Vater macht Mutter leben zur Hölle

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mumble
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Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon mumble » 03.01.12 01:57

Hallo,

hätte gerne mal eure Meinung zu folgendem Thema.

Die Rollenverteilung bei meinen Eltern ist seit jeher klassisch. Mein Vater war berufstätig und holte das Geld nach Hause, meine Mutter war / ist Hausfrau und hat 3 Kinder großgezogen. Mein Vater ist jetzt seit 15 Jahren in Rente, meine Mutter hat zu Zeiten als mein Vater noch arbeiten war immer davon geträumt, wenn er in Rente ist endlich verreisen zu können und die Dinge zu tun bei denen sie sich immer zurückgehalten hat. Doch es kam alles ganz anders. Mein Vater hatte nie Interesse gehabt groß zu verreisen. Wenn die beiden mal wegfahren, dann zu Supermärkten umd dort den Tag zu verbringen und Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Jetzt kommt seit dem letzten Jahr noch dazu, das mein Vater gesundheitlich ziemlich angeschlagen ist (Atrose / Gischt) und körperlich überhaupt nichts mehr macht, wie beispielsweise Gartenarbeit. Wenn man ihn drauf anspricht kommen ständig Sprüche wie "Was hab ich früher den Hof gekehrt..." etc. Zudem hat er jetzt natürlich eine perfekte Ausrede um nicht mehr zu verreisen. Die ganzen Dinge wie Gartenarbeit etc. bleiben jetzt natürlich an meiner Mutter hängen, die körperlich noch relativ fit ist und auch 10 Jahre jünger als mein Vater ist.

Ich bin vor 5 Jahren beruflich bedingt ausgezogen, was mir auch recht kam, und besuche meine Eltern jedes Wochenende. Was ich da jedes Wochenende mitbekomme macht mich jedes Mal fertig. Sie kriegen sich wegen der Verreiserei und der Gartenarbeit etc. ständig in die Wolle und es fliegen die Fetzen. Mein Vater meint sie solle endlich verschwinden oder alleine verreisen, meine Mutter weint dann nur noch und ich muss sie trösten. Mein Vater scheint sich neuerdings sowieso in der Rolle des Familientyranns wohlzufühlen, da auch andere ständig "dran" sind. Wenn ich am Wochenende wieder wegfahren muss, verlasse ich meine Mutter nur sehr ungern und hab jedes Mal ein schlechtes Gewissen.

Der Respekt vor meinem Vater schwindet immer mehr. Eigentilch habe ich immer zu ihm aufgesehen da er alleine eine Familie versorgt hat, 2 Häuse gebaut hat und eigentilch ein guter Vater auch war. Gefühle konnte er aber nie zeigen und hat alles immer mit Geld geregelt, so wie er meine Mutter mit Geld versorgt hat und mich wenn ich irgendwas in der Vergangenheit gebraucht habe. Ich überlege in letzter Zeit ernsthaft meiner Mutter zu raten sich zu trennen damit sie sich noch 10 - 20 schöne Jahre machen kann. Dann denke ich wieder darüber nach wo sie hingehen soll (Frauenhaus ?) und ob sie alleine überhaupt zurecht käme. Sie könnte zu mir in die Stadt in die Nähe ziehen, allerdings bin ich beruflich so eingespannt das ich auch nicht immer Zeit für sie hätte.

Ich finde einfach das meine Mutter ein besseres Leben verdient häte, als sie es hatte und jetzt hat. Meine Eltern hätten eigentlich nie heiraten dürfen und ich frage mich außerdem auch wie sie 3 Kinder bekommen konnten. Soll meine Mutter wirklich warten bis mein Vater verstorben ist damit sich irgendwas ändert ? Mittlerweile empfinge ich fast so etwas wie Hass (ein hartes Wort) für meinen Vater und gehe jede Woche mit ihm auf Konfrontationskurs.

Ich weiss einfach nicht was ich meiner Mutter raten soll. Es macht mich einfach nur fertig jedes Wochenende dieses Drama zu sehen und danach wieder wegzufahren. Auf meine Geschwister kann ich leider auch nicht zählen da diese sich sehr frühzeitig von ihren Eltern getrennt haben und auch sonst nicht sehr viel für sie übrig haben. Ich bin quasi der letzte Strohhalm den meine Mutter noch hat.

Könnt ihr mir Tipps geben was ich machen soll ?

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Vera
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon Vera » 03.01.12 09:45

Hallo mumble,

ein wenig erinnert mich das an meine eigene Familie.

