderwunsch diesen zu ermöglichen.

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sonni
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon sonni » 03.04.12 20:58

wüsste jetzt nicht, dass das irgendwie anrüchig ist. sehs als einnahmequelle und/oder hilfe für paare.

ich verstehe trotzdem nicht woher der drang kommt, den spender kennen lernen zu wollen. ist das bei nem one-night-stand der mutter auch so? wobei ichs mir da schon eher vorstellen kann, wenn ein vater vermisst wird. aber hier sind doch liebende eltern. was vermisst man da?

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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon JaymZ » 03.04.12 21:10

der drang seinen biologischen vater zu kennen, ist würde ich mal sagen völlig normal. ich versteh irgendwie nicht, was daran so schwer zu verstehen ist.
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