Studium: Psychologie Vs. Informatik

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LeckerLeckerCoffein
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Studium: Psychologie Vs. Informatik

Ungelesener Beitragvon LeckerLeckerCoffein » 24.09.12 21:45

Guten Tag liebe Forenmitglieder,

Momentan stehe ich vor der Frage, die mein Leben maßgeblich beeinflussen wird: Welches Studium strebe ich an? Zunächst erzähle ich euch ein wenig über den bisherigen Verlauf meiner "Karriere". Ich habe nach 12 Jahren Schule ein Abi mit 1,x gemacht und mich dann - ich schätze nun im Nachhinein Hals über Kopf - für ein Informatikstudium an einer laut Ranking sehr guten Uni entschieden. Die Begründung dafür war für mich, dass ich mich tiefgreifender für PCs interessiert habe. Ich war keiner derer, die jeden Tag gespielt haben, und dachten, man würde nach dem Informatikstudium jeden Tag WoW spielen (habe neulich die Story von jemandem gehört, der davon tatsächlich ausging :D). Nein, ich habe früh angefangen Webseiten zu machen, sprich html, css und php zu lernen. Als ich dann zum Studium kam bemerkte ich aber schnell, dass es dort viele Leute gab, die bereits wesentlich tiefer in der Materie steckten als ich. Ein Semester lang habe ich dann also jeden Tag fleißig Vorlesungen besucht, an Übungen teilgenommen, und daneben sehr sehr viel Zeit investiert, um zum Schluss alle Prüfungen zu bestehen, was längst nicht allen gelang. Nebenbei fuhr ich alle 1,5 Wochen ca. nach Hause, da meine Freundin dort wohnte, was je einen Weg von ca. 6 Stunden bedeutete. So würde ich das nie wieder machen, denn dadurch war es extrem schwer dran zu bleiben, und auch den Anschluss an die Leute dort fand ich nicht unbedingt. Spaß war was anderes, das kann ich sagen. Ich war sehr froh, als der Stress vorbei war, denn man hat sich absolut keine Zeit für nichts neben dem Studium gegönnt, denn man hätte in der Zeit ja voran kommen können. Meine Freundin sagte mir im Nachhinein, dass immer wenn ich am WE da war ich mich sehr kühl verhalten habe, und ich denke auch, dass es so war. Denn ich konnte mich nicht richtig freuen, sondern habe mich schlecht gefühlt, nicht schon das neue Übungsblatt in Mathe bspw. begonnen zu haben, welches mal wieder 10h in Anspruch nehmen würde.

Als ich zu Beginn des 2. Semesters nach beinahe 4-wöchigem Aufenthalt daheim zurückkam lief es mir in der ersten Vorlesung kalt den Rücken hinunter: "Was mache ich hier verdammt?" dachte ich mir. In der Zeit zuvor habe ich viel darüber nachgedacht, ob das alles das Richtige ist. Die ersten Monate schlief ich bei unangenehmen Leuten im Keller aufgrund der Wohnungssituation, begegnete mehr Informatikern, die dem Klischee entsprachen, als ich dachte, hatte kaum Zeit für andere Dinge und die Menschen in der Stadt und Umgebung waren oft einfach furchtbar arrogant. Ich wollte nicht zu jemandem werden, der später nur vor der Kiste sitzt und tippt, und auch wollte ich mich nicht täglich mit Leuten wie denen rumärgern, denen ich beim Studium begegnet bin. Willst du das so weitermachen? Nein, im laufe des 2. Semesters begann ich die Suche nach Alternativen und kam auf das zurück, was mir zu Ende der Schulzeit als einzige Alternative auch bereits im Kopf rumging: Psychologie. Ich besuchte Infoveranstaltungen, sprach mit Psychologiestudenten, war in deren Vorlesungen, die interessanter waren als die Informatikvorlesungen (wusste jetzt nicht, wo ich diesen Gedanken sonst einfügen sollte: dort ist eben viel Theorie, aber wie viel Theorie braucht man ganz direkt davon im Berufsleben?!) etc..

