Was macht eigentlich...?

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Rygel
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Was macht eigentlich...?

Ungelesener Beitragvon Rygel » 06.04.11 22:39

Heute: Die Biene Maja

Jens Grote: Frau Maja, ich muß gestehen, dass ich etwas aufgeregt bin, da ich gerade meinem absoluten Kindheitsidol gegenüber sitze.

Maja: Herrje, Sie pendeln doch selber schon an der 40er Grenze, wie alt macht mich das? Tolle Interview-Eröffnung, reitet bei einer Frau auf ihrem Alter rum, ich hab schon keine Lust mehr… Hat die leere Flasche Honigwein hier gefüllte Verwandte?

JG: Um Gottes Willen, so war das gar nicht gemeint, ich wollte damit nur sagen, dass ich damals ein glühender Bewunderer Ihrer Serie war. Und da war ich nicht alleine.

M: Scheiße ja, das ist mal verdammt richtig. Wir waren groß damals, und das gegen alle Widerstände. Ursprünglich war diese Serie als reines Abschreibungsprojekt des Senders geplant.

JG: Tatsächlich? Das kann ich mir gar nicht vorstellen…

M: Natürlich können Sie das nicht, Sie fahren ja auch Interviews direkt mit der ersten Frage an die Wand. Dabei liegt es doch auf der Hand, da muss man sich nur die Voraussetzungen angucken. Absolut schablonenhafte Drehbücher, starre Pappaufsteller statt Komparsen und die Titelmelodie von Karel Gott. Nein, wir hatten nie eine Chance, aber die haben wir dennoch genutzt.

JG: Wie das?

M: Ich sage nur Flip und Willi. Als ich damals gehört habe, dass mit Flip einer der größten Broadwaygrashüpfer unserer Zeit zu unserem Ensemble stösst und dann sogar DER Willi für unsere Drehbücher Interesse zeigte, wurde mir langsam bewusst, dass da tatsächlich etwas Großartiges entstehen könnte. Ehe ich mich versah, hatte ich dann auch schon die ersten Szenen mit diesen Schauspielgiganten, ein unbeschreibliches Gefühl… Und auch bei der ARD begann natürlich sofort ein Umdenken, als die Agenten von Willi das erste Mal durchblicken ließen, dass ihr Mandant sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte.

JG: Tatsächlich gingen sie ja von der Anfangspopularität etwas unter, als die Serie aus der Taufe gehoben wurde. Ich meine, Flip war wie Sie schon sagten ein Broadwaystar, Willi ist eben Willi, allein bei dem Namen denkt man sofort an Blockbuster wie „Für eine Handvoll Honig“, „Einer flog über den Bienenstock“ oder auch „Wenn der Imker zweimal klingelt“. Wie passte da ein junges Bienenmädchen rein, dass Fernsehdeutschland nur als Vorher-Darstellerin einer Weight-Watchers-Werbung kannte?

M: Eben genau so. Die ARD suchte damals ein unverbrauchtes Gesicht, das aber trotzdem schon eine gewisse Erfahrung mit der Kamera gemacht hatte. Und gerade in Hinblick auf die weiblichen Fanscharen von Willi sollte das jemand sein, mit dem sich jede Anhängerin identifizieren konnte. Keine Wespe mit Mördertaille und entsprechenden Sex-Appeal, sondern eben eine ganz normale junge Bienenfrau, ja sogar eine ohne jede Taille. Ich war ja praktisch der Platzhalter für die Heerscharen von Mädchen, die Willi nur von der wöchentlichen Bravo-Titelseite kannten und alles für eine Rolle neben ihm gegeben hätten. Die durften mich nicht als Konkurrenz wahrnehmen, das hätte das komplette Sendekonzept zerstört.

