psychisch kranker Sohn

Habt ihr etwas über Euch und euer Umfeld zu erzählen, Probleme oder Kummer? Schreibt es hier rein.
gina
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psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon gina » 06.12.13 01:05

Hallo,

was mich zur Zeit sehr beschäftigt, ist mein 19jähriger Sohn, der noch bei uns zu Hause wohnt. Er befindet sich in einer psychiatrischen Klinik wegen
schwerer Depressionen.
Eigentlich müßte es mir gut gehen bei dem Gedanken, daß er behandelt wird. Ist aber nicht so.
Er will dort nicht sein. In meiner Hilflosigkeit habe ich ihm gesagt, daß wir so nicht weiter zusammenleben können, er muß sich helfen lassen.

Ich frag mich nun, ob die Behandlung überhaupt sinnvoll ist, wenn er innerlich nicht davon überzeugt ist.
Seit ca. 4 Monaten verläßt er die Wohnung nicht mehr alleine. Er geht nicht zur Schule und arbeitet nicht, er schläft viel.
Er ist aggressiv, traurig, albern. Seine Stimmung wechselt ständig. Ihm ist alles egal.
Oft geht er von einem Zimmer zum nächsten, ist in Gedanken versunken. Lacht über Dinge, die ich nicht verstehe.
Wenn wir ihn dazu bewegen können, mit uns wenigstens kurz spazieren zu gehen, kann es passieren, daß er plötzlich verschwunden ist.
Es ist ihm auch nicht möglich, ein vernünftiges Gespräch zu führen.

Er ist schon seit Jahren (eigentlich seit er Kleinkind ist) in ärztlicher Behandlung. Es gab so viele verschiedene Diagnosen und Therapien.

Ich mache mir nun Sorgen, daß er die Behandlung wieder abbricht. Ich weiß nicht, was man mit einem Angehörigen tun soll, der krank ist und keine
Einsicht zeigt.
Vor die Tür setzen wurde uns geraten, aber das kann ich nicht. Wo soll er hin? Er hat keine Freundin, keinen einzigen Freund.

Jetzt hoffe ich sehr, daß er in der Klinik bleibt und ihm geholfen werden kann.

Ich wollte mir das alles nur mal von der Seele schreiben und danke fürs lesen.

Viele Grüße
gina

waliph
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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon waliph » 06.12.13 09:35

Guten Morgen, Gina

habe gerade Deinen Text gelesen und kann mir vorstellen, wie besorgt und traurig Du bist.
In meiner Familie gibt es einen ähnlichen Fall, die Tochter meiner Schwägerin hat aufgrund schwerster Depressionen im letzten Jahr fast 10Monate in einer psychiatrischen Klinik verbracht. (war nicht ihr erster Aufenthalt, aber so schlimm war es vorher noch nie)
Es hat unendlich gedauert, bis man sie medikamentös so eingestellt hatte, dass sie nun wieder ein ziemlich normales Leben führen kann.
Sie war damals ganz stark suizidgefährdet und befand sich in den ersten Monaten auf einer Art Intensivstation und stand unter ständiger Beobachtung.
Auch wenn Dein Sohn im Moment nicht dort sein will, was wäre die Alternative?
Dass sich seine Probleme von alleine in Luft auflösen ist leider ausgeschlossen, in einer Klinik besteht wenigstens die Chance auf Hilfe.
Ich wünsche Euch alles Gute und ganz viel Kraft und Zuversicht!!!

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Vera
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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon Vera » 06.12.13 10:48

Hallo Gina,

das ist natürlich alles sehr schlimm und sehr belastend. Jemand, der keine Erfahrungen mit psychisch kranken Menschen gemacht hat, wird das aber alles nicht verstehen und auch nicht ansatzweise nachvollziehen können.

Was will man dir als Laie da für einen Rat geben, wo du doch schon fast Profi bist? Die Lösung kann ja nur in einer vom Patienten angenommenen Therapie liegen. Ohne gute Therapie geht es genau so wenig wie ohne aktives Mitarbeiten und sich darauf Einlassen des Patienten. Das hast du ja im Grunde auch bereits selbst zum Ausdruck gebracht.

