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Die Drei von Nikolaus Lenau

Verfasst: 15.06.14 00:19
von KittysCat
hier mein Lieblingsgedicht...
paßt vielleicht dazu, daß in vielen Regionen die Zeichen mal wieder auf Krieg stehen....

Nikolaus Lenau

Die Drei

Drei Reiter nach verlorner Schlacht,
Wie reiten sie so sacht, so sacht!

Aus tiefen Wunden quillt das Blut,
Es spürt das Ross die warme Flut.

Vom Sattel tropft das Blut, vom Zaum,
Und spült hinunter Staub und Schaum.

Die Rosse schreiten sanft und weich,
Sonst flöß das Blut zu rasch, zu reich.

Die Reiter reiten dicht gesellt,
Und einer sich am andern hält.

Sie sehn sich traurig ins Gesicht,
Und einer um den andern spricht:

"Mir blüht daheim die schönste Maid,
Drum tut mein früher Tod mir leid."

"Hab Haus und Hof und grünen Wald,
Und sterben muss ich hier so bald!"

"Den Blick hab ich in Gottes Welt,
Sonst nichts, noch schwer mir's Sterben fällt."

Und lauernd auf den Todesritt
Zieh'n durch die Luft drei Geier mit.

Sie teilen kreischend unter sich:
"Den speisest du, den du, den ich."

Re: Die Drei von Nikolaus Lenau

Verfasst: 16.06.14 21:15
von Vera
Ups... so etwas Trauriges ist dein Lieblingsgedicht? Was spricht dich denn daran besonders an?

Dass ein akuteller Bezug herzustellen ist, lässt sich wirklich nicht von der Hand weisen. Traurig aber wahr.

Re: Die Drei von Nikolaus Lenau

Verfasst: 19.06.14 18:22
von KittysCat
schwer zu sagen...
vielleicht der Gedanke, daß es bei jeder "Schlacht" "Verlierer" dieser Art gibt...
aber die Geschichten können immer nur die Überlebenden erzählen...

Re: Die Drei von Nikolaus Lenau

Verfasst: 19.06.14 19:58
von Vera
Die "Moral von der Geschicht" hat ja wirklich viel Reales. Aber mir ist das trotzdem zu niederschmetternd.

Re: Die Drei von Nikolaus Lenau

Verfasst: 24.10.17 14:58
von alexpik
Sehr SchönSchön