Kurzgeschichten

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Karat
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Kurzgeschichten

Ungelesener Beitragvon Karat » 13.12.13 17:29

Warum der Arzt zu spät kam

Kurz vor neun Uhr abends läutete das Telefon. "Dr. van Eyck, ja bitte?" - "Hier spricht Dr. Haydon vom Krankenhaus Gen Falls. Bei uns ist eben ein Junge mit einer Schußwunde am Kopf eingeliefert worden. Er hat viel Blut verloren, der Puls ist schwach." - "Aber das sind ja von hier aus 100 km, rief Dr. van Eyck" - "Ich rufe gerade bei ihnen an, weil der Junge aus ihrer Stadt ist. Er hat hier übers Wochenende Verwandte besucht und sich beim Spielen mit einer Pistole angeschossen." - "Der Junge wohnt in Albany, sagen Sie, wie heißt er dann?" fragte Dr. van Eyck.
"Arthur Cunningham." - "Kann mich nicht erinnern. Ich komme also, so schnell es geht. Es schneit mächtig, aber bis Mitternacht werde ich es wohl schaffen." - "Ich muß Ihnen noch sagen, dass die Eltern des Jungen sehr arm sind. Ein Honorar ist da kaum zu erwarten." - "Schon gut," entgegnete Dr. van Eyck.
Kurz darauf hielt der Arzt am Stadtrand von Abany vor einer roten Ampel. Da riß ein Mann in einer braunen Lederjacke die Wagentür auf und kletterte hinein.
"Sie fahren jetzt geradeaus, Herr, verstanden", sagte er, "und machen Sie keinen Quatsch ..... ich habe eine Pistole dabei."
"Ich bin Arzt" erwiderte von Eyck, "und muß zu einem dringenden Fall" - "Reden Sie nicht so viel", sagte der Mann in der Lederjacke. "Fahren Sie zu."
Kurz hinter der Stadt befahl er dem Arzt, zu halten und auszusteigen. Eine halbe Stunde brauchte Dr. van Eyck, um ein Telefon zu finden. Nach langem Reden konnte er auch eine Taxifirma dazu bringen, ihm einen Wagen zu schicken. Am Bahnhof stellte sich heraus, der nächste Zug nach Glen Falls ging erst um 12.10 Uhr.
Gegen 2 Uhr nachts kam er endlich im Krankenhaus an. Dr. Haydon erwartete ihn schon. "Es ging nicht schneller", sagte van Eyck. Mein Wagen ......
"Sie haben getan, was Sie konnten", antwortete Dr. Haydon. "Der Junge ist vor einer Stunde gestorben."
Als die beiden Ärzte durch den Warteraum gingen, stutzte van Eyck plötzlich. Auf einer Bank saß, den Kopf in die Hände gestützt, weinend, der Mann mit der braunen Lederjacke.
"Herr Cunningham", sagte Dr. Haydon. "Darf ich Sie mit Dr. van Eyck bekannt machen. Er ist eigens von Albany gekommen, um ihren Jungen zu retten."

Quelle: aus einem Monatsheft von Reader's Digest glaub so in den 50igern.
Fühle die Würde eines Kindes, fühl dich nicht ihm überlegen, denn du bist es nicht.

Karat
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Re: Kurzgeschichten

Ungelesener Beitragvon Karat » 05.01.14 17:37

Was ist Heimat ?
Einen Heimatort kann man nicht bauen. Auch die besten und die kühnsten Baumeister haben noch nie einen Heimatort entworfen oder errichtet.
Und doch ist die Welt voll von ihnen, alles dreht sich um sie, nichts wäre denkbar ohne sie. Sie sind nicht leicht zu finden. Sie verstecken sich hinter Straßen und öffentlichen Gebäuden, hinter Bäumen und Häusern, so dass sie aussehen wie ganz gewöhnliche Dörfer oder Städte.
Man kann einen Heimatort direkt vor der Nase haben, wenn man nicht dort lebt oder in ihm aufgewachsen ist, wird man seiner nicht gewahr. Wenigstens solange nicht, bis man einige der magischen Dinge begriffen hat, die eine Heimat ausmachen.
Heimatorte bestehen aus Kegelklubs, aus einer geborgten Tasse voll Zucker, aus Vornamen und "Wie geht's denn" . Sie sind gekennzeichnet durch Kinderroller, Fußballmannschaften, Ortsschönheiten und viele Schattierungen verschiedener bekannter Gesichter.
Heimatorte haben ganz in der Nähe weite Wiesen für Indianerspiele, Skaterparks für Skateboarder, Bmxer, Inline Skater und Abendwinde , die die Töne der Chorprobe durch die Straßen tragen. Heimatorte werden im Winter gewärmt durch dampfende Kaffeekannen, im Sommer gekühlt durch Jungs, die auf dem Fahrrad
durch die Straßen sausen.
Sie werden erhellt durch das Flackern der Weihnachtskerzen und beschattet durch üppige, weit ausladende Familien-Stammbäume, die jedermann bis in die kleinsten Zweige kennt .
Heimatorte sind Orte voller Wärme. Mit Menschen, die ein gemeinsames Leben leben und einen gemeinsamen Traum träumen.
Heimatorte sind nicht leicht zu finden, es sei denn, man weiß, wo man sie suchen muß! Im eigenen Herzen, dort bleiben sie immer bestehen und sind allgegenwärtig, auch wenn man fortgezogen ist.

Quelle: ka :uglygruebel: irgendwo mal gelesen und es ist hängengeblieben, weil doch sehr nett beschrieben.
Fühle die Würde eines Kindes, fühl dich nicht ihm überlegen, denn du bist es nicht.


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