Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Das Meinungsforum. Hier werden Themen diskutiert, die nicht mit Domian in Verbindung stehen, allerdings in der Mehrzahl ernsthafter Natur sind, z.B. aktuelle Geschehnisse.
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egozentrum
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 25.03.15 19:40

Und veranstaltet ihr häufiger Castings?

Also ich meine, ich sehe ja wohl ein, daß ich oft ein bisschen ungnädig mit sowas bin. Es wird Dir vermutlich auch nicht gelingen, mir Romane ganz anderer Autoren aufzuschwätzen.

So ein bisschen als sowas (also als Roman, Unterhaltungsliteratur) ordne ich das für mich jetzt erstmal ein, so böse das auch klingen mag. Abtreibung ist ganz bestimmt ein Thema, bei dem beim Konsumenten sehr leicht der Eindruck zu erzeugen ist, daß ganz wertvoller Input angekommen ist. In Relation zu zuweilen in der Öffentlichkeit aufschlagendem politischem Geschwätz kann das auch nur zutreffen, wenn man real mit dem Thema konfrontierte Menschen zeigt. Ich sehe jedenfalls klar das Risiko, daß ein reiner Konsum solcher Werke als tatsächliche Auseinandersetzung mit dem Thema fehlinterpretiert wird.

carola
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon carola » 26.03.15 05:37

Ist der Begriff Abtreibung, auch weil als Kampfbegriff sog. Lebensschützer missbraucht,
nicht heutzutage eher der des Schwangerschaftsabbruch ?!

Carola

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egozentrum
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 26.03.15 10:36

Ich finde das Wort "Schwangerschaftsabbruch" für Abtreibung eher ungewohnt, und würde mich da auch nicht dran gewöhnen mögen. Schwangerschaft ist ja weder eine Tätigkeit, die Frau auch ganz einfach mal einstellen kann, noch wird das Kind dann ersatzweise in Apparaten versorgt (welch ekelerregende Vorstellung, die bei einer Entscheidung für oder gegen eine Abtreibung bestimmt eher nicht so hilfreich ist. Schuldgefühle für hoffentlich irreale Hirngespinste).

Inwiefern wird der Begriff Abtreibung denn missbraucht? Kenne ich gar nicht.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon carola » 27.03.15 02:44

Also z.B. Schwangerschaftsunterbrechung kann man lt. Wikipedia nicht sagen, und das leuchet mir ein,
da das Wort Unterbrechung suggeriert, das Unterbrochene wäre wieder fortzusetzen.
(selbst bei Coitus interruptus wird in der Praxis auch erst mal die Luft raus sein,
also auch da ist das Wort interruptus unpassend,
denn das unterbrochene Liebespiel wird fast nie fortgesetzt :-) )
Das Wort Abtreibung wird nicht missbraucht, da hatte ich mich ungeschickt ausgedrückt,
sondern es ist unpassend und latent wertend. Alice Schwarzer (1972 oder 1973) hatte da schon Recht, finde ich.

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egozentrum
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 27.03.15 10:52

Also das verstehe ich nicht. Für mich klingt das Wort Abtreibung wie:

Säugetiermutter's Fruchblase platzt, der Gammel geht zu Boden (herab), und tritt sich dort fest.

Wenn man dem Treiben dann seine technische oder auch die aus der Jagd bekannte Bedeutung zuordnet, wird das Kind vom durch Urteil der Eltern als nur scheinbar als richtig zu bezeichnenden Pfad auf den mit den rotierenden Messern, der zwar zunöchst mal offensichtlich übel aussieht, aber eben durchaus auch eine dem Kind zugutekommende Verkürzung von Leid bedeuten kann, umgelenkt.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon carola » 27.03.15 14:02

Ohje,
"...eine dem Kind zugutekommende Verkürzung von Leid...
...
würde wohl meinen, das es fallweise besser sein könnte, nicht geboren zu werden.
ich kenne einen solchen Tenor von der Bibelexegese (aber mir schmeckt das nicht !!)
Da gibt es auch Sätze im Alten Testament z.B wenn ein Baby stirbt, ist es nicht schlecht,
da es dann sofort in das Paradies kommt (wenn es die Nottaufe bekam??!)
während genau dieses Baby, wenn es z.B. eine schwere Kinderkrankheit oä. überlebt,
dann das "erhebliche Risiko" hat, im langen Leben soviel zu sündigen,
dass es später in die ewige Verdammnis kommt.

Aber ich denke, dass der Themeneröffnerin nicht erfreut ist, was hier inzwischen läuft,
(genauso übrigens wie die Sarah, das Samenspenderkind, die sich hier auch verabschiedet hat)

wenn die Themeneröffner (nichts böses ahnend)
dann sehen müssen, welche Nebenverzweigungen, Ärgernisse und Nebenaspekte jedes Thema beherrschen.

Carola

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 27.03.15 15:07

Ja, wie, da melden sich hier Leute an, um Werbung für einen Gedanken abzukippen, und ahnen nichtmal, daß das auf Kritik stossen könnte?

Ich meine, Domian betreibt als schwuler Radiomoderator eine Telefontalksendung auf öffentlich-rechtlichen Sendern. Das ist hier nicht das Brigiitte-Kuschelherzchentalk-Forum.

Was ist nur aus der guten alten Redefreiheit geworden? Überall muss immer alles schön kleinkariert besprochen werden, wie irgendwelche Trottel sich das jeweils vorstellen (ohne diese Vorstellung jedoch vorher zu beschreiben).