Im Grunde wäre für deine Mutter die Trennung wohl das Beste, aber ebenso wenig wie meine Mutter das hinbekommen hätte, wird deine das bestimmt auch nicht angehen wollen. Ich schätze, sie hat sich in ihr Schicksal ergeben und das Gefühl, wegen der finanziellen Seite, zur ewigen Dankbarkeit verpflichtet zu sein.

Die beiden passen nicht zusammen und hätten nie heiraten dürfen. Haben sie aber. Was kann man nun machen?

Vielleicht eine Eheberatung (wobei dein Vater das vermutlich nicht mitmachen würde - so wäre es bei meinem Vater zumindest gewesen) oder ein Gespräch mit jemandem, vor dem dein Vater wirklich Respekt hat (sofern es einen solchen Menschen gibt).

Am einfachsten wäre natürlich, wenn du zu deinem Vater durchdringen könntest. Geht das vielleicht?

Viel Glück
Vera
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Christie
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon Christie » 03.01.12 13:45

Um ehrlich zu sein kann ich die Position deines Vaters schon sehr gut nachvollziehen.

Er hat sein Leben lang gearbeitet und möchte sich jetzt einen entspannten Lebensabend gönnen. Du schreibst ja selbst, dass er nie so der reiselustige Typ war.
Deiner Mutter hat er ja klar gesagt, dass er ihre Passion fürs Reisen nicht teilt; diese Einstellung wird sich wohl auch nicht ändern; und ich glaube nicht, dass es so toll ist, jedes mal wieder mit Reiseplänen bearbeitet zu werden und im Endeffekt dann nichts als Tränen und Geheul zu ernten.

Warum fährt deine Mutter nicht mit Verwandten, Freunden weg? Oder mit dir und deinen Geschwistern?
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JaymZ
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon JaymZ » 03.01.12 14:50

naja... also so einfach ist das ja nicht.

wenn man ein leben lang zusammen ist, verheiratet usw. dann macht man sich doch zwangsläufig gedanken über seinen lebensabend (zusammen!). und ich kann mir nicht vorstellen, dass das im laufe der ehe nicht mal zur sprache kam. wenn nun der vater im alter da plötzlich keinen bock mehr drauf hat, könnte ich mir vorstellen, dass das leicht frustrierend für deine mutter sein könnte. hier gehts ja nicht mehr um kleinigkeiten sondern um einen ganzen lebensabschnitt.
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Christie
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon Christie » 03.01.12 15:49

Naja, aber es klingt ja nun nicht so, als wäre das eine plötzliche Meinungsänderung des Vaters; mir stellt sich das eher so dar, als hätte der Vater schon immer eine gewisse Reiseunlust in sich getragen, was der Mutter ja durchaus bewusst sein dürfte.
Ich finde es auch etwas übertrieben, gleich von Tyrannei zu sprechen.

Es ist allerdings schon schwierig, da einen vernünftigen Ratschlag zu geben; es müsste irgendein Mittelweg her *ratlos am Kopf kratz*
Und wie viel kostet dieses Gratiswochenende?

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Vera
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon Vera » 03.01.12 18:20

Ich denke, es geht auch weniger um die Reiseunlust als die Tatsache, dass die Frau in allen Dingen des Lebens von ihrem Mann alleingelassen wird.
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon mumble » 07.01.12 20:48

Hallo,

vielen lieben dank für eure Antworten.

Mein Vater hat nicht immer eine reiseunlust in sich getragen. So lange er für seinen Job nach Lybien, Indien oder sonstwo hinmusste, war er voll und ganz dabei.
Er hat für seinen Job gelebt und geliebt !

Zur Eheberatung würde mein Vater nie und nimmer gehen. Er ist ein gefühlsloser Holzklotz. Ich muss wissen von was ich rede denn ich komme leider ganz nach ihm. Nach fast 40 Jahren Ehe denke ich allerdings auch, brauch man nicht mehr zur Eheberatung zu gehen. So weit ich weiss, haben die beiden nie darüber gesprochen oder Pläne gemacht, wie sie ihren Lebensabend verbringen möchten. Zumindest hab ich davon nichts mitbekommen. Und wenn sie darüber gesprochen hätten, hätte sich meine Mutter mit dieser Situation nie und nimmer abgefunden. Es kann doch einfach nicht sein, dass der Sinn im letzten Lebensabschnitt darin liegt, irgendwann zwischen 11 und 15 Uhr aufzustehen, in irgendwelchen Einkaufscenter einen Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen und dann den Rest des abends vorm Fernseher zu verbringen, oder ? Ich glaube wenn ich so Enden sollte, geb ich mir vorher die Kugel.