JG: Aber dann haben Sie sich mit Episoden wie „Der Frosch“ oder auch „Die Hornissen“ langsam freigespielt. Unvergessen ist auch Ihr dramatischer minutenlanger Monolog über rassenübergreifende Zusammengehörigkeit und dem Ablegen alter Feindbilder vor dem Wespenstock in Folge 143, für den Sie ja auch die goldene Wabe bekommen haben, die damalige höchste Auszeichnung für Bienenschauspielerinnen. Das muss für Sie doch eine ungeheure Genugtuung gewesen sein, eben nicht nur neben solchen Leuten zu spielen, sondern sogar hin und wieder herauszuragen.

M: Oh ja, das war es. Man muss dabei auch bedenken, dass Flip und Willi ja schon ihre Karrieren hatten, ich war aber das Mädchen aus der Werbung, das in dieser weekly Soap mitspielt. Da hat man natürlich schon das Gefühl, es allen gezeigt zu haben, wenn man plötzlich auf die Bühne gerufen wird und von Robert di Hummel die wichtigste Fernsehauszeichnung schlechthin überreicht bekommt.

JG: Und trotzdem wurde die Serie irgendwann eingestellt. Wie kam es dazu?

M: Aus dem gleichem Grund, aus dem auch sämtliche anderen Fortsetzungsversuche gescheitert sind, erst vor 2 Wochen hat die ARD versucht, mich für 6 Biene-Maja-Fernsehfilme zu begeistern. Aber dieses Thema ist definitiv zu den Akten gelegt, weil Willi und ich uns irgendwann gesagt haben, dass unsere Zeit für Nacktaufnahmen endgültig vorbei ist. Als junges Ding macht man sich da nicht allzu viel Gedanken, Willi als Mädchenschwarm sowieso nicht, aber wenn der Stachel anfängt zu hängen, hast du als Maja oder auch als Willi einfach keine Kaschierungshilfen. Flip trug ja immer seinen Anzug, uns beiden wurde aber Kleidung bis zuletzt untersagt, da die Serie auch immer stark von ihrer sinnlichen Komponente und dem Knistern zwischen Willi und mir gelebt hat. Na ja, und da haben wir halt gesagt, jetzt ist Schluß und uns anderen Projekten zugewendet.

JG: Das aber nicht ganz so erfolgreich, wenn mir diese Bemerkung gestattet ist…

M: Machen wir uns nichts vor, das Fernsehbusiness ist speziesistisch. Schon alleine als Biene kriegst du kaum einen Fuß in die Tür, da reicht es noch nicht mal zur Tatort-Leiche. Wenn du dann aber nicht nur als Biene, sondern sogar als DIE Biene Maja kommst, hast du überhaupt keine Chance. Da bist du einfach in einer Schublade drin. Von den Kritikern habe ich sehr viel Lob für „Die Leiden der jungen M.“ bekommen, aber das Publikum wollte mich so einfach nicht sehen. Auch nicht als abgewrackte Zuckerlösungsabhängige in „Biene M. - Wir Kinder von Wabe Zwo“, eine Rolle, die mir sehr am Herzen lag und für die ich gekämpft habe. Aber du kannst nicht gegen das Publikum kämpfen, so blieben dann irgendwann die Angebote aus.

JG: Und das Dschungel-Camp klopfte an...

