Spenderkind

Habt ihr etwas über Euch und euer Umfeld zu erzählen, Probleme oder Kummer? Schreibt es hier rein.
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Christie
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Christie » 04.04.12 14:06

Ich weiß nicht, ob ich dir da was unterstelle, Sarah, aber ich finde deine Sichtweise ein bisschen kurz gedacht.
Was passiert denn in dem unwahrscheinlichen Fall, dass du deinen Erzeuger findest?
Er wird dich sicher nicht mit offenen Armen als sein verlorenes Kind empfangen. Eher wird er dich fragen, ob du das Spenderkind vom März 89 oder Dezember 88 bist.
Willst du dir die Enttäuschung wirklich geben?
Und wie viel kostet dieses Gratiswochenende?

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sonni
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon sonni » 04.04.12 21:26

JaymZ hat geschrieben:der drang seinen biologischen vater zu kennen, ist würde ich mal sagen völlig normal. ich versteh irgendwie nicht, was daran so schwer zu verstehen ist.


weil ich meinen nicht kenne und nur der fehlende vater das interesse auslöste. später mit stiefvater wurde es weniger, als ich erwachsen war, wars dann irgendwann egal. der ursprung meinen genetischen materials war nie wichtig.

so. und hier sind liebende eltern vorhanden, deswegen interessiert mich halt woher die neugier kommt.
hab ich aber schon hinlänglich erklärt.

Karat
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Karat » 08.04.12 15:58

Zig Meinungen gegen, oder dafür denke wir können uns abregen, @SarahPnkss war seit dem nicht mehr online hier. Möglich dass sie es nur irgendwie zu "Papier" bringen wollte. Sie wird schon die richtige Entscheidung für sich selbst treffen, so oder so.
Denn sie weiß wer wirklich ihr Vater war und ist seit es sie gibt.
Fühle die Würde eines Kindes, fühl dich nicht ihm überlegen, denn du bist es nicht.

SarahPnkss
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon SarahPnkss » 14.04.12 23:24

Ohje ohje, jetzt war ich ja ewig nicht hier online und auf einmal lese ich hier 2 Seiten von Antworten. Erst mal vielen Danke für eure Mienungen.
Ich muss jetzt erstmal sagen, dass ich sehr arg daran bin diesen Menschen zu finden. Ich habe nämlich geklagt. Vorher war ich natürlich auch persönlich bei der Arztpraxis, der die Samenbank ebenfalls gehört. Ebenfalls bin ich Mitglied in einem Verein und wir betreiben immer mehr Öffentlichkeitsarbeit.
Mir ist das Thema sehr sehr ernst und ich finde das sehr viele Sachen rechtlich geregelt werden müssen.
Also Krankheiten habe ich jetzt nicht, das einzige ist ein Knubbel in der Brust und meine Gynäkologin fragt mich immer wieder auf Neue, ob denn Brustkrebs in der Familie bekannt ist.
So desweiteren suche ich keinen Vater oder Papa, ich suche lediglich diesen Mann, und ich möchte einfach nur erfahren was er für ein Mensch ist. Was er beruflich macht, welche Hobbys er hat, welche Talente er hat, welche Eigenarten. Und vorallem möchte ich ihn SEHEN, ich will sein gesucht sehen, uns meine Gesichtzüge bei ihm sehen und zum ersen mal in meinem Leben die selben entdecken. Ich habe wirklich gar nichts von meiner Mutter, bis auf den Körperbau - also optisch. Auch sonst bin ich schon total anders und ich kann mir einfach vorstellen, dass Gene da eine riessen Rolle spielen. Vorallem beim Beruf und bei den Talenten. Ich will danach einfach wissen, was von ihm ist, was von meiner Mutter und reine Erziehung und was wirklich nur von mir ist - mich dadurch also selber finden, bzw. NEU finden. Ich liebe meinen Vater und ich schätze ihn sehr und ich weiß auch, was es für ein GESCHENK ist, dass ich lebe und in einer so tollen Familie bin, die mich liebt und unterstützt. Ich lebe mit dem Gedanken, dass ich ein Wunschkind bin und ich fühle mich so und das macht natürlich glücklich. Ich weiß längst, dass ein Vater nicht durch Gene zum Vater wird, sondern durch Liebe und Anwesenheit im Leben und noch vieles mehr.
Ich bin mir auch bewusst, dass sich hinter meinem Erzeuger ein Mensch verbergen könnte, der mich entsetzt, wie man es hie liebevoll "PENNER" genannt hat, aber das ist mir relativ egal. Umso glücklicher wäre ich, nicht seine soziale Tochter zu sein, sondern, dass mein Schicksal woanders gesetzt wurde.
Rechtlich habe ich das "Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung", darauf berufen wir uns auch in der Klage. RECHTLICH gesehen, hat also der Spender kein Recht auf Anonymität, da das Recht auf Kenntnisnder eigenen Abstammung auch ans Persnölichkeitsrecht gekoppelt ist. Ganz ehrlich, adoptierte Kinder könne ohne Probleme die leiblichen Eltern kennenlernen. Warum also sollen wir davon ausgeschlossen sein? Ich sage euch: es ist die Industrie, die dadurch entstanden ist. Es geht noch für die Ärzte nciht mehr um den guten Willen, sondern nur um Geld. Die sammeln doch Spermien, wie andere Briefmarken...leider ist das so.
Ich möchte hier auf endlich die Vorwürfe entmachten, wir würden Geld wollen. Journalisten fragen immer, ob wir Unterhalt wollen oder die Erbschaft anfechten möchten. Theoretisch ist das möglich, aber 1. kenne ich niemand, der das möchte (ich kenne viele) und 2. ist der Weg echt hart: dafür müssten wir erstmal die Vaterschaft unserer vaters aberkennen lassen und dann die Vaterschaft des Spenders anerkennen lassen, mittels Vaterschaftstest und natürlich vor Gericht. Sorry, aber Moral haben wir noch, und unseren Vätern würden wir sowas eh niemals antuen. Krass, dass sowas überhaupt möglich ist -> wie gesagt, rechtlich sollte einiges geklärt sein.