Ich glaube, da kann nur ein Fachmann was wirklich Sinnvolles zu beitragen und daher bleibt mir nur, dir viel Kraft zu wünschen und dir zu verraten, dass ich auch einen depressiven Menschen im direkten Umfeld habe und daher weiß, wie schwierig das ist.

Vera
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gina
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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon gina » 06.12.13 23:01

Hallo zusammen,

ich danke euch für eure Worte.

Es gibt ja so Tage, an denen es mir schlechter geht als an anderen. Da ist es schon eine Erleichterung,
einfach drauflos zu schreiben.

Depressionen oder andere psychische Erkrankungen sind ja gar nicht so selten, ihr beide habt ja auch jemanden in eurem
näheren Umfeld. Die für uns nächstgelegene Klinik ist so voll, daß es noch nicht einmal eine Warteliste gibt.
Aber ich habe feststellen müssen, daß ich gut überlegen muß, wem ich davon erzähle.
Überall wird man nicht verstanden.

Aber jetzt wünsche ich allen ein schönes Wochenende.

Viele Grüße
gina

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egozentrum
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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 07.12.13 04:57

gina hat geschrieben:Ich frag mich nun, ob die Behandlung überhaupt sinnvoll ist, wenn er innerlich nicht davon überzeugt ist.


Ja, eine sinnvolle Frage, also so jetzt ganz allgemein, und ohne Rücksicht darauf, daß Du da Fraagmente eines schlechten Gewissens angehäuft haben könntest.

Ich finde in deiner Darstellung aber schon so einiges, was irgendeine Kooperationsbereitschaft vermuten lassen kann, sprich, es muss da vielleicht nicht komplett alles nur destruktiv rüberkommen (und selbst wenn, junge Menschen sind da ja schon noch ziemlich notwendigerweise etwas leidensfähiger, als ältere).

Aber wahrscheinlich ist diese Frage ja auch wieder nur ein weiterer Eintrag in der Liste von Dingen, bei denen Du Dich fragst, ob es sinnvoll ist, den Jungen damit zu nerven. Du scheinst ja erstmal mit dem Gedanken leben zu können, daß der noch eine Weile bei dir lebt (und das erinnert mich irgendwie an total kranke "Mietverträge"). Wichtig wäre ganz bestimmt, da zu -für alle- möglichst menschlichen Regelungen zu kommen.

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zappa
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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon zappa » 07.12.13 13:15

vor die tür setzen klingt natürlich erstmal sehr hart und sollte für ihn natürlich nicht unter der brücke enden.
nur wird er ja wahrscheinlich kein hartz 4 bekommen weil ihr wahrscheinlich noch für ihn aufkommen werden müsst, also wäre so eine
einzimmerwohnung für ihn vielleicht am besten, denn ich denke der "luxus" bei euch zu hause wird ihm im endeffekt gar nicht helfen.
wenn er so noch 10 jahre bei euch lebt gehst du womöglich auch noch vor die hunde.

ich habe selbst geschafft, dank einer durch einen unfall und einer alksucht hochgeschaukelten sozialphobie, nach langer zeit des...
verläßt er die Wohnung nicht mehr alleine. Er geht nicht zur Schule und arbeitet nicht, er schläft viel.
Er ist aggressiv, traurig, albern. Seine Stimmung wechselt ständig. Ihm ist alles egal.

endlich so weit am boden angekommen zu sein, das ich beschloss doch mal zu schauen was eigentlich dabei herauskommen könnte,
wenn ich mir helfen lassen täte.
bei alksucht geht es ohne eigenen willen meiner meinung nach gar nicht zu helfen, wie es bei schweren depressionen ist kann ich nicht sagen,
wir sind ja hier auch eher betroffene statt therapeuten.
wenn man zwangsweiße pillen schlucken muß besteht immer die gefahr, das man sich die tollsten nebenwirkungen selbst suggeriert.
besser wäre also in der tat, wenn er die einsicht selbst hätte, das er die hilfe der leute in der klinik braucht und das ihm diese andere
umgebung neue sichtweisen eröffnen könnte.
ich hatte vor meiner dreimonatigen reha und den ganzen untersuchungen in der neurologie auch mächtig schiss, wurde aber eines besseren belehrt.

also bleib dabei ihm zu sagen das ihr nicht so weiter zusammenleben könnt wenn er das jetzt abbricht.

