Intelligenz - ein Fluch?

Habt ihr etwas über Euch und euer Umfeld zu erzählen, Probleme oder Kummer? Schreibt es hier rein.
Mopsliebhaberin
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Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon Mopsliebhaberin » 16.03.14 14:24

Hallo ihr Lieben!

Ich bin schon lange treue Domian-Hörerin und habe nun etwas, worüber ich gern diskutieren würde bzw. mich interessiert einfach mal die Meinung anderer dazu.

Ich bin 24 Jahre jung und würde mich spontan schon als ganz klug bezeichnen. Ich bin sehr vielseitig interessiert und habe (nach Aussage anderer) und großes Allgemeinwissen. Vom Wesen her bin ich ein ruhiges Mädel. Als Nerd würde ich mich jedoch nicht bezeichnen. Eigentlich finde ich mich ganz normal, auch ganz hübsch, nicht faul, auch praktisch veranlagt, hilfsbereit, interessiere mich auch sehr für andere Menschen. Bin aber auch teilweise sehr zurückhaltend, wenn ich mich nicht willkommen fühle. Da ich mich nicht aufdrängen will, habe ich schon Probleme, Menschen kennenzulernen.

Jetzt zu meinem eigentlichen Problem: Im Laufe meines noch jungen Lebens habe ich die Erfahrung gemacht, daß ich mich sehr schlecht in Teams integrieren kann, die "weniger gebildet" sind als ich. Bitte versteht mich nicht falsch. Ich schaue nicht von oben herab. Im Gegenteil - ich leide darunter. In meiner Ausbildung hat es immer da gut geklappt, wo viele studierte oder lang im Berufsleben bewährte zusammengearbeitet haben. Aus Abteilungen wie der Poststelle wurde ich bspw. vorzeitig rausgenommen, weil "ich denen intellektuell weit überlegen" war (O-Ton meiner Ausbilderin).
Mittlerweile studiere ich und hatte seit Oktober einen Nebenjob im Kino.
Da in meiner Sturm- und Drangzeit mein Wissen gern raushängen ließ und mir nicht viele Freunde damit gemacht habe, begann ich mein Verhalten zu reflektieren. Deshalb versuche ich seit bestimmt 3 Jahren sehr sozial kompatibel aufzutreten. Nicht klugscheißerisch zu sein, oft halte ich auch den Mund und denke mir meinen Teil.
Das Team im Kino ist auf sich super eingespielt. Die haben Spaß, lachen viel zusammen. Auch das Kino läuft wie es soll. Auch wenn ich hier und da rein organisatorisch Dinge anders machen würde, sage ich da nix. Ich bin Pauschalkraft und da das Kino läuft, habe ich meiner Meinung nach auch gar nicht das Recht dazu, dort den Revoluzzer zu spielen. Aber die Leute dort sind eben auch alle etwas einfacher gestrickt. Ich meine das wirklich nicht böse, ich sehe sie nicht als dumm oder unfähig. Ich will mein Wissen nicht gegen sie ausspielen. Ich will eigentlich nur Frieden, eine angenehme Atmosphäre und ab und an mal nette Gespräche. Leider hat sich die Situation so zugespitzt, daß ich gestern gekündigt wurde. Mir wurde vorgehalten, dass ich arrogant sein, eine besserwisserische Haltung an den Tag lege und nicht mit Menschen umgehen könne.
Sicher habe ich auch Fehler gemacht, das bestreite ich nicht. Ich bin mit den Leuten aber nie klargekommen. Auch wenn ich nicht immer leicht zu nehmen bin, bin ich mir doch sicher, Kunden immer freundlich und zuvorkommend behandelt zu haben. Ich hatte das Gefühl, daß das Team zum Rundumschlag angesetzt hat und mir jeden Fehler vorgehalten hat. Ich habe da auch nix mehr zu gesagt, denn das alles hat mich sehr getroffen. Ich fühle mich als Versager und schlechter Mensch. Ich habe schon so oft versucht, mein Verhalten anzupassen und mich arg zurückzuhalten. Meine Freunde sind empört über die Aussagen der Kinoleute. Andererseits muss man ehrlich hinterfragen, wie die zu dieser Wahrnehmung kommen.

Es klingt so nach Luxusproblem, aber kann es sein, dass Wissen, Interesse und vielleicht auch Intelligenz ein Fluch sein können? Ich sehe wirklich nicht von oben herab, ich habe die Arbeit dort wirklich gern gemacht. Aber Arroganz wird mir immer von jenen unterstellt, die da eher unter meinem "Niveau" sind. Kann es sein, dass man eine Ausstrahlung hat, die einen für diese Leute gefährlich werden lässt? Ich denke ja schon viel nach und ziehe meine Schlüsse. Gerade im Kino dachte ich oft bei kleinen Problemen, dass das doch alles zu Regeln sei, wo das Team teilweise ein Drama drum gemacht hat.