Ich glaube übrigens fest daran, dass sich der Spender dafür interessiert. Zumindest meiner, denn wenn habe ich diese Neugierde und diesen Wissenshunger von ihm und vorallem dieses Durchsetzungsvermögen. Das ist aber natürlich individuell. In kleineren Praxen war es sogar schon möglich, dass sich Spender und Spenderkind begegneten und abgeneigt war bisher keiner. es sind sogar Freundschaften entstanden..was wiederum auch wieder individuell ist, aber auf jeden Fall nicht selten der Fall.

Ich bin der Auffassung, dass der Wunsch nach den Wurzeln nachzuvollziehen ist und weitesgehend sogar normal. Und wenn nicht das der Fall ist, dann ist es trotzalledem unser Recht, und dafür kämpfen wir. Die erwachsenen Spenderkinder sind nun die ersten, die legal entstanden sind, die Welle hat also grade erst begonnen.

carola
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon carola » 15.04.12 17:56

Respekt, damit hast Du einigen Beitragsschreibern ganz schön den Wind aus den Segeln genommen.

Das man aber theoretisch mit guten juristischen Aussichten Unterhalt einklagen oder Erbschaften anfechten kann, finde ich arg bedenklich.

Carola

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Vera
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Vera » 15.04.12 18:47

Na dann drücke ich dir die Daumen, dass du Erfolg hast und deinen Vater kennen lernst. Spannend wird das bestimmt. Halt uns doch bitte auf dem Laufenden.
Jeder Mensch ist anders - nur ich nicht!

Ypsu
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Ypsu » 16.04.12 11:33

Mir gefällt deine Einstellung zu dem Thema wahnsinnig gut und ich wünsche die viel Erfolg bei der Klage!

