Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

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Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon TabuAbtreibung » 12.03.15 10:12

Es gibt viele Gründe, die zu einer Abtreibung führen können. Es gibt auch viele Gründe, es nicht zu tun. Das Leben ist eben auch hier nicht nur Schwarz oder Weiß. Uns erscheint es, als würde der Realität von uns Frauen zerrieben zwischen politischen Meinungen. Abtreibung ist nun seit gut 40 Jahren straffrei, aber die Gesellschaft redet immer noch nicht darüber. Wieso nicht? "Uns" ist das Team hinter dem Film und Buch "Tabu Abtreibung", ein Projekt von Renate Günther-Greene. Sie hat selber abgetrieben und sich viele Jahre später mit dem Erlebnis auseinandergesetzt. Als sie sich mit anderen Frauen austauschen wollte, war sie wieder da: die Mauer des Schweigens. Eine Mauer, die zu Unsicherheiten führt und zu oberflächlicher Beratung. Die Abtreibung isoliert und Frauen nicht begleitet. Reden wir also darüber, über all die Gedanken, den Schmerz, die Befreiung, die Emotionen, die Trauer, die Erleichterung! Wir möchten das Gespräch wieder neu beginnen. Mit Euch allen. Egal, ob Ihr Erfahrungen in diesem Bereich habt oder nicht. Ohne zu urteilen. Ohne zu verurteilen.

Aus den persönlichen Gesprächen zwischen Renate und den Frauen ist ein Buch entstanden und ein Film (17. März 2015 auf ARTE). Dort erzählen Frauen mutig und frei von ihren Erlebnissen mit dem Schwangerschaftsabbruch. Keine ist wie die andere. Jede hat ihre eigene Geschichte.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr mit uns eure Eindrücke teilt. Wenn ihr die Geschichten weitererzählt. Vielleicht auch eure eigene Geschichte. Ihr könnt uns erreichen auf Facebook, Twitter und der Seite www.tabu-abtreibung.de und natürlich hier. Und vielleicht redet ja auch Domian bald wieder darüber. :-)
Das Buch ab 15.3. im Handel - der Dokumentarfilm am 17.3. um 22:40 Uhr in ARTE.
Mehr: www.tabuabtreibung.de

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon TabuAbtreibung » 17.03.15 20:06

Ihr Lieben, um 21.50 Uhr beginnt auf ARTE der Themenabend "Abtreibung". Um 22.40 Uhr läuft dann unsere Doku "Tabu Abtreibung". Wir würden uns freuen, wenn Ihr sie schaut und danach mit uns hier diskutiert! Bei Domian war ja gestern auch Abtreibung ein Thema...
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 18.03.15 01:16

Hallo.

Ich habe die Sendung leider verpasst. Das wäre insofern vielleicht mal ganz interessant gewesen, als mir die Existenz eines solchen Rede-Tabus überhaupt nicht geläufig ist, zumindest nicht, wie Du es darstellst, als gesamtgesellschaftliche Einschränkung, abseits von religiös geprägten "Randgruppen".

Ich beobachte eigentlich eher, daß über Abtreibung ziemlich offen und normal gesprochen wird. Um mal irgendeinen Vergleich zu bemühen grob so ähnlich, wie über die Einschläferung von Haustieren gesprochen wird, wenn auch natürlich deutlich stärker von auf die Hintergründe, nicht den Vorgang selbst abzielender Reue geprägt (das ist ja, anders als beim Haustierbeispiel nichts, worauf Frau in einer Gesamtwertung typischerweise auch stolz sein könnte).

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon TabuAbtreibung » 18.03.15 10:31

Ist doch schön, wenn es so ist! Laut Forum bist Du 39, also Kind der 70er - ist es eventuell eine Altersfrage? Oder eine Frage, wo man lebt (Stadt, Dorf etc.)? Was meinst Du?

Den Film kannst Du übrigens 7 Tage lang in der Mediathek nachsehen: http://t.co/g2aGP9muiy
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon Vera » 18.03.15 14:07

Hallo TabuAbtreibung,

ich habe mir das Video angesehen und fand es stellenweise sehr erschütternd. Danke für den Link - der Film ist wirklich gut gemacht! Es ist extrem wichtig über das Thema Abtreibung (und seine emotionale Folgen) nachzudenken und zu sprechen und sich klar zu machen, dass eine Abtreibung etwas anderes ist als eine Kariesbehandlung.