Nun bewarb ich mich fürs kommende Semester an allen Unis in DE, die das Fach anbieten, und wie es aussieht, werde ich wohl leer ausgehen, denn im regulären Verfahren haben alle Unis wohl genug andere Leute aufgenommen. Im Losverfahren hat man keine realistische Chance, im Nachrückverfahren schon gar nicht. Nun stehe ich da, und muss mir Gedanken über meine Zukunft machen.

Wenn ich zurückdenke an die Zeit an der Uni und reflektiere, komme ich zu folgenden Schlüssen: Ich habe das Studium nicht ausschließlich aufgrund der Inhalte des Studiums abgebrochen. Dazu kamen vor allem oben genannte Störfaktoren, sodass ich mich frage, ob ich nicht vielleicht an einem anderen Ort, und auch eher einer FH die Erfüllung im Studium gefunden hätte. Klar, Mathe würde dort ebenso wenig Spaß machen, aber nach dem Studium stehen einem viele Wege offen, und in die IT-Sicherheit würde ich beispielsweise auch nicht gehen wollen. Neulich unterhielt ich mich mit jemandem mit dem ich Sport betreibe, der seinen Master of Sciene in Informatik hat, und es stimmte für ihn einfach alles: Freude am Job, Abwechslung, Harmonie zwischen Kollegen, Geld. Das Problem ist doch, dass das Studium das Eine ist, und der Berufsalltag das vollkommen Andere. Das kann sehr stark kontrastieren. Nur woher soll ich einschätzen können, ob ich mit dem Beruf des Informatikers zufrieden wäre?

Jedenfalls habe ich mir nun 2 Wege vorgestellt, von denen ich einen ungefähr gehen werde, denn andere Studienrichtungen kann ich mir absolut nicht vorstellen.

Weg 1: Psychologie
Ich bewerbe mich für ein Praktikum o.Ä. in einer Psychiatrie und bleibe dort ein knappes Jahr. Anfang Juli nächsten Jahres gehen die Bewerbungen für die österreichischen Unis los, sodass ich dort mein Glück versuche. Man muss zwar einen Aufnahmetest bestehen, aber mit richtiger Vorbereitung bin ich optimistisch, das über die Bühne zu bekommen. Nebenbei könnte ich schon mit einem Fernstudium an der Fernuni Hagen anfangen, und versuchen zum SS13 an eine Präsenzuni in Deutschland zu wechseln. Leider ergaben Nachfragen meinerseits dazu, dass nur sehr selten Plätze frei sind, und denen gegenüber auch mehr Bewerbungen stehen. Auch hier ist also die Wahrscheinlichkeit gering, doch noch reinzukommen. In Österreich ist der Aufnahmetest auch noch zu absolvieren, wenn man bereits angefangen hat, Psychologie zu studieren. Wenn ich dann nun also heute in einem Jahr richtig anfangen würde zu studieren, hätte ich 5 Jahre vor mir + eventuell 3 Jahre Ausbildung zum Psychotherapeuten.

Weg 2:
Ich überbrücke die Zeit bis zum SS13, und fange dann ohne Aufnahmebeschränkung an einer FH an. Die ~30CP, die ich bereits erbracht habe, würden wahrscheinlich anerkannt und nach ca. 5 Jahren könnte ich voll durchstarten.

Ich weiß nicht, ob ich jemand bin, der die Schicksale der Leute erträgt und erfolgreich die Menschen behandeln kann, genauso wenig weiß ich aber ob ich als Informatiker in einer höheren Position, in der ich nicht den ganzen Tag programmiere, zurechtkomme, und mich der Job erfüllt, da er in der Gesellschaft mehr oder weniger verpöhnt ist.