SarahPnkss
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon SarahPnkss » 21.04.12 12:06

Vielen Dank :))

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sonni
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon sonni » 11.05.12 11:16

hi sarah, schön, dich wieder hier zu lesen.
mh, ich würde nich sagen, dass der text den wind aus den segel genommen hat. eher hat er mir einen neuen blickwinkel gezeigt. ich bin beeindruckt, wie viel du tust und getan hast (oder eher gesagt "ihr"). anfangs wirkte es für mich wie eine fixe idee einen behütet aufgewachsenen menschen, der einfach nur (aus langeweile?) eine gewisse neugier hat. jetzt verstehe ich eher, was du meinst und worauf es dir ankommt. danke dafür :)

wir sind ja nicht hier, um irgendwen an die wand zu reden (naja, die meisten jedenfalls nicht ;)..) hälst du uns auf dem laufenden?

SarahPnkss
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon SarahPnkss » 19.05.12 16:16

Hey Sonni,
vielen Dank für das positive Feedback - es tut immer gut nicht nur verurteilt zu werden.
Ich halte euch gerne auf dem Laufenden ;)
Vor 2 Wochen erst war ich zB in der Bild der Frau mit einem Artikel abgebildet :)
Und vor wenigen Tagen habe ich Post vom OLG bekommen und die Verhandlung geht jetzt weiter bzw. die Berufung. Mal sehen, was passiert :)

LG

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egozentrum
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon egozentrum » 19.05.12 21:58

Hallo!

Ich danke für diesen Sachbeitrag. Damit ergibt sich eine sehr schön neutrale, von Familiendramen wunderbar unabhängige Perspektive auf Teilsapekte von Konstellationen, die hier im Forum häufiger mal auftauchen.

Ich finde es auch gut nachvollziehbar, daß Du an deinen genetischen Wurzeln interessiert bist. Wenn es schon medizinisch sinnvoll ist, Vorsorgemassnahmen am Auftritt von Erkrankungen in der Familie zu orientieren, dann kannst Du ja bei deiner Selbstdarstellung gegenüber potentiellen Partnern nur benachteiligt sein.

So unangenehm das für Dich auch sein mag, daran wird die Menschheit nicht zugrunde gehen, und überhaupt fragt eh' kein Mensch erstmal nach der Ausartung des Stammbaum-Genmaterials, bevor das zur Sache geht. Keine Ahnung, wie Mediziner das sehen, aber ich schätze mal, so enorm gross sind durch stammbaumbezogegene Vorsorgemassnahmen erzielbare "Gesundheitsgewinne" letzlich (im Durchschnit) auch nicht (es gibt ja doch 'ne Menge Elend, das mit Genen gar nichts, oder nur ganz wenig, oder in nicht zu überschauender Weise zu tun hat).

Von daher ist zwar schon klar, daß deine Eltern u.a. Leute irgendwelche Verträge über Sachen geschlossen haben, über die sie gar nicht verfügen durften, aber auf der anderen Seite kann man schon auch fragen, inwieweit das nicht noch in den Rahmen der dem Einzelnen zuzusprechenden Verfügungsgewalt fällt.

Warum sollten nicht auch in der Kombination zeugungsunfähige Paare Kinder bekommen, wenn das so einfach machbar ist? Und warum sollten die dazu nicht zur Not auch auf den zweifelsohne vorhandenen Pool anonymen Duchschnittssperms zurückgreifen können? Also ich jedenfalls sehe mich jetzt durch deinen Vortrag noch nicht so recht motiviert, da irgendwelche Arme des Gesetzes einzufordern. Mir scheint es ausreichend zu sein, festzustellen, daß deine Eltern da etwas mehr Gedanken um Dich und dein Leben hätten machen können (die hätten ja zumindest prinzipiell auf weniger anonymes Material bestehen können).

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sonni
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon sonni » 03.06.12 12:40

musst du auch nicht, wenn du nicht betroffen bist.