Zum Glück war ich selbst nie in der Situation über eine Abtreibung nachzudenken. Als ich vor einigen Jahren eine gynäkologische OP hatte, habe ich allerdings mitbekommen, dass eine Frau zu ihrer 17. oder 19. (ich habe die genaue Anzahl vergessen) Abtreibung gegangen ist. Das hat mich extrem erschüttert, denn ich kann und konnte nicht verstehen, wie man eine solche schwerwiegende Entscheidung so von sich abkapseln kann und sie so häufig derart leichtfertig trifft.

In dem Film war ja auch das Video zu sehen, das in Schulen gezeigt wird. Die Dame, die den Unterricht begleitet, hat sehr deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen. Das fand ich mit am beeindruckendsten. Die sachliche Darstellung dessen, was während einer Abtreibung passiert und die Reaktion der Jugendlichen darauf.

In meinem Dunstkreis gibt es nur eine Frau von der ich weiß, dass sie abgetrieben hat. Sie hat verhütet und ist trotzdem schwanger geworden. Ein Kind war in ihrer Lebensplanung generell nicht vorgesehen und schon gar nicht zu diesem Zeitpunkt. Sie hat mir gesagt, wie ergebnisoffen und gut die Beratungen waren zu denen sie gegangen ist und sie am Ende mit sich völlig im Reinen war. Auch heute steht sie zu dem Entschluss und sagt, es sei richtig gewesen. Ihre Schwester ist derzeit schwanger und sie freut sich für sie mit. Ein Beispiel, dass es auch gut laufen kann, wenn alle Parameter stimmen.

Für micht gibt es viele Gründe, die klar für den Erhalt des Lebens sprechen, aber auch einige, die einen Schwangerschaftsabbruch nahelegen. Die Entscheidung ist individuell zu treffen und aussgesprochen komplex. Insofern ist es eklatant wichtig, dass über das Thema gesprochen wird und man sich, emotional unbeteiligt, Gedanken dazu macht und die Frage der Abtreibung von möglichst vielen Seiten aus betrachtet.

Mehr kann ich leider zu dem Thema nicht beitragen.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 18.03.15 18:46

Also ich habe mir jetzt nur unaufmerksam die erste Hälfte des Film angesehen, und fands ehrlich gesagt etwas stressig.

Daß so ein hoher Anteil Frauen mit der Tat hinterher noch so ausgeprägte Probleme hat, war mir gar nicht bekannt. Das spricht nicht wirklich für unsere Gesellschaft, finde ich, weil so grundgut leben wir hier ja auch ansonsten nicht.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 19.03.15 05:49

Mir fällt noch mehr zu dem Thema ein. Und zwar meinte Vera, daß wohl auch ein Schul-Film im Video auftaucht.

Dazu fällt mir spontan wieder der Eindruck ein, daß die Entscheidungsgewalt für oder gegen Abtreibung sehr oft zumindest scheinbar allein der Frau zugeordnet wird.

Tatsächlich ist es aber ja nur so, daß zwar für beide Entscheidungsmöglichkeiten jeweils Gründe existieren können, die ein eigenständiges Handeln rechtfertigen könnten, was aber ja alles andere als gleichbedeutend damit ist, daß Frau+Arzt allein solche Entscheidungen obliegen.

Standardsezene 1 hat geschrieben:Eine (möglicherweise gar mit Piercings die prinzipielle Bereitschaft zu Körpereingriffen demonstrierende) Frau ist schwanger, und in der Fülle sämtlicher in Frage kommenden Väter ist keiner dabei, der ein Kind mit dieser Frau gerade gebrauchen kann. Frau entscheidet sich vor dem Hintergrund arbeitsmarkt-politischen Drucks oder auch aus noch kindlicher Restnaivität heraus alleine für das Kind.

Ist der Vater nicht zuverlässig vorab bekannt, ist die Schwangere mitsamt dem Kind mit dem Fleischwolf zu behandeln.
Standardsezene 2 hat geschrieben:Frau ist schwanger, er will das Kind nicht, beiden ist klar, daß eine gemeinsame Zukunft im gefragten Zeitrahmen nicht funktionieren kann. Sie trägt es aus, weil sie für sich Alleinerziehen als Perspektive sieht.