Problem ist, dass ich momentan wieder daheim wohne, meine Mutter aber grob gesagt nicht wirklich mag (ein anderes komplexes Thema), die Gegend hier sich nicht so schnell dreht, wie es die restliche Welt tut, und alle anderen Leute, mit denen ich hier was zu tun habe nun auch abhauen um ihren Weg zu gehen. Ich muss und will etwas tun, sonst gehe ich hier ein, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger weiß ich, was ich selber will. Den einen Abend liege ich zufrieden lächelnd im Bett und bin mir sicher, dass ich nächstes Jahr in Österreich einen schönen Start haben werde, den Anderen bin ich bis 5Uhr wach und zerbreche mir den Kopf, weil es kein Maß für dieses ganze Für und Wider gibt.

Ich hoffe, meinen Standpunkt halbwegs vollständig beschrieben zu haben, und würde mich sehr über eure Antworten dazu freuen! :)

Danke vielmals!

Karat
Beiträge: 395
Registriert: 13.06.09 02:17

Re: Studium: Psychologie Vs. Informatik

Ungelesener Beitragvon Karat » 11.10.12 17:41

Wer weiß schon wirklich was am Ende einer Ausbildung steht. Sei es Lehre oder Studium. Die Zweifel das Falsche gewählt zu haben, beschäftigt doch im Grunde jeden, oder fast jeden. Ob nun jeder eine super Karriere macht ist dahingestellt, dennoch kann man auch in einer "normalen" Stellung seinen Mann stehen, nicht jeder muß gleich Chef werden.
Du erwähnst "Störfaktoren" Was immer du machst oder anstrebst, ohne Hürden wird es wohl nicht gehen. Jeder der studiert wird auch mit Fächern konfrontiert die ihm nicht ganz so liegen, aber dennoch zur Ausbildung dazugehören.

Zitat von dir : Ich weiß nicht, ob ich jemand bin, der die Schicksale der Leute erträgt …

Wenn du tatsächlich Psychologie anstebst, oder die Idee hast, das zu studieren, sollte doch ein gewisses Interesse an Menschen bestehen. Leute ertragen ? hört sich nicht gerade danach an, dass ein Mensch sich mit seinen Nöten dir anvertrauen sollte.
Psychologie ist bestimmt nicht damit getan, sich Probleme anzuhören, schätze mal da ist auch Einfühlungsvermögen gefragt und ehrliches Interesse an den Sorgen und Nöten anderer Menschen.

Finde Informatik nicht schlecht, schließlich ist der Bereich der Berufe dort breit gefächert. Dort ist für viele etwas Passendes zu finden, ob in Richtung Soft- oder Hardware.

Die Entscheidung das Richtig zu beginnen ist nicht leicht und es ist auch kein Beinbruch, wenn man sich umentscheidet, solange man nicht stillsteht. DEN idealen Job gibt es fast nicht und schon garnicht fällt er einem mühelos in den Schoß.
Mach dich schlau über verschiedene Berufe, vielleicht in Form eines kurzen Praktikums, das erleichtert das aussortieren von völlig unpassenden Beschäftigungen. Viel Glück !
Fühle die Würde eines Kindes, fühl dich nicht ihm überlegen, denn du bist es nicht.

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Re: Studium: Psychologie Vs. Informatik

Ungelesener Beitragvon JaymZ » 12.10.12 10:36

Ich glaub man sollte sich bewusst darüber sein, das Psychologie als Studienfach erstmal viel trockene Theorie und Wissenschaft ist. Meine ehem. Mitbewohnerin hat das auch studiert (Diplom) und meinte das erst, als sie die Therapeutenausbildung angefangen hat (nochmal 4 Jahre Ausbildung für nen Hungerlohn, nachdem sie schon 4 Jahre studiert hat - parallel zur Doktorarbeit an einem recht bekannten Institut) sie wirklich was mit Menschen zu tun hatte.
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