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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon SarahPnkss » 17.08.12 13:02

Das Wort 'vemissen' ist leider mal so gar nicht angebracht.
Ich habe nichts, was ich vermisse. Ich habe eine tolle Familie und liebe meinen Vater nicht anders, als andere ihren leiblichen. Trotzdem wir nciht 'verwandt' sind, verbindet uns einiges. EIne Vaterrolle ist nunmal nicht genetisch bedingt, sondern setzt sich aus einer sozialen Konstruktion zusammen. Es gibt genug Kinder, die sie, trotz genetischer Verbindung, nicht mit ihren Eltern verstehen und haben keine Beziehung zu ihrem Vater oder der Mutter - ganz egal. Wir sind auch eine normale Familie mit Höhen und Tiefen. Das Eine hat mit dem Anderen nicht zu tun.
Es geht mir, und auch allen anderen, die ich kenne, nur darum sich selbst zu finden und nciht darum eine Vaterfigur zu finden. Wir sind uns zudem einig, dass selbst wenn wir diesen Menschen irgendwann mal kennenlernen sollten, niemals eine Vaterrolle überhaupt aufbauen KÖNNTEN, geschweige denn wollten. EIn 'hallo Papa, ich bin dein Kind' ist damit so vorurteilhaft, dass es schon zum Fremdschämen anregt.
Ich zum Beispiel möchte diesen Menschen kennenlernen, weil es mittlerweile um's Prinzip geht. Es ist unser Recht, genauso wie von jedem anderen Menschen, seine Abstammung zu kennen -> Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung. Dieses Recht ist an's Persönlichkeitsrecht gekoppelt und ist damit sogar entfernt ein Grundgesetz. Das sage nicht ich, sondern bekannte und angesehene Juristen.
Weiter möchte ich meinen Spender kennenlernen um zu sehen, was ich von ihm habe. Was von ihm kommt und wirklich nur durch Gene in mir ist. Was ich damit von meiner Mutter habe, was ich durch Erziehung habe um DANN zu sehen: Genau das ist nur von mir. Das macht mich einzigartig. Besonders in der Hinsicht, dass ich ca. 15 Halbgeschwister haben werde. Ist man da noch ein Individuum oder ein Produkt? Ethisch interessant.
Was kann ich eigentlich für Krankheiten in mir tragen? Welche Krankheiten kamen in seiner Familie vor? Krankheiten, die vllt sogar eine Generation überspringen und meine Kinder irgendwann betreffen könnten? Habe ich Risiken, denen ich vorbeugen kann? Müttlerichseits weiß ich worauf ich mich vorbereiten kann, aber wenn der Arzt fragt welche Krankheiten väterlicherseits bekannt sind...Fragezeichen!
Ich finde es mittlerweile so doof, dass man sich dafür rechtfertigen muss. Ich verstehe schon, dass man den Wunsch nicht ganz nachvollziehen kann, vor allem als Unbetroffener, aber wenn man einmal überlegt, klingen diese Forderungen logisch. Der eine interessiert sich nunmal mehr, der andere weniger für seine Wurzeln. Ich kenne auch welche, die sich gar nicht dafür interessieren. Aber trotzdem sagen auch diese Leute: Es ist dennoch unser Recht, und es muss was passieren. Das Geschäft boomt und immer mehr Kinder entstehen künstlich, aber es MUSS einfach daran gedacht werden, dass diese Babys, die die Familie komplettieren nunmal erwachsen werden und dann werden es noch mehr sein, die danach fordern. Wir sind nur die ersten, die jetzt erwachsen sind und auf diese Weise gezeugt wurden. Es gibt aktuell schon 120.000 in Deutschland und es werden täglich mehr.
Adoptierte Kinder haben diese Möglichkeit. Selbst Kindr aus One-Night-Stand haben die Möglichkeit (sofern sich die Mutter daran errinnert ^^). Es kann aber nicht sein, dass es uns rechtlich verboten ist und, dass Verträge zu Lasten Dritter unterschrieben werden und als gültig angesehen werden, weil wir ja noch eingefroren waren.
Mit der Familie, die wir haben und lieben hat das alles nichts zu tun. Das sei festzuhalten.
LG

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Vera
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon Vera » 07.02.13 18:11

Da können SarahPnkss und Spenderkind sich ja nun freuen: http://www1.wdr.de/themen/ratgeber/anon ... de116.html. Ich gratuliere und frage mich, ob es sich bei der Threaderöffnerin um die Klägerin handelt.
Jeder Mensch ist anders - nur ich nicht!

SarahPnkss
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Re: Spenderkind

Ungelesener Beitragvon SarahPnkss » 19.02.13 00:12

Genau die bin ich ;)


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