Vielleicht ist das Austragen in dem Fall entgegen der Übereinkunft des Paares. Ich denke schon, daß Jahrzehnte der Unterhaltspflicht durchaus schon völlig ausreichen können, den "Mord" am ungeborenen zu rechtfertigen. Mit einer solchen Sichtweise sollte Mann aus der Sache raus sein, was aber übrigens regelmässig nicht so ist.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon Vera » 20.03.15 21:12

Ähm... Ich glaube ich verstehe ich nicht richtig, egozentrum.

Ich lese aus deinen Worten, dass du die Meinung vertrittst, dass Frauen, die den Vater ihres Kindes nicht benennen können zur Abtreibung gezwungen werden sollen und dass der werdende Vater eine Abtreibung gegen den Willen der Mutter durchsetzen kann, damit er keinen Unterhalt zahlen muss.

Habe ich das richtig interpretiert oder etwas falsch verstanden?
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 21.03.15 08:51

Oh, da habe ich mich offenbar ganz missverständlich ausgedrückt.

Nein, natürlich sollen auch die unter Standardszene1 genannten Frauen nicht wirklich brutal ermordet werden (und insbesondere nicht international). Diese Szene ist mir nur real so oft begegnet, daß mir bei dem Thema nach Scherzen zumute ist. Es bedeutet auch keineswegs eine Relativierung, wenn man feststellt, daß das auch mit angemessenen Verhütungsmassnahmen naturgemäss nur Frauen passiert (man fragt ja bei Männern nicht: Na, Jung, bei welcher dieser Frauen haste wohl getroffen?).

Ähm, also ich bin tatsächlich der Meinung, daß das meistens Fälle sind, in denen Frau besser abtreiben sollte. Ziemlich generell. Dazu zwingen geht natürlich andererseits so gar nicht, auch nicht in dem anderen Beispiel durch den werdenden Vater.

Aber nicht zu irgendwas zwingen können, und kein Mitspracherecht haben, sind ja nun doch zwei Paar Schuhe, nicht?

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon Vera » 21.03.15 10:36

Ja schon, aber Thema dieses Beitrags ist ja nicht die Rolle der Männer, sondern was bei einer Abtreibung genau passiert und wie Frauen sich hinterher fühlen.

Zumindest habe ich das so verstanden.
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 21.03.15 11:35

Äh, was willst Du denn damit sagen?

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon Vera » 21.03.15 13:03

Dass mich dein Beitrag vom 19.03. starkt irritiert hat.
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 21.03.15 13:47

Naja. Ich bin andersrum auch durchaus irritiert von dem Vorbringen.

Ich meine es ist ja prinzipiell durchaus lobenswert, wenn Mensch das auch gefühlsmässig auf den Schirm bekommt, so Details eines vernichteten Lebens zu ...ich nenne das mal... konstruieren. Ob sowas allerdings tatsächlich ins Fernsehen gehört (das kann ich gerade noch bejahen) und ob sich ein Dialog zu dem Thema tatsächlich so darstellen muss, daß erfahrene Frauen ihren Monolog führen, ist eben eine andere Frage.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon TabuAbtreibung » 23.03.15 09:11

Bei den von Dir "Monolog" genannten Szenen geht es um Erlebnisberichte von Frauen, die eine Abtreibung hinter sich haben. Sie führen keinen Monolog, sondern sprechen mit der Filmemacherin Renate Günther-Greene. Wir finden, dass gerade diese Herangehensweise sehr reizvoll ist - so erfährt man aus erster Hand, wie unterschiedlich die Frauen mit der Entscheidung und dem Eingriff umgegangen sind. Es gibt eben viele verschiedene Wege, die man im Leben beschreiten kann. Wichtig wäre es, wenn alle Frauen offen über ihre Erfahrungen sprechen könnten, ohne verurteilt zu werden. Bis dahin scheint es noch ein weiter Weg.

Habt Ihr den Eindruck, dass Frauen über dieses Thema in Eurer Umgebung offen sprechen?
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 23.03.15 10:00

Was ist denn das für eine Erwartungshaltung? Ich finde es voll in Ordnung, wenn da irgendwelche Kirchenheinis für sich selbst meinen, daß Abtreibung Tabu ist, und entsprechend kann man denen das nunmal auch nicht abverlangen, sich mit Vorwürfen zurückzuhalten.


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