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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 07.12.13 14:52

zappa hat geschrieben:denn ich denke der "luxus" bei euch zu hause wird ihm im endeffekt gar nicht helfen.


Das ist deine Schätzung, wegen der Du vorschlägst, helfend einzugreifen, indem man den Jungen ordentlich hart rannimmt.

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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon zappa » 07.12.13 14:58

das hab ich geschrieben, weil ich hier ja auch meinen "luxus" hatte, der mich lange dran gehindert hat hilfe anzunehmen.
bei mir war es eben so, das ich noch ausreichend mit bier versorgt wurde, ich mein ja nicht den üblichen luxus.
aber ich lass mir gern erklären wie dein softrannehmen ausschauen soll.

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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 07.12.13 15:59

Naja, also ich sehe es primär erstmal so, daß wer ein Kind in die Welt setzt, damit rechnen muss, da so grössenordnungsmässig 20 Jahre für sorgen zu müssen. Grössenordnungsmässig wortwörtlich.

Du scheinst bei @gina eine grosse Belastung in der Aufrechterhaltung eines solchen Rahmens herauszulesen. Ich lese das da nicht raus, aber mal angenommen, das ist so, wie Du sie verstehst: Dann stände das natürlich in keinem Verhältnis mehr, so auf der einen Seite das verwöhnte Kind, das das vielleicht eh' gar nicht zu würdigen weiss, gegenüber einer überproportionalen Belastung der Eltern.

Das muss man dann aber doch an den jeweiligen Verhältnissen klar festmachen können. Man gehört doch nicht ausgestossen, nur weil man Depressionen hat.

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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon zappa » 07.12.13 16:52

nein, es geht darum was sie tun soll wenn er keine hilfe annimmt und dann kann sie ihn nicht ewig weiter so in der family integrieren,
ohne das es an ihre substanz gehen wird, denke ich.

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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 07.12.13 17:03

Warum?

Weil der jetzt mit 18-25 Jahren in einem Alter ist, in dem man gefälligst Arbeittauglichkeit herzustellen hat?

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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon zappa » 07.12.13 17:58

du weißt genau, das mir scheißegal egal ist ob jemand arbeitet oder nichtz, aber mir ist nicht scheißegal wenn es jemandem
psychisch schlechtgeht.
und dagegen eben nix zu tun ist das letzte was ich befürworte, auch wenn du argumentieren wirst, das die pillen
eh alle mist wären wegen den nebenwirkungen.

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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon Vera » 07.12.13 19:50

Im Grunde meinen wir doch alles dasselbe:

1. Der Junge muss sich helfen lassen wollen, damit das Ganze Erfolg haben kann,
2. Die Rolle der Famile / Mutter dabei muss überdacht werden, weil zu viel Einsatz möglicherweise den unerwünschten Nebeneffekt hat, dass der junge Mann sich nicht helfen lassen will, weil er noch gar nicht realisiert hat, wie wichtig es für ihn ist, weil er im Schoße der Familie noch nicht wach geworden ist.
3. Ob Medikamente oder eine andere Therapie sinnvoller sind, können wir als Laien nicht beurteilen, wobei erfahrungsgemäß wahrscheinlich beides zum Einsatz kommen wird.

Da wir Zappa kennen, wissen wir, dass er mit dem Wort "Luxus" eher den Komfort in einer Familie aufgefangen zu sein meint, als sachlichen Besitz, Reichtum und Wohlstand.

Insofern sind wir doch alle auf derselben Linie.
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Re: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 07.12.13 23:06

'nen alter Freund von mir hat jetzt 'nen eher blöden Job,weil der damals seine Ausbildung verbaselt hat. Ach hätte ich dem doch damals einfach die Freundschaft gekündigt... weil man soll ja, damit der Aufprall auf möglichst hohem Niveau erfolgt, frühzeitig den Fall einleiten... oder wie?

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Re: AW: psychisch kranker Sohn

Ungelesener Beitragvon Vera » 07.12.13 23:35

Papperlapapp. Genau im Gegenteil. Es geht darum, den Sturzflug zu verhindern, indem man Hilfe zur Selbsthilfe leistet.
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