M: Wenn Sie mich jetzt fragen wollen, ob mir der Einzug nachträglich peinlich ist, dann würde ich definitiv mit „Nein“ antworten. Was den mehr als schalen Beigeschmack verursacht hat, war meine Behandlung durch RTL. Ich wurde ja weder im Vorspann genannt noch irgendwo in der Show eingeblendet. Im Gegenteil wurde ich von Daniel Küblböck einmal fast in einem Reflex totgeschlagen, da selbst er keine Ahnung hatte, wer ich war und das ich zum Sendeformat gehöre. Wenn Sie heute Zuschauern sagen, dass die Biene Maja in der 2. Staffel dieses Formats mitgespielt hat, dann glauben Ihnen die Leute nicht. Und das finde ich sehr schade, denn ich habe diese Erfahrung nicht des Honigs wegen gemacht, da bin ich inzwischen absolut unabhängig und habe ausgesorgt. Ich wollte mir und den Zuschauern etwas beweisen, eben das ich auch unter diesen Umständen meine Biene stehen kann. Was ich ja auch geschafft habe, nur eben von der Öffentlichkeit unbemerkt. Unnötig zu sagen, dass am Ende 2 Kandidaten übrig geblieben sind, aber trotzdem der griechische Schlagersänger vorschnell zum Dschungelkönig gekrönt wurde. Als ich das Camp verliess, liefen noch nicht mal mehr die Kameras, von Australien bin ich alleine zurückgeflogen. Allerdings möchte ich auch nicht verschweigen, dass ich RTL erfolgreich verklagt habe, Sie haben vielleicht bemerkt, dass es diese Dschungelshow inzwischen nicht mehr gibt.

JG: Und heutzutage geniessen sie Ihren Ruhestand und setzen sich für "Bienen in Not" ein. Erzählen Sie uns von diesem Projekt.

M: Wussten Sie, dass es bei Menschen gang und gäbe ist, den Bienen ihren Honig zu klauen und diesen durch eine seltsame Zuckerlösung auszutauschen? Das ist Fakt, genauso wie die Tatsache, dass 99,9 % dieser Diebstähle nicht zur Anzeige gebracht werden, da es sich bei den Bestohlenen nur um Bienen handelt. Wenn ich das schon höre, geht mir der Stachel steil. "NUR" um Bienen. Auf einer Gala wollte mir ein menschlicher Schauspielkollege im Alkoholrausch mal beweisen, dass der Mensch die Bienen nicht braucht. Deshalb hat er genauso fluchend wie vergeblich auf der Aftershow-Party versucht, eine Tulpe in einer Vase zu bestäuben, ein sehr entwürdigendes Schauspiel, das die Tulpe leider auch nicht überstanden hat. Seitdem weiß ich, dass der Mensch von uns Bienen abhängig ist, andersrum aber auf keinen Fall ein Schuh daraus wird. Deshalb habe ich auch mein Gesicht für diese Kampagne zur Verfügung gestellt. Wir fordern nicht nur unseren Honig ein, wir kämpfen auch für bessere Bienenfilmrollen und mehr offenstehende Limonaden. Und wir werden immer mehr, nicht zuletzt wohl auch wegen meinen weltweiten Fans, die ich zum Schluß herzlich grüßen möchte.

JG: Frau Maja, ich danke Ihnen für dieses sehr ehrliche Gespräch.
http://hellmark.blog.de/
http://www.youtube.com/watch?v=isNXUnPgvio

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Re: Was macht eigentlich...?

Ungelesener Beitragvon Vera » 07.04.11 00:25

Witzig, dass du das gerade heute einstellst.

Ich hatte ein Gespräch mit einem 7jährigen und fragte ihn, ob ihm die Sendung Biene Maja bekannt wäre. Er gab zu verstehen, dass er die Sendung kennt, sie aber nicht zu seinen Favoriten zählt. Irgendwann im Laufe des Gesprächs gab er einen Satz von sich, der bei mir, nicht zuletzt aufgrund der Art und Weise, wie er ihn vorgetragen hat, einen Lachflash ausgelöst hat. Er sagte nämlich: "Na ja, die Biene an sich sieht gestreift ja ganz gut aus."

Durch mein Lachen nachdenklich gestimmt fügte er hinzu: "Ja, okay. Alle Bienen sind gestreift."
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Jessy128
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Re: Was macht eigentlich...?

Ungelesener Beitragvon Jessy128 » 07.04.11 15:44

Maja? Wo bist du Maja? Maaaaajaaaa, wo bist du???

Hach war das eine verrückte braun/gelbe Zeit


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