Bitte versteht mich nicht falsch. Ich bin kein Einstein 2.0 Mein Abi war durchschnittlich, die Ausbildung lief gut und das Studium läuft auch mit Fleiß gut. Aber ich bin kein Genie. Ich weiß vielleicht einfach viel und mir fällt vielleicht das Denken hier und da einfacher. Aber trotzdem sehe ich mich nicht als jemand besseren.
Es macht mich einfach nur sehr traurig, daß ich mit einfacheren Teams nicht klarkomme und ganz schnell als arrogant abgestempelt werde.

Kennt ihr das?

Liebe Grüße

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Vera
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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon Vera » 16.03.14 19:44

Ein sehr schlauer Mensch hat vor vielen Jahren einmal gesagt, dass man wahre Intelligenz dran rkennt, dass jemand abwärtskompatibel ist.

Vielleicht hilft es dir ja, diese Regel zu beachten.

Liebe Grüße
Vera
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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon Mopsliebhaberin » 16.03.14 20:23

Ich habe das versucht. Aber wie kann man sich einfügen, wenn die Umgangsweisen komplett von eigenen Normen und Werten abweichen? Wenn die Jacken für die Raucherpause geholt werden - nur deine eigene nicht. Für mich wäre das aus Höflichkeit selbstverständlich, alle Jacken zu holen.
Wenn die Kerle sich darüber freuen, wenn sie sich gegenseitig als "Fotze" bezeichnen und Kleinkindern Wörter wie "Opfer" beibringen.
Bei der App "Quizduelle" habe ich noch einmal meine Chance gewittert, mich zu integrieren. Stellt euch vor, daß 3 Leute mit ihren Smartphones am Tresen sitzen und sich in diesem Spiel gegenseitig duellieren. Ich wollte einfach nur mitmachen, um dabei zu sein. Um einen Zugang zu finden. Aber keiner wollte gegen mich spielen, weil ich "zu klug" bin und sie gegen mich eh verlieren würden.

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Vera
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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon Vera » 16.03.14 20:33

Weißt du, wenn dir so etwas in einer bestimmten Gruppe immer wieder einmal passiert, macht es Sinn, diese Gruppe zu meiden. Nicht jeder Mensch wird mit jedem (gleich gut) klarkommen. Das ist ziemlich normal und man sucht sich eben diejenigen aus, die besser zu einem passen. Niemand verbringt ja gerne Zeit mit Leuten, die einem unsympathisch sind und mit denen man nicht auf einer Wellenlänge schwimmt.

Kommt es allerdings immer wieder in unterschiedlichen Bereichen des Lebens vor, dass du gegen eine Wand läufst, liegt der Verdacht schon irgendwie nahe, dass es an dir selbst liegen könnte.

Das kann man natürlich von außen nicht beurteilen.
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egozentrum
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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 17.03.14 03:23

Das ist ja schön, daß Du auch ganz hübsch bist, und alles. Also versteh mich da bitte nicht falsch, ich finds klasse, daß Du auch das erwähnt hast, aber das Problem ist ja irgendwie eher, daß halt der weit überwiegende Anteil der Bevölkerung strunzdumm ist, und sich häufig auch entsprechend rücksichtslos verhält.

Hm, um aber konkreter auf deine Beispiele einzugehen:

Für diese Sache mit der Jacke wird es irgendwelche Gründe geben. Vielleicht hatte der betreffende einfach Angst davor, daß Du das als Bevormundung empfinden würdest, wenn deine Jacke mitgebracht würde (das will bestimmt nicht jeder).

Oder dieser Mensch hatte in dem Moment tatsächlich die Präferenz, seine Pause ohne dich zu verbringen. Auch das wäre doch ok, nur weil Du in so einer Situation, wie Du schreibst, widerwillig doch mitgebracht hättest, muss das doch nicht ein jeder auch so handhaben (vielleicht ist es in echt viel netter, wenn man auf unehrliche Nettigkeiten verzichtet).

Oder es hat irgendeine andere, jetzt nicht so einfach zu erratende Logik dahintergestanden. Ich weiss es jedenfalls nicht.

Du schriebst:
...Da ich mich nicht aufdrängen will, habe ich schon Probleme, Menschen kennenzulernen.

Jetzt zu meinem eigentlichen Problem: Im Laufe meines noch jungen Lebens habe ich die Erfahrung gemacht, daß ich mich sehr schlecht in Teams integrieren kann, die "weniger gebildet" sind als ich.


Hm, ersteres siehst Du nicht so als Problem? Dagegen kann man nämlich was machen, konkret nämlich sich zum Mut entschliessen.

Letzteres sehe ich dagegen wie gesagt zumindest tendenziell eher als Problem der breiten Masse, die eben nicht sonderlich weltoffen ist. Der Tod unterwegens.

Könnte es aber vielleicht auch sein, daß Du selbst da irgendwelche Schwächen hast? Du betonst ja schon fast überdeutlich, daß Du Dir den Vorwurf, Dich deinen Mitmenschen überlegen zu fühlen, nicht geben willst.

Dennoch ist deiner Beobachtung nach ein positiv assoziertes Merkmal, wenn es bei Dir stärker ausgeprägt ist, als beim Gegenüber, Auslöser zwischenmenschlicher Probleme.