Und ja, mein Vater hat sein Leben lang gearbeitet. Aber meine Mutter auch. Sie hat 3 Kinder großgezogen, während mein Vater das Geld heimgebracht hat.
Ich denke insofern hat sie ein schöneren Lebensabend verdient, als sie es jetzt hat.

Irgendwie glaube ich auch, dass er meine Mutter quälen WILL. Er prahlt oft damit wo er schon überall im Job war, wenn er sie was fragt und sie antwortet sagt er mitten im Satz "hmhm" und hört überhaupt nicht zu. Mich kotzt die Situation zu Hause einfach nur noch an. Vielleicht rate ich meiner Mutter wirklich noch das sie ihn verlassen soll und sich noch ein paar schöne Jahre ohne ihn machen soll.

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Vera
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon Vera » 08.01.12 07:51

Ich finde auch nach so vielen Jahren ist eine Eheberatung nicht sinnlos, denn Fakt ist, dass die beiden auf einen gemeinsamen Konsens kommen müssen. Also entweder ein Kompromiss in Sachen Reisen oder eben die Trennung.

Beide haben doch das Recht auf ein glückliches Leben und wenn die Vorstellungen beider Parteien davon, was Glück ist, zu weit auseinanderliegen, kann es keine einvernehmliche Lösung geben, wenn keine Kompromissbereitschaft herrscht.
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carola
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon carola » 09.01.12 02:31

mumble hat geschrieben:
... und dann den Rest des abends vorm Fernseher zu verbringen ...
...
Irgendwie glaube ich auch, dass er meine Mutter quälen WILL. l.




Hmhm, vielleicht kann ein gleichgearteter Humor Deinen Eltern als Brücke dienen,
z.B. da sie ohnehin viel fernsehen, mal einen Film wie Die Katze (mit Simone Signoret und Jean Gabin)
oder Loriots Papa ante Portas, oder andere Filme die eben vom Thema passen, sehen würden.

Man rappelt sich sicher leichter dazu auf, was an sich zu ändern,
wenn man gemeinsam über was lacht und miteinander spricht
und sich selbst Ähnlichkeiten mit einer Filmfigur eingestehen muss,
und dann diskutiert,
als wenn man abgenervt ist weil man in einem Klima der ständigen latenten Unzufriedenheit des Partners lebt.

Diese -oder andere- DVDs (und natürlich den ggf. noch fehlenden DVD-Player) könntest Du ihnen ja schenken ...


Carola

Volvobenn
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Re: Vater macht Mutter leben zur Hölle

Ungelesener Beitragvon Volvobenn » 13.09.12 01:41

Das kommt mir recht bekannt vor und ein solches Verhalten hat auch mein Vater im Laufe der Zeit an den tag gelegt.

Versuch mit deinen Eltern zu reden und wenn du deiner Mutter die Scheidung nahe legen mußt..
Aber ich habe mit angesehen wie mein Vater meine Mutter zu Grunde gerichtet hat.
Ich habe damals auf meine schlichtende Mutter gehört, wenn ich mal die Faust auf den Tisch knallen wollte, was letzten Endes ihr Leben gekostet hat. (Stress ist nun einmal auf dauer tödlich)

Es ging sogar so weit, das mein Vater (unterbewusst und extra um mehr Fürsorge zu erfahren) inkontinent wurde.
Im Pflegeheim und nach ein paar Wochen, nach dem Tod meiner Mutter, war von dieser Inkontinenz keine Spur mehr vorhanden.
Könnte ich noch einmal die Zeit zurück drehen, würde ich wenn nötig meinen Vater aus dem Haus rausprügeln !

Ich will auf keinen Fall den Teufel an die Wand malen, aber es ist immer besser, sich zu trennen bevor ein Teil in Mitleidenschaft gezogen wird.
Und ich habe sehr lange Zeit, meinem Vater nicht verzeihen können, das er einen so herzensguten Menschen durch seine Faulheit und seinen Eigennutzen das Lebensende ruiniert hat. Auch meine Mutter hätte viel besseres verdient.

PS. Manche Menschen werden leider unausstehlich im Alter und dann muß man auch nach Jahren der Ehe einen Schlusstrich ziehen.


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