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Basti
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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon Basti » 27.03.15 15:23

Halt dich mal zurück, egozentrum.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon TabuAbtreibung » 30.03.15 20:51

Keine Sorge, wir haben eine dicke Haut, was solche Äußerungen wie die von @egozentrum angeht.

Das "Casting" der Betroffenen bestand darin, 4 Jahre lang zu recherchieren. Es war ganz und gar nicht leicht, Frauen davon zu überzeugen, ihre Geschichte vor einer Kamera zu erzählen. Wer diesen Thread verfolgt ahnt vielleicht, warum. Umso mehr freut es uns, dass die vier Frauen im Film den Mut hatten.

Natürlich kamen in den vier Jahren der Recherche aber noch mehr Interviews zustande, einige der Erfahrungsberichte sind im gleichnamigen Buch festgehalten (http://t.co/SF3TivgMj1).

Zur Wortwahl: Ja, es gibt das Wort Abtreibung und das Wort Schwangerschaftsabbruch. Wir können hier gerne zweiteres verwenden.

Übrigens auch interessant: Im Brigitte-Kuschelherzchentalk-Forum (Zitat @egozentrum) gibt es nichtmal einen Thread zum Thema Schwangerschaftsabbruch. Auch hier hat kaum jemand darüber gesprochen. Es wird Zeit, dass das Thema wieder lauter wird - ohne mit Pro und Contra verknüpft zu sein.
Das Buch ab 15.3. im Handel - der Dokumentarfilm am 17.3. um 22:40 Uhr in ARTE.
Mehr: www.tabuabtreibung.de

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 31.03.15 00:17

TabuAbtreibung hat geschrieben:Das "Casting" der Betroffenen bestand darin, 4 Jahre lang zu recherchieren. Es war ganz und gar nicht leicht, Frauen davon zu überzeugen, ihre Geschichte vor einer Kamera zu erzählen. Wer diesen Thread verfolgt ahnt vielleicht, warum. Umso mehr freut es uns, dass die vier Frauen im Film den Mut hatten.

Also eine google-Suche nach dem Stichwort "abgetrieben" liefert 276000 Treffer.
Unter den ersten davon z.B.
http://www1.wdr.de/fernsehen/kultur/tag ... en100.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Wir_haben_abgetrieben!
Daher die Frage, ob ihr auch zu anderen Themen schon Castings veranstaltet hattet, oder woher ihr sonst zu der Auffassung gelangt, daß zu diesem Thema vergleisweise schwierig Leute vor die Kamera zu bekommen sind (was ja gerade noch hinkommt). Vielleicht seid ihr da ja nur völlig talentfrei rangegangen?

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon zappa » 31.03.15 12:33

egozentrum hat geschrieben: Vielleicht seid ihr da ja nur völlig talentfrei rangegangen?

na gut, mit der albernen unterstellung haste jetzt geschafft das ich mir das doch ma anschaue und ostern beim lammbraten werd ich meine schwester mal befragen ob sie bei dir als moderator mal die geschichte von ihrem braten in der röhre als sie 16 war vor ner kamera erzählt und wie sie sich fühlte als ich sie hingebracht hab damals in die klinik.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 07.04.15 03:43

Naja, was immer deine Schwester meint, zappa, es wird jedenfalls über Abtreibung gesprochen.

Der Buchbeschreibung nach allerdings nicht so viel über den "Eingriff" (also das Absaugen) betreffende Schuldgefühle und entsprechende Belastungen speziell der Frauen danach. Das ist vielleicht tatsächlich auch ein Thema, das ich "abzufragen" vermeide, wenn mir jemand berichtet, daß ein Kind abgetrieben wurde. Dialoge dazu, inwieweit sich jemand schon in etwas hineingesteigert hat (whatever it is), sind ganz allgemein (aber nicht etwa generell) auch irgendwie umso mehr etwas für den kleinen Kreis, je mehr das ein wirkliches Thema ist.

Zumal ich es als Mann übrigens auch eher als unattraktiv empfinde, wenn Frau zum irrationalen Hineinsteigern in solche Dinge neigt. Das ist nämlich nicht gut und schön, sondern in erster Linie mal schlicht gefährlich für alle beteiligten.

TabuAbtreibung hat geschrieben:Auch hier hat kaum jemand darüber gesprochen. Es wird Zeit, dass das Thema wieder lauter wird - ohne mit Pro und Contra verknüpft zu sein.


Buchbeschreibung hat geschrieben:Wir brauchen das Recht auf Abtreibung.


Super, da mal drüber gesprochen zu haben, was Frauen so fühlen.

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Re: Warum reden wir nicht offen über Abtreibung?

Ungelesener Beitragvon zappa » 08.04.15 10:23

egozentrum hat geschrieben:Zumal ich es als Mann übrigens auch eher als unattraktiv empfinde, wenn Frau zum irrationalen Hineinsteigern in solche Dinge neigt.

schön zu hören, das das grad von dir kommt. :weed:
wo du doch allein schon deshalb vor dem reinsteigern in emotionale verflechtungen gewappnet bist weil es "in erster Linie mal schlicht gefährlich für alle beteiligten" wäre. :wink:
aber mal im ernst: wieviel wissen wir beide noch mal genau über müttergefühle um da mitreden zu können wie es ist damit in konflikt zu geraden ?


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