Ist das üerhaupt eine Gelegenheit, Überlegenheitsgefühle zu verleugnen?

Und was hat all das übrigens mit Intelligenz (den Begriff hast Du in der Threadüberschrift verwendet) zu tun? Intelligenz, kultureller Hintergrund und Belesenheit sind ja drei völlig verschiedene Dinge. Sind die alle 3 bei Dir besonders "gut" ausgeprägt?

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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon DieGeschlüpfte » 17.03.14 18:11

Bez. Kollegen hat sich in den meisten Fällen diese 'Barriere' soweit eine bestand...mal mehr mal weniger verkleinert, wenn
ich mein Problem in passenden Momenten wirklich angesprochen habe bzw. ganz klar gefragt habe... unter 4 Augen.

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egozentrum
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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 17.03.14 22:10

Joa, zumindest ist das eine naheliegende Strategie.

Karat
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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon Karat » 23.03.14 00:30

Ein Fluch? Klar doch, wenn sich jemand für allwissend hält und dabei vergißt, was er alles nicht weiß bzw. kann. Wo hingegen dann die anderen Menschen punkten würden, die ja sooo dumm sind, oder von dem "Schlauberger" dafür gehalten werden.
Wer sogar noch raushängen läßt, dass er sich für unwahrscheinlich gebildet hält, brauch sich über Ablehnung nicht zu wundern.
Ein jeder hat Gebiete auf denen er besser ist, als ein anderer, aber muß man damit prahlen? Ein Professor, der an einer Uni Vorlesungen hält, kann vielleicht keinen landwirtschaftlichen Betrieb leiten, aber warum sollten sich die Beiden nicht trotzdem unterhalten und respektiern können?
Wenn jeder alles wüßte, wäre das Leben unter Menschen stinklangweilig. Die Verschiedenartigkeit von Wissen und Können macht es doch erst spannend sich zu unterhalten.
Was wäre eine Unterhaltung, in der jeder nur dem anderen beipflichten könnte? :kotz:
Fühle die Würde eines Kindes, fühl dich nicht ihm überlegen, denn du bist es nicht.

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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon F84.5 » 23.03.14 05:48

Hallo Mopsliebhaberin.

Beim lesen Deines Beitrages hatte ich mich sehr oft wiedererkannt......, habe mich extra angemeldet um Dir mitzuteilen: es gibt Menschen die ticken halt "anders". Akzeptiere Dich so wie Du bist, such Dir Dein Umfeld in dem Du Dich wohlfühlst und verbieg Dich nicht für andere. Jedem Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann, und mit Adenauers Worten: Die einen kennen mich, die anderen können mich!

Viel Erfolg auf Deinem Weg und ein kleiner Wink: http://www.youtube.com/watch?v=fLPf6CyeW6E&list=UUHd7ejE5EtagNpWaOdLqX0w

ChristophHerfurth
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Re: Intelligenz - ein Fluch?

Ungelesener Beitragvon ChristophHerfurth » 12.04.14 04:59

Wenn man merkt das man .... ist als die meisten Leute die einen Umgeben, dann wird es wohl wirklich so sein das man überdurchschnittlich intelligent ist, oder schlicht nur in falscher Umgebung ... habe auch oftmals auch das Gefühl das die Meisten recht umständlich denken, und bei ganz einfachen Dingen schon recht unbeholfen sind ... oder halt nur "imitieren" was andere denen vor gemacht haben , so ganz ohne eigenes denken ... usw.

Ich glaube schon das Intelligenz ein Fluch sein kann ... schließlich fühlt man sich dann schnell bei Leuten, die "einfacherer gestrickt" sind unwohl, oder findet es nur "flach" worüber sie sich unterhalten. Kann mir schon vorstellen das man da keine Lust hat mitzumachen wenn die sich gegenseitig als "Votze" bezeichnen ... zumindest wenn es "ausartet" ...
Vera hat geschrieben:Ein sehr schlauer Mensch hat vor vielen Jahren einmal gesagt, dass man wahre Intelligenz dran rkennt, dass jemand abwärtskompatibel ist.

auch das bedarf Intelligenz ... wirklich schlau !!! Dem kann ich nur zustimmen ...
Man muss halt auch lernen es zu akzeptieren das nicht immer ein Anspruch an "wertvollen" Gesprächen besteht, und man halt nur rumblödeln will ...

Aber trotzdem sehe ich mich nicht als jemand besseren

ist das wirklich so, ohne jetzt einen Vorwurf machen zu wollen. Frag mal Dich selber ob Du das wirklich so meinst, oder es nur "daher redest" .... weil ich die Erfahrung gemacht habe, das das die Leute merken, auch wenn man es nur (heimlich) denkt ... ob dieses nun die Aura ist, oder halt doch irgendwie unterschwellig kommuniziert wird weiß ich nicht ... aber man merkt es wenn jemand sich für besser hält, selbst (angeblich) dümmere Menschen merken das, und haben das Gespür ...


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